Blogparaden in der Kultur – Chancen, Risiken und Learnings

Was sind die Chancen von Blogparaden und was ihre Risiken? Beides gibt es. Nach sieben Jahren Bloggen ziehe ich ein erstes Resümee mitsamt Learnings einschließlich der Historie von Museumsblogparaden. Dieses Format der Vernetzung weitete meinen Blick. Ich lernte darüber spannende Blogs kennen und ließ mich auf ungewohnte Gedankenspiele ein. Als digitale Kulturvermittlerin sind sie für mich willkommenes Medium, Kulturthemen gemeinsam mit anderen im Netz zu diskutieren. Im Idealfall steigern wir so ihre Sichtbarkeit. Dabei sprenge ich sehr gerne die Kultur-Filterblase und verbinde die Menschen miteinander. Warum?

Glühendes Eisen auf einem Amboss. Der Hammer schlägt zu. Steht symbolisch für Blogparaden in der Kultur - Chancen, Risiken und Learnings.

Chancen, Risiken und Learnings von Kultur-Blogparden. Digitale Kulturvermittlung glüht für die Sichtbarkeit von Kultur. Was sind die Ziele von Blogparaden?

Die Frage beantworte ich noch. Der Artikel entwickelte sich anders, als ich es anfänglich plante, deshalb schicke ich ein Inhaltsverzeichnis vorweg.

1. Blogparade – was ist das?
2. Filterblase sprengen – warum liebe ich das?
3. Chancen für die Kulturvermittlung
4. Netzwerken
5. Kultur-Blogparaden-Zahlenspiel
6. Die ersten Museumsblogparaden – klein aber fein
6.1. Was war das Ziel?
6.2. Warum richteten sie sich allein an institutionelle Kultur-Blogs (Corporate Blogs)?
7. Meine Kultur-Blogparaden – Idee, Zeitplan & Organisation
7.1. Warum ist der Zeitpunkt einer Blogparade wichtig?
7.2. Was zählt zu einer guten Betreuung der Organisatoren?
7.3. Steigerung der Leserzugriffe?
8. Konzeption und Durchführung von Museumsblogparaden – 4 auf einen Streich
8.1. Staffellauf zum Europäischen Kulturerbejahres 2018
8.2. Digitale Kulturvermittlung – Coaching der Museen
8.3. Don‘ts und Fehleinschätzungen
9. Kultur-Blogparaden – Risiken und Fragen
10. Learnings zur Organisation von Kultur-Blogparaden
11. Fazit und Bekenntnis
12. Historie von Museums-Blogparaden

Blogparade – was ist das?

Eine Blogparade, früher auch Blog-Karneval genannt, ist eine zeitlich befristete Blog-Aktion. Ein Blogbetreiber gibt in einem Blogpost ein Thema vor, zu dem andere Blogger und Interessierte einen Artikel schreiben können. Sie verlinken ihren Beitrag mit der Einladung des Initiators. Dieser sammelt, verlinkt und bewirbt die Eingänge im Social Web. Ziel ist es, ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, sich zu vernetzen und den Lesern Denkanstöße zu liefern. Im Idealfall entsteht darüber ein Austausch. Eine Idee wird gemeinschaftlich geformt. Gerade das begeistert mich.

Sind Kultur-Blogparaden anders als andere? Nein. Grundsätzlich lassen sich die Learnings zu den Chancen und Risiken von diesen auf die Blogosphäre allgemein übertragen. Das trifft vor allem auf die Fragen zu, wie Blogparaden funktionieren und was es dabei zu beachten gilt.

Schloss Nymphenburg mit Enten, illustrierend zur Blogparade #tchhparade

Kaum das Blog eingerichtet, schon nahm ich an der ersten Bloparade teil – Blogparade #tchhparade – Schlüsselerlebnisse digital: das erste Mal oder Faszination Twitter

Bevor ich das ausführe, kommt ein kleiner Einschub aus der Sicht der Kulturfrau auf Filterblasen, Kulturvermittlung und Blog-Karnevals.

Filterblase sprengen – warum liebe ich das?

Weil

  • mich der Blick auf Kultur jenseits meiner Kultur-Filterblase fasziniert[1]
  • mir der akademische Elfenbeinturm zu einseitig ist. Wissen möchte ich mit (Er-)Leben gemeinsam mit anderen füllen und das am liebsten aus verschiedenen Perspektiven.
  • ich mit Kultur infizieren möchte und zwar jeden – ob Groß oder Klein, Experte oder Laie –, der gewillt ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
  • ich Menschen jenseits der Kultur mit Kulturfachleuten zusammenbringen möchte. Im Idealfall entwickeln sie gemeinsam etwas Neues oder vermitteln sich wechselseitige Denkanstöße zu mehr. Wenn am Ende mehr Verständnis füreinander dabei herausspringt, ist schon viel gewonnen.
  • ich so herausfinde, was die Gedanken und Bedürfnisse an Kulturerleben von ganz verschiedenen Menschen sind. Das liefert mir wertvolle Impulse, Kulturthemen voranzubringen. Kultur und ihre Vermittlung besitzen für mich einen heilenden und integrativ wirkenden Wert, der in der aktuellen Zeit wichtiger denn je ist.
  • ich gerne Kultur ins Bewusstsein möglichst Vieler bringe, um gemeinsam über Werte einer Gesellschaft nachzudenken und diese im Idealfall zu (be)leben – eine in meinen Augen herausfordernde Aufgabe von Kulturhäusern, neben forschen, sammeln, bewahren und vermitteln.
  • ich mich gerne mit Bloggern vernetze, die ich über Blogparaden kennenlerne. Sie weiten meinen Blick auf für mich ungewohnte Themenfelder und Sichtweisen, die charmant und anstrengend zugleich sein können.
  • mir der freie Meinungsaustausch in allen Facetten wichtig ist – positiv wie negativ. Letzteres verlangt ungleich mehr Energie, hilft aber, Ansichten zu überdenken, zu ändern oder auszubauen und darüber neue Ideen zu gewinnen. Grundsätzlich ist Reibung gut, wenn dies respektvoll geschieht!

