Blogparaden in der Kultur – Chancen, Risiken und Learnings

Was sind die Chancen von Blogparaden und was ihre Risiken? Beides gibt es. Nach sieben Jahren Bloggen ziehe ich ein erstes Resümee mitsamt Learnings einschließlich der Historie von Museumsblogparaden. Dieses Format der Vernetzung weitete meinen Blick. Ich lernte darüber spannende Blogs kennen und ließ mich auf ungewohnte Gedankenspiele ein. Als digitale Kulturvermittlerin sind sie für mich willkommenes Medium, Kulturthemen gemeinsam mit anderen im Netz zu diskutieren. Im Idealfall steigern wir so ihre Sichtbarkeit. Dabei sprenge ich sehr gerne die Kultur-Filterblase und verbinde die Menschen miteinander. Warum?

Glühendes Eisen auf einem Amboss. Der Hammer schlägt zu. Steht symbolisch für Blogparaden in der Kultur - Chancen, Risiken und Learnings.

Chancen, Risiken und Learnings von Kultur-Blogparden. Digitale Kulturvermittlung glüht für die Sichtbarkeit von Kultur. Was sind die Ziele von Blogparaden?

Die Frage beantworte ich noch. Der Artikel entwickelte sich anders, als ich es anfänglich plante, deshalb schicke ich ein Inhaltsverzeichnis vorweg.

1. Blogparade – was ist das?
2. Filterblase sprengen – warum liebe ich das?
3. Chancen für die Kulturvermittlung
4. Netzwerken
5. Kultur-Blogparaden-Zahlenspiel
6. Die ersten Museumsblogparaden – klein aber fein
6.1. Was war das Ziel?
6.2. Warum richteten sie sich allein an institutionelle Kultur-Blogs (Corporate Blogs)?
7. Meine Kultur-Blogparaden – Idee, Zeitplan & Organisation
7.1. Warum ist der Zeitpunkt einer Blogparade wichtig?
7.2. Was zählt zu einer guten Betreuung der Organisatoren?
7.3. Steigerung der Leserzugriffe?
8. Konzeption und Durchführung von Museumsblogparaden – 4 auf einen Streich
8.1. Staffellauf zum Europäischen Kulturerbejahres 2018
8.2. Digitale Kulturvermittlung – Coaching der Museen
8.3. Don‘ts und Fehleinschätzungen
9. Kultur-Blogparaden – Risiken und Fragen
10. Learnings zur Organisation von Kultur-Blogparaden
11. Fazit und Bekenntnis
12. Historie von Museums-Blogparaden

Blogparade – was ist das?

Eine Blogparade, früher auch Blog-Karneval genannt, ist eine zeitlich befristete Blog-Aktion. Ein Blogbetreiber gibt in einem Blogpost ein Thema vor, zu dem andere Blogger und Interessierte einen Artikel schreiben können. Sie verlinken ihren Beitrag mit der Einladung des Initiators. Dieser sammelt, verlinkt und bewirbt die Eingänge im Social Web. Ziel ist es, ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, sich zu vernetzen und den Lesern Denkanstöße zu liefern. Im Idealfall entsteht darüber ein Austausch. Eine Idee wird gemeinschaftlich geformt. Gerade das begeistert mich.

Sind Kultur-Blogparaden anders als andere? Nein. Grundsätzlich lassen sich die Learnings zu den Chancen und Risiken von diesen auf die Blogosphäre allgemein übertragen. Das trifft vor allem auf die Fragen zu, wie Blogparaden funktionieren und was es dabei zu beachten gilt.

Schloss Nymphenburg mit Enten, illustrierend zur Blogparade #tchhparade

Kaum das Blog eingerichtet, schon nahm ich an der ersten Bloparade teil – Blogparade #tchhparade – Schlüsselerlebnisse digital: das erste Mal oder Faszination Twitter

Bevor ich das ausführe, kommt ein kleiner Einschub aus der Sicht der Kulturfrau auf Filterblasen, Kulturvermittlung und Blog-Karnevals.

Filterblase sprengen – warum liebe ich das?