Chancen für die Kulturvermittlung

Auch das Marta Herford Museum bewertet in seiner Blogparade #BesucherMacht von 2015 das Format als prima Medium der Kulturvermittlung. Hier ein Zitat der ehemaligen Pressesprecherin Sarah Niesel in „#BesucherMacht – Die doppelte Macht des Besuchers“. Sie reagierte damit auf Kritik an der Initiative des Museums:

„Eine #Blogparade verstehe ich eben deshalb nicht als ein überholtes Format: Über eine niedrige Hemmschwelle kann Kontakt zum Museum aufgenommen werden. Besucher können ihre eigene Meinung zum Ausdruck bringen und stehen mit den Museumsleuten im Gespräch. Institutionen können sich aber auch fachsprachlich und -inhaltlich zu bestimmten Phänomenen äußern. Die Museen holen die Besucher im Netz ab und eine Blogparade ist freiwillig, scheint aber entgegen der Kritik nicht völlig überholt zu sein, wenn man die Anzahl der Beiträge und Twitter-Nachrichten als Kriterium verwendet.“

Und ganz wichtig:

„Eine #Blogparade sollte inhaltlich und praktisch in keiner Museumsblase stattfinden, sondern deren Erkenntnisse und Ideen sollten bestenfalls in die Ausstellungen, das Begleit- und Vermittlungs- und auch das Kommunikationskonzept des Museums einfließen.“

Das ist wünschenswert. #BesucherMacht löste vielfache flauschige und weniger flauschige Reaktionen über die Rolle von Museen in der Gesellschaft und der „Ermächtigung der Besucher“ aus. Sehr lesenswert ist die Nachlese von Roland Nachtigäller, dem Direktor des Marta Herford, in: „Pamphlet über die Augenhöhe“.

„Die großen Unterschiede in unserer Gesellschaft überbrücken wir nicht, indem wir uns im Bücken üben, gar buckeln, sondern allein über Bildung, Bildung, Bildung! Wann endlich wird in breitem Rahmen begriffen, dass Kultur, Soziales und Bildungswesen keine gegeneinander auszuspielenden Verantwortungsbereiche sind, sondern zusammengehören? Dass für die Herausforderungen des offenen Ganztags, der Wissensvermittlung, der Flüchtlingsströme die Museen und Kulturinitiativen ein Teil der Lösung sind. Und dass dies nur geschehen kann, wenn diese Institutionen nun nicht zu großen Sozialeinrichtungen umgebaut werden, sondern endlich wieder neben all dem Vermittlungsengagement auch ihre ureigenen Aufgaben wahrnehmen können: ein kulturelles Gedächtnis lebendig zu erhalten, es zu befragen, zu diskutieren und zu erweitern.“

Und weiter:

„Das Museum ist ein Schutzraum, ein Ort der Begegnung UND der Besinnung, laut und leise zugleich, leidenschaftlich, subjektiv, engagiert, Augen und Geist weit geöffnet. Das Museum ist ein Experimentierfeld, eine Versuchsanordnung über unsere Vergangenheit und eine mögliche Zukunft, ein Haus für Vorschläge und Angebote, wo Neues gedacht, Unkonventionelles erprobt und auch Fehler gemacht werden dürfen. …“

Vielleicht also sollten wir weniger die Zentimeter der Blickebene verhandeln als vielmehr das, was wir auf unseren unterschiedlichen Kopfhöhen sehen. Denn: Das Museum wird nur dann eine Überlebenschance[2] haben, wenn es weiterhin eine Zumutung bleibt, herausfordernd, in Frage stellend, verstörend.“

Sehr viel Denkstoff steckt hier drin, ausgelöst durch die Blogparade, heftig in den Kommentaren der Nachlese weiterdiskutiert und aktueller denn je. Also, mehr Chance oder doch nur Risiko? Für mich zählt die Sichtbarmachung von Kultur in der Gesellschaft, der Umgang mit ihr rund um die Wertediskussion und Mitgestaltung. Die Basis ist gegenseitiger Respekt und Verständnis füreinander und klar, darf gerne mal laut auf den Tisch gehauen werden.

Netzwerken

Eine Blogparade ist ein prima Medium der Vernetzung. Gerade der Netzwerkgedanke sollte vorrangig sein. Norman schreibt anlässlich der Blogparade „Vernetzung von Bloggern“ von bloggerabc:

Mein Ansatz war und ist es noch heute, neben der Selbstdarstellung und der Präsentation, die selbstverständlich eine Rolle spielen und ihren Raum fordern, durch Verlinkung, Empfehlung und Kommentierung auf Inhalte und Aktivitäten aufmerksam zu machen und gelegentlich auch an diesen teilzunehmen.

So kann jeder ein paar Fäden ins Netz einweben und zum Entstehen neuer Verbindungen beitragen.

Schön gesagt und ja, das ist eine Motivation unter weiteren bei Blogparaden mitzumachen oder diese durchzuführen.

Blick vom Café der Villa Stuck auf die Künstlervilla von draußen bei herrlichem Sonnenschein im April.

Blau-Weiß in voller Pracht: der Künstlergarten der Villa Stuck – Beitrag für die Blogparade #perlenfischen.

Kultur-Blogparaden-Zahlenspiel

Schon sehr früh in meinen Bloggeranfängen entdeckte ich das Medium für mich, formte es und spielte damit. Als ich meine Bloghistorie danach überprüfte, überraschte mich einiges –  Grundlage für meine Learnings rund um Chancen und Risiken von Blog-Karnevals:

  • Beiträge zu 37 Blogparaden (das klingt zwar viel, für Blogger-Urgesteine bin ich da ein absolutes Greenhorn).
  • Bei 26 beteiligte ich mich als Schreiberling, immer mit dem Rückbezug auf Kultur. Sie halfen mir, anders auf Kultur zu blicken. Zudem wäre ich auf die Themen alleine kaum gekommen. Das inspirierte.
  • Elf Blogparaden organisierte ich: sieben für Kulturhäuser und vier Kultur-Blogparaden im Blog.
  • Zu diesen erschienen bei mir 24 Gastbeiträge. Unglaublich! Tatsächlich öffneten diese Artikel mein Blog für weitere Gastautoren. Sie schrieben zu vielseitigen Kulturthemen, oft ohne konkreten Anlass. Die Gastbeiträge bereichern das Blog!

Tatsächlich sind Blogparaden hervorragende Möglichkeiten, sich zu einem bestimmten Thema mit anderen in unterschiedlicher Art auszutauschen.

Eisener Steg in Frankfurt

Eine absolut verrückte Ausstellung im Liebieghaus – zwischen Kitsch und Hummelfigur, Koons grüßt, 2012. Mein Beitrag zur Blogparade des Historischen Museums Frankfurt.