Weil

  • mich der Blick auf Kultur jenseits meiner Kultur-Filterblase fasziniert[1]
  • mir der akademische Elfenbeinturm zu einseitig ist. Wissen möchte ich mit (Er-)Leben gemeinsam mit anderen füllen und das am liebsten aus verschiedenen Perspektiven.
  • ich mit Kultur infizieren möchte und zwar jeden – ob Groß oder Klein, Experte oder Laie –, der gewillt ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
  • ich Menschen jenseits der Kultur mit Kulturfachleuten zusammenbringen möchte. Im Idealfall entwickeln sie gemeinsam etwas Neues oder vermitteln sich wechselseitige Denkanstöße zu mehr. Wenn am Ende mehr Verständnis füreinander dabei herausspringt, ist schon viel gewonnen.
  • ich so herausfinde, was die Gedanken und Bedürfnisse an Kulturerleben von ganz verschiedenen Menschen sind. Das liefert mir wertvolle Impulse, Kulturthemen voranzubringen. Kultur und ihre Vermittlung besitzen für mich einen heilenden und integrativ wirkenden Wert, der in der aktuellen Zeit wichtiger denn je ist.
  • ich gerne Kultur ins Bewusstsein möglichst Vieler bringe, um gemeinsam über Werte einer Gesellschaft nachzudenken und diese im Idealfall zu (be)leben – eine in meinen Augen herausfordernde Aufgabe von Kulturhäusern, neben forschen, sammeln, bewahren und vermitteln.
  • ich mich gerne mit Bloggern vernetze, die ich über Blogparaden kennenlerne. Sie weiten meinen Blick auf für mich ungewohnte Themenfelder und Sichtweisen, die charmant und anstrengend zugleich sein können.
  • mir der freie Meinungsaustausch in allen Facetten wichtig ist – positiv wie negativ. Letzteres verlangt ungleich mehr Energie, hilft aber, Ansichten zu überdenken, zu ändern oder auszubauen und darüber neue Ideen zu gewinnen. Grundsätzlich ist Reibung gut, wenn dies respektvoll geschieht!
#IronbloggerMuc; Blogparade; München; Svenja Walter

zwei Jahre #IronbloggerMuc – Blogparade der Eisenharten von München: „Kinder im Museum: das Deutsche Museum„. [Grafik: Svenja Walter]

Chancen für die Kulturvermittlung

Auch das Marta Herford Museum bewertet in seiner Blogparade #BesucherMacht von 2015 das Format als prima Medium der Kulturvermittlung. Hier ein Zitat der ehemaligen Pressesprecherin Sarah Niesel in „#BesucherMacht – Die doppelte Macht des Besuchers“. Sie reagierte damit auf Kritik an der Initiative des Museums:

„Eine #Blogparade verstehe ich eben deshalb nicht als ein überholtes Format: Über eine niedrige Hemmschwelle kann Kontakt zum Museum aufgenommen werden. Besucher können ihre eigene Meinung zum Ausdruck bringen und stehen mit den Museumsleuten im Gespräch. Institutionen können sich aber auch fachsprachlich und -inhaltlich zu bestimmten Phänomenen äußern. Die Museen holen die Besucher im Netz ab und eine Blogparade ist freiwillig, scheint aber entgegen der Kritik nicht völlig überholt zu sein, wenn man die Anzahl der Beiträge und Twitter-Nachrichten als Kriterium verwendet.“

Und ganz wichtig:

„Eine #Blogparade sollte inhaltlich und praktisch in keiner Museumsblase stattfinden, sondern deren Erkenntnisse und Ideen sollten bestenfalls in die Ausstellungen, das Begleit- und Vermittlungs- und auch das Kommunikationskonzept des Museums einfließen.“

Das ist wünschenswert. #BesucherMacht löste vielfache flauschige und weniger flauschige Reaktionen über die Rolle von Museen in der Gesellschaft und der „Ermächtigung der Besucher“ aus. Sehr lesenswert ist die Nachlese von Roland Nachtigäller, dem Direktor des Marta Herford, in: „Pamphlet über die Augenhöhe“.

„Die großen Unterschiede in unserer Gesellschaft überbrücken wir nicht, indem wir uns im Bücken üben, gar buckeln, sondern allein über Bildung, Bildung, Bildung! Wann endlich wird in breitem Rahmen begriffen, dass Kultur, Soziales und Bildungswesen keine gegeneinander auszuspielenden Verantwortungsbereiche sind, sondern zusammengehören? Dass für die Herausforderungen des offenen Ganztags, der Wissensvermittlung, der Flüchtlingsströme die Museen und Kulturinitiativen ein Teil der Lösung sind. Und dass dies nur geschehen kann, wenn diese Institutionen nun nicht zu großen Sozialeinrichtungen umgebaut werden, sondern endlich wieder neben all dem Vermittlungsengagement auch ihre ureigenen Aufgaben wahrnehmen können: ein kulturelles Gedächtnis lebendig zu erhalten, es zu befragen, zu diskutieren und zu erweitern.“

Und weiter:

„Das Museum ist ein Schutzraum, ein Ort der Begegnung UND der Besinnung, laut und leise zugleich, leidenschaftlich, subjektiv, engagiert, Augen und Geist weit geöffnet. Das Museum ist ein Experimentierfeld, eine Versuchsanordnung über unsere Vergangenheit und eine mögliche Zukunft, ein Haus für Vorschläge und Angebote, wo Neues gedacht, Unkonventionelles erprobt und auch Fehler gemacht werden dürfen. …“

Vielleicht also sollten wir weniger die Zentimeter der Blickebene verhandeln als vielmehr das, was wir auf unseren unterschiedlichen Kopfhöhen sehen. Denn: Das Museum wird nur dann eine Überlebenschance[2] haben, wenn es weiterhin eine Zumutung bleibt, herausfordernd, in Frage stellend, verstörend.“

Sehr viel Denkstoff steckt hier drin, ausgelöst durch die Blogparade, heftig in den Kommentaren der Nachlese weiterdiskutiert und aktueller denn je. Also, mehr Chance oder doch nur Risiko? Für mich zählt die Sichtbarmachung von Kultur in der Gesellschaft, der Umgang mit ihr rund um die Wertediskussion und Mitgestaltung. Die Basis ist gegenseitiger Respekt und Verständnis füreinander und klar, darf gerne mal laut auf den Tisch gehauen werden.

Netzwerken

Eine Blogparade ist ein prima Medium der Vernetzung. Gerade der Netzwerkgedanke sollte vorrangig sein. Norman schreibt anlässlich der Blogparade „Vernetzung von Bloggern“ von bloggerabc:

Mein Ansatz war und ist es noch heute, neben der Selbstdarstellung und der Präsentation, die selbstverständlich eine Rolle spielen und ihren Raum fordern, durch Verlinkung, Empfehlung und Kommentierung auf Inhalte und Aktivitäten aufmerksam zu machen und gelegentlich auch an diesen teilzunehmen.

So kann jeder ein paar Fäden ins Netz einweben und zum Entstehen neuer Verbindungen beitragen.

Schön gesagt und ja, das ist eine Motivation unter weiteren bei Blogparaden mitzumachen oder diese durchzuführen.

Blick vom Café der Villa Stuck auf die Künstlervilla von draußen bei herrlichem Sonnenschein im April.

Blau-Weiß in voller Pracht: der Künstlergarten der Villa Stuck – Beitrag für die Blogparade #perlenfischen.

Kultur-Blogparaden-Zahlenspiel

Schon sehr früh in meinen Bloggeranfängen entdeckte ich das Medium für mich, formte es und spielte damit. Als ich meine Bloghistorie danach überprüfte, überraschte mich einiges –  Grundlage für meine Learnings rund um Chancen und Risiken von Blog-Karnevals:

  • Beiträge zu 37 Blogparaden (das klingt zwar viel, für Blogger-Urgesteine bin ich da ein absolutes Greenhorn).
  • Bei 26 beteiligte ich mich als Schreiberling, immer mit dem Rückbezug auf Kultur. Sie halfen mir, anders auf Kultur zu blicken. Zudem wäre ich auf die Themen alleine kaum gekommen. Das inspirierte.
  • Elf Blogparaden organisierte ich: sieben für Kulturhäuser und vier Kultur-Blogparaden im Blog.
  • Zu diesen erschienen bei mir 24 Gastbeiträge. Unglaublich! Tatsächlich öffneten diese Artikel mein Blog für weitere Gastautoren. Sie schrieben zu vielseitigen Kulturthemen, oft ohne konkreten Anlass. Die Gastbeiträge bereichern das Blog!

Tatsächlich sind Blogparaden hervorragende Möglichkeiten, sich zu einem bestimmten Thema mit anderen in unterschiedlicher Art auszutauschen.

Eisener Steg in Frankfurt

Eine absolut verrückte Ausstellung im Liebieghaus – zwischen Kitsch und Hummelfigur, Koons grüßt, 2012. Mein Beitrag zur Blogparade des Historischen Museums Frankfurt.

Die ersten Museumsblogparaden – klein aber fein

Die ersten zwei Blog-Karnevals plante ich als Museumsfrau für das Residenzblog der Bayerischen Schlösserverwaltung – dieses ging 2018 ins Schlösserblog (klarer Lesetipp!) über:

  1. Aufruf zur MUSEO-Blog-Parade 2012: Was ist Euer herausragendes Thema für 2012? #MBlogparade2012
    => das war die erste Blogparade von einem Museum in Deutschland
    => Pinterest-Board: Museo-Blogparade 2012
    => 18 Beiträge
  1. Aufruf zur Kultur-Blogparade 2013: „Der Blick hinter die Kulisse – unser Arbeitsalltag“ | #KBlogparade2013
    => Pinterest-Board: Kultur-Blogparade 2013
    => 21 Beiträge

Eine dritte erschien im Rahmen des Internationalen Museumstages 2013 – das Konzept erarbeitete ich im Team der Kulturkonsorten (oh man, lange ist das her):