Die ersten Museumsblogparaden – klein aber fein

Die ersten zwei Blog-Karnevals plante ich als Museumsfrau für das Residenzblog der Bayerischen Schlösserverwaltung – dieses ging 2018 ins Schlösserblog (klarer Lesetipp!) über:

  1. Aufruf zur MUSEO-Blog-Parade 2012: Was ist Euer herausragendes Thema für 2012? #MBlogparade2012
    => das war die erste Blogparade von einem Museum in Deutschland
    => Pinterest-Board: Museo-Blogparade 2012
    => 18 Beiträge
  1. Aufruf zur Kultur-Blogparade 2013: „Der Blick hinter die Kulisse – unser Arbeitsalltag“ | #KBlogparade2013
    => Pinterest-Board: Kultur-Blogparade 2013
    => 21 Beiträge

Eine dritte erschien im Rahmen des Internationalen Museumstages 2013 – das Konzept erarbeitete ich im Team der Kulturkonsorten (oh man, lange ist das her):

  1. Aufruf zur Blogparade: „IMT13 – wir machen mit!
    => Pinterest-Board: Internationale Museumstag 2013 #IMT13
    => Achtung – die Linkstruktur wurde verändert; die Artikel gibt es noch, musst sie im Blog der Kulturkonsorten suchen.
    => einige Museen, die Gastartikel auf dem Blog der Kulturkonsorten lancierten, richteten später eigene Blogs ein. Das freut mich am meisten. Beispiele: Marta Herford Museum (klarer Lesetipp), Zeppelinmuseum Friedrichshafen (sehr engagiert), Deutsches Historisches Museum Berlin (hier bin ich Autorin für die Kolumne).
    => 39 Beiträge

Diesen drei Initiativen ist eines gemeinsam: Sie richteten sich ausschließlich an institutionelle Blogs im Kultursektor (Corporate Blogs), hier vornehmlich an Museumsblogs, von denen es 2012 – 2013 im deutschsprachigen Raum gerade mal um die 50-60 gab. Aktuell bloggen ca. 90 Museen von über 6.000 in Deutschland!

Was war das Ziel?

  • Museumsblogs und damit Kulturthemen sichtbarer zu machen (Nr. 1-3)
  • museologische Arbeit in ihrer ganzen Vielfalt vorstellen (Nr. 2, schimmert auch bei den anderen durch)
  • Hintergründe zu aktuellen museologischen Herausforderungen und Ausstellungen zu zeigen (Nr. 1)
  • den Internationalen Museumstag mit beteiligten Museen anteasern – Vorstellung der Aktionen im Museum, Neugier und Lust auf die Teilnahme vor Ort wecken (Nr. 3)
  • Der Blick hinter die Kulissen sollte Kultur-Themen mehr Sichtbarkeit verleihen.
  • virale Effekte, Teilen der Beiträge im Social Web, zur Steigerung der Sichtbarkeit von Museen nutzen.[3]
  • Blogparaden waren für uns ein neues Format der Kulturvermittlung.

Warum richteten sie sich allein an institutionelle Kultur-Blogs (Corporate Blogs)?

  • Weil wir uns an das besondere Format erstmals heranwagten. Wir hielten es deshalb geschlossen. Das lag vor allem an unseren Zielen und Themen.
  • Wir konnten noch nicht überblicken, was da auf uns zukommt. Deshalb sparten wir andere Blogs aus.
  • Wir wollten einen überschaubaren Arbeitsaufwand einhalten. Dieser ist um ein Vielfaches größer bei für alle offenen Blogparaden.
  • Es kamen Anfragen von Kultur-Akteuren mitzumachen. Nach internen Diskussionen ließen wir diese zu, da wir Kultur voranbringen wollten.
  • Wir wollten uns mit anderen Kulturhäusern vernetzen und uns darüber neue Leser erschließen. Kooperation ist hier das Stichwort: gegenseitige Hilfestellung für mehr Sichtbarkeit – institutionalisierte #Kulturpower eben!

Ende 2012 folgten die ersten Museumsblogs mit Blog-Karnevals nach. Diese begleiteten überwiegend Ausstellungen. Dabei öffneten sie sich für die Blogosphäre. Es ging mitunter um die Vernetzung mit Bloggern, auch kulturfremden (Blogger Relations). Eine Auflistung der Initiativen findest du in „Historie von Museumsblogparaden“. Diese Aktionen wurden zunehmend als das aufgefasst, was sie im Kern sind: großartige Formate der Kulturvermittlung und des vielbeschworenen Miteinanders von (digitalen) Besuchern und Museen, einschließlich Mitsprache und Mitgestaltung.

Weinflasche auf Tisch, im Hintergrund die Festung von Colliure, Südfrankreich.

Jetzt schnapp dir den Wein, sinniere über deinen Kulturblick und hau in die Tasten! Blogparade #KultBlick

Meine Kultur-Blogparaden – Idee, Zeitplan & Organisation

Mich reizte nun, eigene Kultur-Blogparaden auszurufen. Am Ende waren es vier. Über das Konzept brütete ich lange. Tatsächlich war es meine Spielwiese, mich mit Bloggern zu vernetzen, mich darüber auf neue Gedankenspiele einzulassen bzw. diese herauszufordern. In der Themenwahl war ich frei, natürlich hatten sie alle mit Kultur zu tun:

  1. Mein faszinierendes Kulturerlebnis |#KulturEr“ (2013) => 47 Beiträge
  2. Mein Kultur-Tipp für Euch“ #KultTipp (2014) => 76 Beiträge[4]
  3. „Kultur ist für mich …“ – Aufruf zu #KultDef“ (2015) => 74 Beiträge
  4. Mein Kulturtrip für dich im Sommer“ – Aufruf zu #KultTrip“ (2016) => 51 Beiträge

Sie dauerten zumeist ca. 5 Wochen, ausgenommen #KultTrip. Diese war eine Blitz-Parade im Sommer, die gerade einmal drei Wochen lief. Ich testete bewusst Themen und Zeiten. Es erstaunte mich immer wieder erneut, wer und wie viele mitmachten. Tolle Blogs entdeckte ich so. Und ja, ich hatte einen fetten Hintergedanken dabei: Ich wollte mit Kultur infizieren, zum Nachdenken anregen in und außerhalb der Kultur-Filterblase, gerne auch weg von der kunsthistorischen Betrachtung. Die studierte ich lange genug.

Mich berührte es sehr, wenn ich Blogger zur erstmaligen Teilnahme an einer Blogparade bewegte bzw. die Themen zu neuen Blogs extra dafür oder kurz danach führten. Hach, liebe @sufloese, wie schön, dass es deinen Blog „leggiero flautato“ gibt. So viele wunderbare Gedankengänge hast du für uns bislang ausgebreitet, erst bei mir in Hochkultur oder Kulturwald #KultDef, dann bei dir – keinen davon möchte ich missen.