  1. Aufruf zur Blogparade: „IMT13 – wir machen mit!
    => Pinterest-Board: Internationale Museumstag 2013 #IMT13
    => Achtung – die Linkstruktur wurde verändert; die Artikel gibt es noch, musst sie im Blog der Kulturkonsorten suchen.
    => einige Museen, die Gastartikel auf dem Blog der Kulturkonsorten lancierten, richteten später eigene Blogs ein. Das freut mich am meisten. Beispiele: Marta Herford Museum (klarer Lesetipp), Zeppelinmuseum Friedrichshafen (sehr engagiert), Deutsches Historisches Museum Berlin (hier bin ich Autorin für die Kolumne).
    => 39 Beiträge

Diesen drei Initiativen ist eines gemeinsam: Sie richteten sich ausschließlich an institutionelle Blogs im Kultursektor (Corporate Blogs), hier vornehmlich an Museumsblogs, von denen es 2012 – 2013 im deutschsprachigen Raum gerade mal um die 50-60 gab. Aktuell bloggen ca. 90 Museen von über 6.000 in Deutschland!

Was war das Ziel?

  • Museumsblogs und damit Kulturthemen sichtbarer zu machen (Nr. 1-3)
  • museologische Arbeit in ihrer ganzen Vielfalt vorstellen (Nr. 2, schimmert auch bei den anderen durch)
  • Hintergründe zu aktuellen museologischen Herausforderungen und Ausstellungen zu zeigen (Nr. 1)
  • den Internationalen Museumstag mit beteiligten Museen anteasern – Vorstellung der Aktionen im Museum, Neugier und Lust auf die Teilnahme vor Ort wecken (Nr. 3)
  • Der Blick hinter die Kulissen sollte Kultur-Themen mehr Sichtbarkeit verleihen.
  • virale Effekte, Teilen der Beiträge im Social Web, zur Steigerung der Sichtbarkeit von Museen nutzen.[3]
  • Blogparaden waren für uns ein neues Format der Kulturvermittlung.

Warum richteten sie sich allein an institutionelle Kultur-Blogs (Corporate Blogs)?

  • Weil wir uns an das besondere Format erstmals heranwagten. Wir hielten es deshalb geschlossen. Das lag vor allem an unseren Zielen und Themen.
  • Wir konnten noch nicht überblicken, was da auf uns zukommt. Deshalb sparten wir andere Blogs aus.
  • Wir wollten einen überschaubaren Arbeitsaufwand einhalten. Dieser ist um ein Vielfaches größer bei für alle offenen Blogparaden.
  • Es kamen Anfragen von Kultur-Akteuren mitzumachen. Nach internen Diskussionen ließen wir diese zu, da wir Kultur voranbringen wollten.
  • Wir wollten uns mit anderen Kulturhäusern vernetzen und uns darüber neue Leser erschließen. Kooperation ist hier das Stichwort: gegenseitige Hilfestellung für mehr Sichtbarkeit – institutionalisierte #Kulturpower eben!

Ende 2012 folgten die ersten Museumsblogs mit Blog-Karnevals nach. Diese begleiteten überwiegend Ausstellungen. Dabei öffneten sie sich für die Blogosphäre. Es ging mitunter um die Vernetzung mit Bloggern, auch kulturfremden (Blogger Relations). Eine Auflistung der Initiativen findest du in „Historie von Museumsblogparaden“. Diese Aktionen wurden zunehmend als das aufgefasst, was sie im Kern sind: großartige Formate der Kulturvermittlung und des vielbeschworenen Miteinanders von (digitalen) Besuchern und Museen, einschließlich Mitsprache und Mitgestaltung.

Weinflasche auf Tisch, im Hintergrund die Festung von Colliure, Südfrankreich.

Jetzt schnapp dir den Wein, sinniere über deinen Kulturblick und hau in die Tasten! Blogparade #KultBlick

Meine Kultur-Blogparaden – Idee, Zeitplan & Organisation

Mich reizte nun, eigene Kultur-Blogparaden auszurufen. Am Ende waren es vier. Über das Konzept brütete ich lange. Tatsächlich war es meine Spielwiese, mich mit Bloggern zu vernetzen, mich darüber auf neue Gedankenspiele einzulassen bzw. diese herauszufordern. In der Themenwahl war ich frei, natürlich hatten sie alle mit Kultur zu tun:

  1. Mein faszinierendes Kulturerlebnis |#KulturEr“ (2013) => 47 Beiträge
  2. Mein Kultur-Tipp für Euch“ #KultTipp (2014) => 76 Beiträge[4]
  3. „Kultur ist für mich …“ – Aufruf zu #KultDef“ (2015) => 74 Beiträge
  4. Mein Kulturtrip für dich im Sommer“ – Aufruf zu #KultTrip“ (2016) => 51 Beiträge

Sie dauerten zumeist ca. 5 Wochen, ausgenommen #KultTrip. Diese war eine Blitz-Parade im Sommer, die gerade einmal drei Wochen lief. Ich testete bewusst Themen und Zeiten. Es erstaunte mich immer wieder erneut, wer und wie viele mitmachten. Tolle Blogs entdeckte ich so. Und ja, ich hatte einen fetten Hintergedanken dabei: Ich wollte mit Kultur infizieren, zum Nachdenken anregen in und außerhalb der Kultur-Filterblase, gerne auch weg von der kunsthistorischen Betrachtung. Die studierte ich lange genug.

Mich berührte es sehr, wenn ich Blogger zur erstmaligen Teilnahme an einer Blogparade bewegte bzw. die Themen zu neuen Blogs extra dafür oder kurz danach führten. Hach, liebe @sufloese, wie schön, dass es deinen Blog „leggiero flautato“ gibt. So viele wunderbare Gedankengänge hast du für uns bislang ausgebreitet, erst bei mir in Hochkultur oder Kulturwald #KultDef, dann bei dir – keinen davon möchte ich missen.

Warum ist der Zeitpunkt einer Blogparade wichtig?

Der Zeitpunkt meiner privaten Blogparaden war mir wichtig. Bewusst suchte ich Zeiten aus, die für mich beruflich ruhiger waren. Warum? So wie ich Blogparaden organisiere, sind sie extrem zeitintensiv, weil ich das Möglichste für die Sichtbarkeit der Beiträge der Teilnehmer tun möchte. Schließlich machten sie mit, investierten Zeit, gestalteten gemeinschaftlich eine Idee in unterschiedlicher Ausprägung. Das beeindruckt und begeistert mich bis heute.

Meine Familie war da nicht immer happy darüber, wenn ich am Wochenende oder später am Abend noch die Eingänge betreute. Deshalb führte ich nur eine Kultur-Blogparade pro Jahr neben dem regulären Job durch. Tatsächlich reichte mir das: Ich musste danach erst einmal wieder durchschnaufen und Energien sammeln. Ferienzeiten, bei denen ich mit der Familie unterwegs war, mied ich kategorisch. Das wollte und werde ich weder ihnen noch den Teilnehmern antun. Auch werde ich nicht mehrere Blogparaden zeitgleich betreuen. Das sprengt das Netzwerk, die Betreuung leidet darunter und am Ende weiß keiner mehr, welche Blogparade für was steht.

Was zählt zu einer guten Betreuung der Organisatoren?

Folgende Punkte kennzeichnen in meinen Augen eine gute Betreuung des Blog-Karnevals durch die Organisatoren. Sie resultieren aus meinen Erfahrungen und Erlebnissen mit diesem speziellen Blog-Format.

  • Ein klug durchdachtes Konzept, das möglichst unterschiedliche Blogger anspricht (wie gesagt: Ich liebe es, jenseits meiner Filterblase zu blicken).
  • Artikeleingänge lesen, kommentieren, teilen ins Social Web (hier auf allen Kanälen, die mir zur Verfügung standen oder stehen: Twitter, Facebook, Pinterest).
  • Fazits schreiben, zumeist mehrere zu einer Blogparade. Ich wollte wieder Appetit aufs Lesen der einzelnen Artikel schüren, deshalb fasste ich in 2-4 Sätzen jeden Blogpost zusammen, ohne zu viel zu verraten, sondern als Teaser aufgebaut.
  • Viele machten bei meinen Blogparaden mit. Der Überblick ging da schon mal verloren und nicht jeder Teilnehmer oder Interessierte nahm jeden Blogpost wahr. Das ist absolut legitim. Ich fand es klasse, wenn ich zum Nachdenken über ein Kultur-Thema animierte unabhängig davon, ob es der zehnte, 20., 30. oder 70. Beitrag war. Statt Quantität, zähl(t)en für mich allein die Gedanken zur Kultur.
  • Ich nahm alle Artikel auf, zensierte nicht, da das für mich ein NoGo in der Blogosphäre war und ein Stück weit noch immer ist. Zweimal in aufeinanderfolgenden Jahren kamen Beiträge von einer Hotelplattform. Beim ersten Mal wies man mich auf die SEO-Motivation des Autors hin. Doch ging ich das Thema idealistisch an, für mich zählten die Gedanken zum Thema. Deshalb blieben die Beiträge verlinkt. Die einen Teilnehmer setzen sich intensiver, die anderen oberflächlicher mit dem Thema aus … so what? Will ich das werten? Nein!Gleichwohl gibt es wichtige Learnings aus aktuellen Diskussionen (siehe Risiken). Damals war ich etwas blauäugig, zumindest SEO-mäßig als bloggende Kunsthistorikerin unbedarft. Mir ging und geht es um die Sichtbarkeit von Kultur. Heute setze ich solche Postings auf NoFollow, damals kannte ich diese Möglichkeit noch nicht. Meine Maxime: try and error, dann geht es voran. Wichtig ist, sich die Blogs der Teilnehmer anzuschauen.
Aufruf zur Blogparade Kulturtrip #kulttrip 2016. Innenansicht der Kirche Sainte-Marie de Serrabona in Südfrankreich