Warum ist der Zeitpunkt einer Blogparade wichtig?

Der Zeitpunkt meiner privaten Blogparaden war mir wichtig. Bewusst suchte ich Zeiten aus, die für mich beruflich ruhiger waren. Warum? So wie ich Blogparaden organisiere, sind sie extrem zeitintensiv, weil ich das Möglichste für die Sichtbarkeit der Beiträge der Teilnehmer tun möchte. Schließlich machten sie mit, investierten Zeit, gestalteten gemeinschaftlich eine Idee in unterschiedlicher Ausprägung. Das beeindruckt und begeistert mich bis heute.

Meine Familie war da nicht immer happy darüber, wenn ich am Wochenende oder später am Abend noch die Eingänge betreute. Deshalb führte ich nur eine Kultur-Blogparade pro Jahr neben dem regulären Job durch. Tatsächlich reichte mir das: Ich musste danach erst einmal wieder durchschnaufen und Energien sammeln. Ferienzeiten, bei denen ich mit der Familie unterwegs war, mied ich kategorisch. Das wollte und werde ich weder ihnen noch den Teilnehmern antun. Auch werde ich nicht mehrere Blogparaden zeitgleich betreuen. Das sprengt das Netzwerk, die Betreuung leidet darunter und am Ende weiß keiner mehr, welche Blogparade für was steht.

Was zählt zu einer guten Betreuung der Organisatoren?

Folgende Punkte kennzeichnen in meinen Augen eine gute Betreuung des Blog-Karnevals durch die Organisatoren. Sie resultieren aus meinen Erfahrungen und Erlebnissen mit diesem speziellen Blog-Format.

  • Ein klug durchdachtes Konzept, das möglichst unterschiedliche Blogger anspricht (wie gesagt: Ich liebe es, jenseits meiner Filterblase zu blicken).
  • Artikeleingänge lesen, kommentieren, teilen ins Social Web (hier auf allen Kanälen, die mir zur Verfügung standen oder stehen: Twitter, Facebook, Pinterest).
  • Fazits schreiben, zumeist mehrere zu einer Blogparade. Ich wollte wieder Appetit aufs Lesen der einzelnen Artikel schüren, deshalb fasste ich in 2-4 Sätzen jeden Blogpost zusammen, ohne zu viel zu verraten, sondern als Teaser aufgebaut.
  • Viele machten bei meinen Blogparaden mit. Der Überblick ging da schon mal verloren und nicht jeder Teilnehmer oder Interessierte nahm jeden Blogpost wahr. Das ist absolut legitim. Ich fand es klasse, wenn ich zum Nachdenken über ein Kultur-Thema animierte unabhängig davon, ob es der zehnte, 20., 30. oder 70. Beitrag war. Statt Quantität, zähl(t)en für mich allein die Gedanken zur Kultur.
  • Ich nahm alle Artikel auf, zensierte nicht, da das für mich ein NoGo in der Blogosphäre war und ein Stück weit noch immer ist. Zweimal in aufeinanderfolgenden Jahren kamen Beiträge von einer Hotelplattform. Beim ersten Mal wies man mich auf die SEO-Motivation des Autors hin. Doch ging ich das Thema idealistisch an, für mich zählten die Gedanken zum Thema. Deshalb blieben die Beiträge verlinkt. Die einen Teilnehmer setzen sich intensiver, die anderen oberflächlicher mit dem Thema aus … so what? Will ich das werten? Nein!Gleichwohl gibt es wichtige Learnings aus aktuellen Diskussionen (siehe Risiken). Damals war ich etwas blauäugig, zumindest SEO-mäßig als bloggende Kunsthistorikerin unbedarft. Mir ging und geht es um die Sichtbarkeit von Kultur. Heute setze ich solche Postings auf NoFollow, damals kannte ich diese Möglichkeit noch nicht. Meine Maxime: try and error, dann geht es voran. Wichtig ist, sich die Blogs der Teilnehmer anzuschauen.
Aufruf zur Blogparade Kulturtrip #kulttrip 2016. Innenansicht der Kirche Sainte-Marie de Serrabona in Südfrankreich

Diese Bilder animierten mich zur Blogparade „Kulturtripp“ #KultTripp: die Kirche „Sainte-Marie de Serrabona“ (serra bona: gute Berg) im Boulèstal, Südfrankreich.

Meine Learnings, wie Blogparaden gut aufbereitet sein müssen bzw. was die Teilnehmer selber tun können, um die Sichtbarkeit ihrer Beiträge zu steigern, schrieb ich sehr früh auf. Sie resultierten aus meinen Erfahrungen mit eigenen Blogparaden bzw. aus meiner Teilnahme bei anderen. Manchmal ärgerte ich mich über eine suboptimale Betreuung. Das erlebte ich auch bei bekannteren Bloggern. Aber hey, ich entschied mich ganz freiwillig dafür zu schreiben, weil mich das Thema ansprach – also, meine ureigenste Wahl. Das sollte grundsätzlich der Antrieb für die Teilnahme an einem Blog-Karneval sein.

Die zwei Artikel bieten wertvolle Hilfestellung:

  1. 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade
  2. 10 Tipps für die erfolgreiche Durchführung einer Kultur-Blogparade

2018 aktualisierte ich die Artikel. Das Jahr war besonders. Denn erstmals kooperierte ich mit gleich drei Kulturhäusern zum Thema Europa anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018. Die Idee eines Staffellaufs der Kultur-Blogparaden entstand.

Lachender Hofkoch Tamanti vor Schloss Sanssouci. Foto von Peter Adamik. Blogparade #SchlossGenuss

Hofkoch Tamanti lädt im Schloss Sanssouci zu Tisch! Foto: Peter Adamik. Vielen Dank @SPSGMuseum! Blogparade #SchlossGenuss

Steigerung der Leserzugriffe?

Sichtbarkeit über Organisation oder Teilnahme an einer Blogparade zu gewinnen ist legitim. Einige hatten nennenswerte Zugriffe auf ihren Beitrag, andere weniger. Sind Blog-Karnevals richtig organisiert, sind sie zeitintensiv. Mein Lohn: eine intensive Diskussion im Web. Das begeisterte mich und war Kompensation genug für mich.