Diese Bilder animierten mich zur Blogparade „Kulturtripp“ #KultTripp: die Kirche „Sainte-Marie de Serrabona“ (serra bona: gute Berg) im Boulèstal, Südfrankreich.

Meine Learnings, wie Blogparaden gut aufbereitet sein müssen bzw. was die Teilnehmer selber tun können, um die Sichtbarkeit ihrer Beiträge zu steigern, schrieb ich sehr früh auf. Sie resultierten aus meinen Erfahrungen mit eigenen Blogparaden bzw. aus meiner Teilnahme bei anderen. Manchmal ärgerte ich mich über eine suboptimale Betreuung. Das erlebte ich auch bei bekannteren Bloggern. Aber hey, ich entschied mich ganz freiwillig dafür zu schreiben, weil mich das Thema ansprach – also, meine ureigenste Wahl. Das sollte grundsätzlich der Antrieb für die Teilnahme an einem Blog-Karneval sein.

Die zwei Artikel bieten wertvolle Hilfestellung:

  1. 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade
  2. 10 Tipps für die erfolgreiche Durchführung einer Kultur-Blogparade

2018 aktualisierte ich die Artikel. Das Jahr war besonders. Denn erstmals kooperierte ich mit gleich drei Kulturhäusern zum Thema Europa anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018. Die Idee eines Staffellaufs der Kultur-Blogparaden entstand.

Lachender Hofkoch Tamanti vor Schloss Sanssouci. Foto von Peter Adamik. Blogparade #SchlossGenuss

Hofkoch Tamanti lädt im Schloss Sanssouci zu Tisch! Foto: Peter Adamik. Vielen Dank @SPSGMuseum! Blogparade #SchlossGenuss

Steigerung der Leserzugriffe?

Sichtbarkeit über Organisation oder Teilnahme an einer Blogparade zu gewinnen ist legitim. Einige hatten nennenswerte Zugriffe auf ihren Beitrag, andere weniger. Sind Blog-Karnevals richtig organisiert, sind sie zeitintensiv. Mein Lohn: eine intensive Diskussion im Web. Das begeisterte mich und war Kompensation genug für mich.

Ein netter Nebeneffekt: Die Leserzugriffe steigerten sich nennenswert. Hätte ich das ganze Potential dieser Aktionen ausschöpfen wollen, dann hätte ich währenddessen und danach viel schreiben müssen, um einmal auf das Blog gelenkte Leser halten zu können. Nach Ablauf einer Parade war ich jedoch immer ausgepowert und verzichtete aufs Bloggen. Von den neuen Lesern blieben am Ende maximal ein Drittel, manchmal weniger.

Je seltener gebloggt wird, umso eher verschwinden die Leser wieder. Dann sind Artikel, die einen „wertvollen Nutzen“ für Suchende im Web bieten, oft der „Trafficlieferant“ fürs Blog – das ist jetzt aber ein anderes Thema. Einführend dazu: „Blog und Online-Magazin: warum & wie bloggen? Contentstrategie | #Anker16“. Ideal ist es, kontinuierlich und regelmäßig zu bloggen.

Ich blogge zu Themen, die mich bewegen, auch dann, wenn ich mal einen strategischen Artikel bringe. Meine übergeordnete Strategie: Alles hat irgendwie mit Kultur zu tun! Manche Themen müsste ich den Zugriffen nach bleiben lassen. Da sie mir wichtig sind, gibt es sie trotzdem: mein Blog, my home, my castle! Nebenbei eröffneten sich mir neue Möglichkeiten, über die ich absolut happy bin – ich kann wieder als Kunsthistorikerin tätig sein, trotz meiner verschiedenen Rollen im Leben.

Konzeption und Durchführung von Museumsblogparaden

Ich freute mich sehr, als 2017 die erste Anfrage zu einer Blogparade auf Empfehlung einging! Das Archäologische Museum Hamburg hatte mehrere analoge und digitale Aktionen geplant, wie eine Challenge auf Instagram sowie einen InstaWalk[5] in der aktuellen Ausstellung.