Ein netter Nebeneffekt: Die Leserzugriffe steigerten sich nennenswert. Hätte ich das ganze Potential dieser Aktionen ausschöpfen wollen, dann hätte ich währenddessen und danach viel schreiben müssen, um einmal auf das Blog gelenkte Leser halten zu können. Nach Ablauf einer Parade war ich jedoch immer ausgepowert und verzichtete aufs Bloggen. Von den neuen Lesern blieben am Ende maximal ein Drittel, manchmal weniger.

Je seltener gebloggt wird, umso eher verschwinden die Leser wieder. Dann sind Artikel, die einen „wertvollen Nutzen“ für Suchende im Web bieten, oft der „Trafficlieferant“ fürs Blog – das ist jetzt aber ein anderes Thema. Einführend dazu: „Blog und Online-Magazin: warum & wie bloggen? Contentstrategie | #Anker16“. Ideal ist es, kontinuierlich und regelmäßig zu bloggen.

Ich blogge zu Themen, die mich bewegen, auch dann, wenn ich mal einen strategischen Artikel bringe. Meine übergeordnete Strategie: Alles hat irgendwie mit Kultur zu tun! Manche Themen müsste ich den Zugriffen nach bleiben lassen. Da sie mir wichtig sind, gibt es sie trotzdem: mein Blog, my home, my castle! Nebenbei eröffneten sich mir neue Möglichkeiten, über die ich absolut happy bin – ich kann wieder als Kunsthistorikerin tätig sein, trotz meiner verschiedenen Rollen im Leben.

Konzeption und Durchführung von Museumsblogparaden

Ich freute mich sehr, als 2017 die erste Anfrage zu einer Blogparade auf Empfehlung einging! Das Archäologische Museum Hamburg hatte mehrere analoge und digitale Aktionen geplant, wie eine Challenge auf Instagram sowie einen InstaWalk[5] in der aktuellen Ausstellung.

Die Blogparade #KultBlick war Bestandteil eines Gesamtkonzeptes, das das Museum zusammen mit Anika Meier von @thisaintartschool entwickelte (sie lanciert allgemein spannende Aktionen auf Instagram, die dazu animieren, sich bewusst mit Künstlern und ihren Ideen fotografisch auseinanderzusetzen, ein faszinierendes Medium der Kunstvermittlung). Dadurch dass wir, anders als geplant, die Maßnahmen zeitlich durch äußere Umstände entzerren mussten, blieb mehr Spielraum für eine weitgehend freie inhaltliche Ausgestaltung der Parade.

  1. „Verloren und wiedergefunden? Mein Kulturblick!“ | #KultBlick, Archäologisches Museum Hamburg => 83 Beiträge

#KultBlick berührte. Viele machten mit, einige, vor allem Kulturschaffende waren über die Themenstellung irritiert: Warum sollte ihr Kulturblick verloren gegangen sein, wenn sie in ihrer täglichen Arbeit permanent mit Kultur zu tun haben? Das war spannend für mich zu erleben.

Mich überraschte dann die Vielzahl der Beiträge, denn das Thema war durchaus anspruchsvoll. Sie kamen aus ganz verschiedenen Bereichen und blickten unterschiedlich intensiv auf Kultur. Zudem gab es einige Gastbeiträge im Blog des Archäologischen Museum Hamburgs und bei mir. Menschen ohne Blogs wollten ihren Kulturblick erzählen – absolut fabelhaft. Der Hashtag[6] #KultBlick kursierte lange, massiv und nachhaltig auf Twitter und animierte andere, die aus Versehen darauf stießen, zur Teilnahme. Einfach nur grandios – so soll es sein!

Blick bei Dämmerlicht auf den Atlantik. Blumen im Vordergrund. Blogparade #DHMMeer

Träumen lässt sich überall, ob am Atlantik oder hier am Mittelmeer! Blogparade #DHMMeer

Staffellauf zum Europäischen Kulturerbejahres 2018

Dazu möchte ich noch einmal separat bloggen. Diese drei Kultur-Blogparaden waren grandios. Sie zeigten, welche Chancen dieses wichtige Medium der Kulturvermittlung bieten kann. Die Museen wandten sich zu unterschiedlichen Zeiten an mich. Ich erhielt die einmalige Gelegenheit, diese Initiativen sowohl zeitlich als auch inhaltlich aufeinander abzustimmen. Zudem halfen sich die Kulturhäuser gegenseitig, teilten, machten bei der Blogparade des anderen mit – ein Idealfall mit extrem vielen Learnings!

  1. Genießer-Tipp: Entdecke mit mir Schloss …| #SchlossGenuss“, Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. => 57 Beiträge
  2. Europa und das Meer – Was bedeutet mir das Meer?“ | #DHMMeer“, Deutsches Historisches Museum Berlin => 112 Beiträge
  3. Einladung zur Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…”, Museum Burg Posterstein => 75 Beiträge

Die Museen verbanden sich mit der Blogosphäre, suchten den Austausch und den Dialog – perfektes Medium von Blogger Relations[7] mit Option auf mehr. Sie zeigten zudem, dass Blogparaden ruhig fordern dürfen, so wie es Roland Nachtigäller weiter oben formulierte. Es ging um Tod auf dem Meer, Umweltverschmutzung, Wertediskussionen, Geschichts- und Politikbewusstsein, parallel zu sehr persönlichen, manchmal auch fluffigen Zugängen zu den Themen. Die Bandweite war groß und faszinierte.

Digitale Kulturvermittlung – Coaching der Museen

Was mache ich? Ich coache die Museen, erarbeite gemeinsam mit ihnen das Vermittlungskonzept bzw. hinterfrage und spitze manches zu oder öffne es im Konsens mit ihnen wieder. Das herauszuschälen, ist für mich das Wichtigste. Neben Fragen wie: Welche Ziele sind angestrebt? Wer soll warum angesprochen werden? Unwägbarkeiten und Überraschungen treten auf, positiv wie negativ. Jede Blogparade bietet andere Learnings.

Diese Paraden kosten viel Hirnschmalz, Zeit und Leidenschaft – die sich aber lohnen. Es dauert, eine Ansprache zu finden, die verständlich ist und emotionalisiert, den Blogger berührt und zur Teilnahme und damit zum gegenseitigen Austausch motiviert. Die Betreuung ist zeitintensiv. Am Ende entsteht ein faszinierendes Netzwerk von ganz verschiedenen Akteuren, die sich über Kunst, Kultur und Werte einer Gesellschaft austauschen – eine Bereicherung in meinen Augen.