Die Blogparade #KultBlick war Bestandteil eines Gesamtkonzeptes, das das Museum zusammen mit Anika Meier von @thisaintartschool entwickelte (sie lanciert allgemein spannende Aktionen auf Instagram, die dazu animieren, sich bewusst mit Künstlern und ihren Ideen fotografisch auseinanderzusetzen, ein faszinierendes Medium der Kunstvermittlung). Dadurch dass wir, anders als geplant, die Maßnahmen zeitlich durch äußere Umstände entzerren mussten, blieb mehr Spielraum für eine weitgehend freie inhaltliche Ausgestaltung der Parade.

  1. „Verloren und wiedergefunden? Mein Kulturblick!“ | #KultBlick, Archäologisches Museum Hamburg => 83 Beiträge

#KultBlick berührte. Viele machten mit, einige, vor allem Kulturschaffende waren über die Themenstellung irritiert: Warum sollte ihr Kulturblick verloren gegangen sein, wenn sie in ihrer täglichen Arbeit permanent mit Kultur zu tun haben? Das war spannend für mich zu erleben.

Mich überraschte dann die Vielzahl der Beiträge, denn das Thema war durchaus anspruchsvoll. Sie kamen aus ganz verschiedenen Bereichen und blickten unterschiedlich intensiv auf Kultur. Zudem gab es einige Gastbeiträge im Blog des Archäologischen Museum Hamburgs und bei mir. Menschen ohne Blogs wollten ihren Kulturblick erzählen – absolut fabelhaft. Der Hashtag[6] #KultBlick kursierte lange, massiv und nachhaltig auf Twitter und animierte andere, die aus Versehen darauf stießen, zur Teilnahme. Einfach nur grandios – so soll es sein!

Blick bei Dämmerlicht auf den Atlantik. Blumen im Vordergrund. Blogparade #DHMMeer

Träumen lässt sich überall, ob am Atlantik oder hier am Mittelmeer! Blogparade #DHMMeer

Staffellauf zum Europäischen Kulturerbejahres 2018

Dazu möchte ich noch einmal separat bloggen. Diese drei Kultur-Blogparaden waren grandios. Sie zeigten, welche Chancen dieses wichtige Medium der Kulturvermittlung bieten kann. Die Museen wandten sich zu unterschiedlichen Zeiten an mich. Ich erhielt die einmalige Gelegenheit, diese Initiativen sowohl zeitlich als auch inhaltlich aufeinander abzustimmen. Zudem halfen sich die Kulturhäuser gegenseitig, teilten, machten bei der Blogparade des anderen mit – ein Idealfall mit extrem vielen Learnings!

  1. Genießer-Tipp: Entdecke mit mir Schloss …| #SchlossGenuss“, Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. => 57 Beiträge
  2. Europa und das Meer – Was bedeutet mir das Meer?“ | #DHMMeer“, Deutsches Historisches Museum Berlin => 112 Beiträge
  3. Einladung zur Blogparade “#SalonEuropa – Europa ist für mich…”, Museum Burg Posterstein => 75 Beiträge

Die Museen verbanden sich mit der Blogosphäre, suchten den Austausch und den Dialog – perfektes Medium von Blogger Relations[7] mit Option auf mehr. Sie zeigten zudem, dass Blogparaden ruhig fordern dürfen, so wie es Roland Nachtigäller weiter oben formulierte. Es ging um Tod auf dem Meer, Umweltverschmutzung, Wertediskussionen, Geschichts- und Politikbewusstsein, parallel zu sehr persönlichen, manchmal auch fluffigen Zugängen zu den Themen. Die Bandweite war groß und faszinierte.

Digitale Kulturvermittlung – Coaching der Museen

Was mache ich? Ich coache die Museen, erarbeite gemeinsam mit ihnen das Vermittlungskonzept bzw. hinterfrage und spitze manches zu oder öffne es im Konsens mit ihnen wieder. Das herauszuschälen, ist für mich das Wichtigste. Neben Fragen wie: Welche Ziele sind angestrebt? Wer soll warum angesprochen werden? Unwägbarkeiten und Überraschungen treten auf, positiv wie negativ. Jede Blogparade bietet andere Learnings.

Diese Paraden kosten viel Hirnschmalz, Zeit und Leidenschaft – die sich aber lohnen. Es dauert, eine Ansprache zu finden, die verständlich ist und emotionalisiert, den Blogger berührt und zur Teilnahme und damit zum gegenseitigen Austausch motiviert. Die Betreuung ist zeitintensiv. Am Ende entsteht ein faszinierendes Netzwerk von ganz verschiedenen Akteuren, die sich über Kunst, Kultur und Werte einer Gesellschaft austauschen – eine Bereicherung in meinen Augen.