Blogparade #SalonEuropa - Salonkultur digital und analog von Burg Posterstein läuft bis zum 23.10.18 - hier Ansicht der Burg.

Die Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich …?“ von Museum Burg Posterstein startete fulminant und läuft noch bis zum 23. Oktober 2018 – deine Gedanken sind herzlich willkommen!

Dont`s und Fehleinschätzungen

  • Ein null-acht-fünfzehn-Konzept geht nach hinten los.
  • Sich nur im Dunstkreis akademischer Zirkel aufhalten zu wollen, ist einseitig. Natürlich kann man das tun, hängt dann von den Zielen ab. Für die Vermittlungsarbeit im Museum bringt das eher wenig. Spannender ist für mich hingegen, Blogger unterschiedlicher Couleur miteinander zu vernetzen. Das inspiriert und kann neue Ideen für die museologische Arbeit freisetzen. Mein Kredo: Setzt die Brille der anderen – der nicht Kultur-Fachleute – auf. Mitunter stellt ihr fest, dass der reale Dialogpartner doch ganz anders ist als der „Wunschkandidat“. Risiko? Nein. Chance!
  • Kultur-Blogparaden allein aus SEO-Gründen durchzuführen, ist absoluter Quatsch und funktioniert nicht. Die Watsche ist garantiert und das zurecht!
  • Einen Trend zu formulieren, dass immer mehr Museen auf Blogparaden wegen SEO-Kriterien (Backlinks) abfahren, ist schlichtweg falsch. Siehe dazu die Historie der Museums-Blogparaden – es gibt seit 2012 bis jetzt gerade mal 18 Blogparaden von Museen (ich hoffe, alle erwischt zu haben. Wenn welche fehlen, bitte her mit der Info!). Ihnen obliegt eine andere Zielsetzung: die der Kulturvermittlung.

Für mich stehen bei Museums-Blogparaden die Vernetzung mit der Blogosphäre, der Vermittlungsaspekt und der authentische Dialog mit dem digitalen Besucher stärker im Vordergrund als irgendwelche SEO-Strategien. Ähnliches unterstelle ich Museen, die Blog-Karnevals nutzen (wollen), kann das definitiv für die von mir betreuten Museumsblogparaden sagen. Ich wünschte mir noch viel mehr Aktionen dieser Art!

Kultur-Blogparaden – Risiken und Fragen

In letzter Zeit wird ein düsteres Szenario von Blogparaden heraufbeschworen. Verfehlt. Gleichwohl gibt es richtige und wichtige Learnings, die zu beachten sind. Ich spreche hier allein aus der Erfahrung mit elf organisierten Kultur-Paraden. In ein paar Punkten hakte ich bei SEO-Experten nach. Darüber hinaus tauchen für mich weitere Fragen auf, die ich sehr gerne zur Diskussion stelle.

1. Schlagen zunehmend vermehrt SEO-Agenturen bei Kultur-Blogparaden auf, um Backlinks abzugreifen?
Das gibt es, nur ist das kein Trend: Seit 2012 traten gerade einmal eine Handvoll Fälle von 653 Beiträgen zu Blogkarnevals auf.

2. Was macht man mit solchen Beiträgen?
Entweder werden diese Beiträge erst gar nicht aufgenommen oder sie werden auf No-Follow Bei No-Follow wertet Google diese Links nicht, SEO-Agenturen laufen so ins Leere. Gibt es Seiten mit fragwürdiger Werbung, können diese von Beginn an kategorisch ausgeschlossen bzw. zumindest auf No-Follow gesetzt werden für den Fall, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte.

3. Sind alle Artikel von SEO-Agenturen schlecht?
Tatsächlich gibt es welche, die qualitativ wertvolle Beiträge bringen. Sollen diese ausgeschlossen werden? Das muss jeder für sich beantworten. Für mich hat das ein Stück weit mit Zensur zu tun. Vielleicht bin ich da zu idealistisch. Aber noch einmal: auf No-Follow setzen und gut ist. Das schreckt dann diejenigen ab, die einzig auf einen Backlink aus sind. Diese Verfahrensweise sollte dann in den Teilnahmebedingungen festgelegt sein.

4. Trat Black-Hat-SEO bei Kultur-Blogparaden auf?
Black-Hat-SEO, zu dem Private-Blog-Network (PBN) zählt, gab es bei Kultur-Blogparaden meines Wissens nach noch nicht. Sie sind schwer für den Laien zu erkennen. Dazu reicht eine URL mit zwei verschiedenen Endungen (bspw. .netz und .de) allein als Indiz nicht aus. Das wäre zu offensichtlich und dumm. PBN’s sind verschleiert, außerdem schleudern sie massiv Links raus.

Fakt ist, Google erkennt Black-Hat-SEO und straft diese rigoros ab, indem die Seiten aus der Indexierung herausgenommen werden. Das geht mit einem Verlust ihrer Sichtbarkeit einher. Wichtig für andere ist, auf solche Präsenzen nicht zu verlinken und eingehende, externe Links grundsätzlich auf No-Follow zu setzen. Sollte mal aus Versehen auf solch eine Seite verlinkt worden sein, heißt das nicht, dass alle damit verbundenen Seiten zwangsläufig mit abgestraft werden.

5. Zensur – sollte der Initiator einer Blogparade Beiträge ausschließen?
Dazu ist schon einiges gesagt – Stichwort: Backlinks (Nr. 1 und 3). In der Blogosphäre ist Zensur normalerweise verpönt, selbst dann, wenn es unliebsame Beiträge gibt. Bei einer Museumsblogparade kam es zu einer kritischen Meinung, die stark nach rechts rutschte, sich in anderen Punkten davon wieder abwandte. Da aber die Blogparaden-Regeln eingehalten wurden – keine Hetze oder Propaganda – nahmen wir den Beitrag an. Das Museum wird hier noch kontextualisieren.

Im Verlauf der Diskussion wurde auch das Qualitätskriterium angesprochen. Jetzt befinden wir uns da, was in meinen Augen gar nicht geht (ausgenommen die Punkte 1-4). Wer legt welche Kriterien fest? Was ist es wert aufgenommen zu werden, was nicht? Habe ich ein politisches Thema, können mir unliebsame Beiträge kommen. Aber das weiß ich vorher und bin darauf vorbereitet.

Strebe ich den Austausch über Kulturthemen an, dann lese ich auch gerne etwas zu rosaroten Einhörnern oder organisiere den Kultur-ESC – warum? Weil ich mich gerne jenseits der Kultur-Filterblase aufhalte und diese mit meiner eigenen verbinde. Kultur wird so sichtbarer und in die Gesellschaft hineingetragen. Bitte keinen Rückschritt à la „14 Gründe, warum Museen kein Social Media brauchen“.

6. Müssen die Organisatoren darauf schauen, was Teilnehmer später noch publizieren?
Wie sollte man das stemmen können? Im Nachhinein können Beiträge erscheinen, mit denen die Organisatoren nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Natürlich ist zu schauen, welchen Hintergrund ein Blog hat, ob er extremistisch in irgendeiner Art ist oder nicht bzw. ob er Inhalte aufweist, die inakzeptabel sind.

7. Müssen die anderen Teilnehmer alle Beiträge als Liste unter dem eigenen Post verlinken?
Diese Frage kam in letzter Zeit verstärkt auf, da das als Medium der Vernetzung angesehen wurde: Nein, sie müssen nicht. Tatsächlich ist das die Aufgabe des Organisators! Früher hieß es: nein, sie sollen nicht. Initiatoren empörten sich darüber und forderten dazu auf, diese Vorgehensweise zu unterlassen. Schließlich entwickelten sie die Idee und hatten die Arbeit mit der Betreuung. Die Leser sollten zu ihnen zurückkommen, um zu sehen, welche Beiträge eingingen: die Einladung zum Blog-Karneval als Sammelstelle der Eingänge.

Ich sehe es entspannter, da einige Teilnehmer darüber Leser erhalten können.Ich bevorzuge ein anderes Mittel der Vernetzung, das für mich sehr wertvoll ist, nämlich die anderen Artikel zu lesen, zu teilen, sie zu kommentieren, wenn das Gelesene berührt und ggfs. innerhalb des eigenen Posts auf den anderen zu verlinken und dabei erklären, warum ich den Beitrag gut finde. Das ist für mich gelebte Vernetzung, deshalb schrieb ich damals auch meine Tipps für die Teilnahme an Blog-Karnevals. Denn oft geschah das kaum.

8. Kippen die Teilnehmer nur ihre Links ab?
Puh … kann ich es verurteilen, dass nicht alle Beiträge von allen Teilnehmern gelesen werden? Nein. Jeder hat seine begrenzte Zeit und ja, manches Mal entwickelten sich Kultur-Blogparaden gigantisch. Da hatten auch die Organisatoren Mühe hinterher zu kommen und brauchten Zeit alles aufzubereiten, sollte schließlich auch durchdacht sein und kein vorgefertigter Textbaustein. Das ist nun mal so: 24/24 bei 7/7 kann kaum jemand verlangen, oder?

Einigen Teilnehmern reicht es, ihre Gedanken zum Thema zu verbloggen. Das ist vollkommen in Ordnung. Ich freue mich über jeden Beitrag. Wichtig ist mir dabei, dass es einen Bezug zum Thema gibt, und dass der Beitrag für die Aktion geschrieben wurde.

9. Sollten grundsätzlich alle Beiträge auf No-Follow gesetzt werden?
Diese Frage treibt mich nach der ganzen Diskussion um die Fragwürdigkeit von Kultur-Blogparaden um. SEO-Fachleuten nach handelt es sich dabei rein technisch gesehen um Linktauschprogramme. Diese sind nach den Google-Webmaster-Richtlinien unzulässig und können abgestraft werden. Das kam bei Blogparaden meines Wissens nach noch nicht vor[8].

Google, so eine andere Meinung, wisse sehr wohl einzuschätzen, ob es sich hier um verbotenen unnatürlichen Linkaufbau handelt bzw. ob hier qualitativ „wertvolle“ Inhalte entstehen oder nicht. Im Oktober 2018 äußerte sich John Mueller von Google zu „quality links“.[9] Danach verstoßen sie gegen die Richtlinien der Suchmaschine. Trifft das nun auf Blogparaden zu? Technisch gesehen wohl ja. Zukünftig würde ich bei einer Blogparade die verlinkten Eingänge per se auf No-Follow setzen und darüber in den Teilnahmebedingungen informieren. Zugleich wäre damit das Problem der Backlinkgier von SEO-Agenturen behoben.

Was ist deine Meinung dazu, seo-mäßig oder inhaltlich? No-Follow sollte kein Hinderungsgrund sein, mitzumachen, wenn das Thema einen bewegt, oder? Schließlich geht es von der Grundidee her um die Vernetzung und den Austausch untereinander, auch seitens der Initiatoren. Sichtbarkeit erhält das Thema über das gegenseitige Bewerbung und den Diskurs im Social Web.

Blogparade; KultDef; #KultDef

Bunt, bunt, bunt – so soll die Blogparade #KultDef werden – fügen neue Farben hinzu!

Learnings zur Organisation von Kultur-Blogparaden

Die Kritik an der Organisation von Blogparaden hat ihr Gutes. Es gibt Punkte, die zu bedenken sind, wie:

  • In Teilnahmebedingungen präzisieren, was geht und was nicht, auch in Form einer Nettikette. Dann weiß jeder, worauf er sich einlässt. Strittige Punkte kommen so gar nicht erst auf, wenn doch, geht man damit konstruktiv um.
  • Teilnehmer genau anschauen (ist selbstverständlich).
  • werbende Beiträge und Beiträge, die keinen Bezug zur Blogparade haben, grundsätzlich ausschließen.
  • Einsatz von No-Follow in bestimmten Fällen oder für alle Beiträge festlegen. Das ist klar in den Teilnahmebedingungen festzulegen. Für Museumsblogparaden würde ich zukünftig empfehlen, alle Verlinkungen auf No-Follow zu setzen (siehe Frage Nr. 9).
  • Organisatoren sollten regelmäßig checken, ob die Links der Parade noch funktionieren (Stichwort: Broken Links). Einige Beiträge bis hin zu kompletten Blogs verschwinden im Verlauf der Zeit. Auch Teilnehmer sollten prüfen, ob die Aktion noch da ist.[10]

Fazit und Bekenntnis

Das soll es fast sein. Ich habe hin und her überlegt, diesen Mammut-Beitrag zu splitten, entschied mich dagegen, da alles für mich miteinander zusammenhängt. Den ein oder anderen Punkt werde ich in separaten Artikeln weiter vertiefen. Das betrifft vor allem den Aspekt der Kulturvermittlung. Ich sehe bei Blogparaden mehr Chancen als Risiken. Die Learnings sind wichtig und fließen in zukünftige Aktionen von mir mit ein.

Persönlich öffneten mir Blog-Karnevals neue Wege. Mein Blog entwickelte sich darüber zu dem, was eines meiner Ziele war: das Blog als Plattform des Austausches über Kunst, Kultur und Social Media. Darüber bin ich mehr als happy! Was einst als Webvisitenkarte und Arbeitsmappe startete, wurde schnell zu sehr viel mehr, als ich es vorher dachte!

Und noch immer unterschreibe ich die Punkte, die ich in meinem allerersten Blogpost am 1. Oktober 2012 in: „Auf Reisen oder Hürdenlauf zum persönlichen Blog“ aufstellte. Hier meine 5. Hürde – die Strategie:

„was ist mein Plan? Denn wie wir ja immer wieder hören und lesen, steht und fällt alles mit einer gut durchdachten Strategie, gerade im Social Media Bereich. Und tatsächlich gibt es die: Mein Blog wird sich entwickeln! Wohin der Weg aber führt, bleibt offen und das ist von mir auch so gewollt – Strategie eben. Ich möchte mir kein Korsett anlegen, das mir irgendwann zu eng wird.  Ich gönne mir die Freiheit einfach los zu laufen. Kunst, Kultur und ihre Vermittlung via Social Media sind das Ziel. Den goldenen Weg dahin gibt es nicht, wohl aber ein verästeltes und facettenreiches Wegesystem. Und das möchte ich nun angehen.“

Und ich gehe diesen weiter. Wie treffend zum sechs-jährigen-Jubiliäum meines Blogs erstmals so einen Artikel wie heute zu schreiben! Ich freue mich auf einen konstruktiven Austausch.

Was sind deine Erfahrungen mit Blogparaden? Gibt es etwas, das du ergänzen oder diskutieren möchtest?

Historie von Museums-Blogparaden

Als letztes noch die Auflistung sämtlich mir bekannter Museumsblogparaden. Gerne ergänzen, wenn etwas fehlt.

2012

2013

2014

2015

2017

2018


[1] Über die (Kultur-)Filterblase schrieb Angelika Schoder einen Gastbeitrag bei mir: „Viele Grüße aus der Filterblase …“, den sie am 20.11.2018 aktualisierte. Zur Funktionsweise von rechten Filterblasen siehe das Experiment von Christian Buggisch dazu – sehr aufschlussreich und bedrückend: „Über Internet und echtes Leben: Digitales, „Lügenpresse“ & Filterblase“.

[2] In einem Blogartikel fragte ich polemisch: „Braucht es das Museum oder kann es weg?“ – die teils heftige Reaktion darauf war sehr spannend und hielt ich fest in: „Museen braucht das Land! Was können sie für uns tun?„.

[3] Den Social Impact zum #IMT13 analysierte ich in: „Was verbindet #IMT13 mit dem Muttertag? – „Social Action“: Museen, Blogparade, Tweetup und Co“.

[4] Eine faktische Auswertung in: „76 Tipps pro Kultur“.

[5] Was ein InstaWalk ist, beschrieb ich in: „Instagrammer im Cuvilliés-Theater“. Wie Igers mitunter organisiert sind, erfährst du in: „Instagramer in München – was machen die @igersmunich?“.

[6] Mehr zur Funktionsweise von Hashtags in: „Hashtags und Twitter – wie funktionieren sie in der Kultur?“.

[7] Mehr zu Blogger Relations in: „Tipps für erfolgreiche Blogger Relations im Kultursektor #bpbr13“. Spannend auch der Blogpost des Universalmuseums Joanneum: „#bpbr13: Blogger Relations im Kulturbereich“. Übrigens nahmen wir beide an einer Blogparade teil.

[8] John Mueller von Google äußerte sich 2017 in einem Interview nicht direkt zu Blogparaden, sondern über Linkaufbau generell. Dazu sagte er: „Große Linkkampagnen müssen also nicht unbedingt sein. Sehr spannende Inhalte können allerdings als natürlicher Linkaufbau gelten.“ Trifft das auf unsere Kultur-Fälle zu?

[9] Barry Schwartz, „Google’s John Mueller Defends His Making Links Against Guidelines Statement“, Seroundtable vom 8.10.2018.

[10] Mir passierte es schon, dass eine Blogparade verschwand, wie hier: „Blogparade: Meine Bloggeschichte – eine Herzensangelegenheit“. Das kommt seltener vor als gelöschte Beiträge.


Nachtrag Meinungen mit Web-Diskussion zum Artikel

Blogparaden aus Museumssicht

Andrea Hahn, Projektleiterin „Zu Tisch! Genießen in Schlössern und Gärten“ von Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. über #SchlossGenuss:

„Die Blogparade #SchlossGenuss war für uns eines der Highlights in unserer Arbeit für das Europäische Kulturerbejahr SHARIG HERITAGE 2019. Es war spannend zu sehen, wie viele Menschen sich Gedanken zu dem Thema machten und was ihnen einfiel, obwohl zu dieser Zeit sehr viele mit der Umsetzung der DSGVO alle Hände voll zu tun hatten.

Da wir erst Anfang 2018 an den Start gingen, konnten wir dank der Blogparade #SchlossGenuss eine Sichtbarkeit gewinnen, die uns in dieser Geschwindigkeit und Intensität sonst nicht möglichgewesen wäre. Und wir konnten ein tolles Netzwerk aufbauen, das auch heute noch trägt.“

 

Anna-Julia Senchyshyn vom Deutschen Historischen Museum Berlin über #DHMMeer:

„Ausgesprochen begeistert waren wir vom Anklang der Blogparade in der Community, was sich an den 112 Artikeln zeigte, die von Bloggerinnen und Bloggern verschiedenster Interessen und Richtungen stammen. Als den größten Mehrwert jedoch empfanden wir die mit der Blogparade verbundene Chance, mit so vielen unterschiedlichen Akteuren der Bloggerszene, darunter auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kultureinrichtungen, in Austausch zu treten. Durch diesen Austausch haben wir fruchtbaren Input erhalten und wertvolle Kontakte für zukünftige Projekte dazugewonnen.“

Twitter-Diskurs

Auf Twitter setzte seit dem 12. Dezember 2018 eine spannende Diskussion ein, die ich in einem „moment“ auf Twitter Blogparaden in der Kultur – Chancen und Learnings festhalte:

Schmiedehammer saust auf glühendes Eisenstück auf Amboss runter. Illustrierend zum Artikel: Blogparaden in der Kultur

Blogparaden – ein unterschätztes Medium? Machen sie Sinn für Kulturhäuser?


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