Blogparade #SalonEuropa - Salonkultur digital und analog von Burg Posterstein läuft bis zum 23.10.18 - hier Ansicht der Burg.

Die Blogparade „#SalonEuropa – Europa ist für mich …?“ von Museum Burg Posterstein startete fulminant und läuft noch bis zum 23. Oktober 2018 – deine Gedanken sind herzlich willkommen!

Dont`s und Fehleinschätzungen

  • Ein null-acht-fünfzehn-Konzept geht nach hinten los.
  • Sich nur im Dunstkreis akademischer Zirkel aufhalten zu wollen, ist einseitig. Natürlich kann man das tun, hängt dann von den Zielen ab. Für die Vermittlungsarbeit im Museum bringt das eher wenig. Spannender ist für mich hingegen, Blogger unterschiedlicher Couleur miteinander zu vernetzen. Das inspiriert und kann neue Ideen für die museologische Arbeit freisetzen. Mein Kredo: Setzt die Brille der anderen – der nicht Kultur-Fachleute – auf. Mitunter stellt ihr fest, dass der reale Dialogpartner doch ganz anders ist als der „Wunschkandidat“. Risiko? Nein. Chance!
  • Kultur-Blogparaden allein aus SEO-Gründen durchzuführen, ist absoluter Quatsch und funktioniert nicht. Die Watsche ist garantiert und das zurecht!
  • Einen Trend zu formulieren, dass immer mehr Museen auf Blogparaden wegen SEO-Kriterien (Backlinks) abfahren, ist schlichtweg falsch. Siehe dazu die Historie der Museums-Blogparaden – es gibt seit 2012 bis jetzt gerade mal 18 Blogparaden von Museen (ich hoffe, alle erwischt zu haben. Wenn welche fehlen, bitte her mit der Info!). Ihnen obliegt eine andere Zielsetzung: die der Kulturvermittlung.

Für mich stehen bei Museums-Blogparaden die Vernetzung mit der Blogosphäre, der Vermittlungsaspekt und der authentische Dialog mit dem digitalen Besucher stärker im Vordergrund als irgendwelche SEO-Strategien. Ähnliches unterstelle ich Museen, die Blog-Karnevals nutzen (wollen), kann das definitiv für die von mir betreuten Museumsblogparaden sagen. Ich wünschte mir noch viel mehr Aktionen dieser Art!

Kultur-Blogparaden – Risiken und Fragen

In letzter Zeit wird ein düsteres Szenario von Blogparaden heraufbeschworen. Verfehlt. Gleichwohl gibt es richtige und wichtige Learnings, die zu beachten sind. Ich spreche hier allein aus der Erfahrung mit elf organisierten Kultur-Paraden. In ein paar Punkten hakte ich bei SEO-Experten nach. Darüber hinaus tauchen für mich weitere Fragen auf, die ich sehr gerne zur Diskussion stelle.

1. Schlagen zunehmend vermehrt SEO-Agenturen bei Kultur-Blogparaden auf, um Backlinks abzugreifen?
Das gibt es, nur ist das kein Trend: Seit 2012 traten gerade einmal eine Handvoll Fälle von 653 Beiträgen zu Blogkarnevals auf.

2. Was macht man mit solchen Beiträgen?
Entweder werden diese Beiträge erst gar nicht aufgenommen oder sie werden auf No-Follow Bei No-Follow wertet Google diese Links nicht, SEO-Agenturen laufen so ins Leere. Gibt es Seiten mit fragwürdiger Werbung, können diese von Beginn an kategorisch ausgeschlossen bzw. zumindest auf No-Follow gesetzt werden für den Fall, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte.

3. Sind alle Artikel von SEO-Agenturen schlecht?
Tatsächlich gibt es welche, die qualitativ wertvolle Beiträge bringen. Sollen diese ausgeschlossen werden? Das muss jeder für sich beantworten. Für mich hat das ein Stück weit mit Zensur zu tun. Vielleicht bin ich da zu idealistisch. Aber noch einmal: auf No-Follow setzen und gut ist. Das schreckt dann diejenigen ab, die einzig auf einen Backlink aus sind. Diese Verfahrensweise sollte dann in den Teilnahmebedingungen festgelegt sein.

4. Trat Black-Hat-SEO bei Kultur-Blogparaden auf?
Black-Hat-SEO, zu dem Private-Blog-Network (PBN) zählt, gab es bei Kultur-Blogparaden meines Wissens nach noch nicht. Sie sind schwer für den Laien zu erkennen. Dazu reicht eine URL mit zwei verschiedenen Endungen (bspw. .netz und .de) allein als Indiz nicht aus. Das wäre zu offensichtlich und dumm. PBN’s sind verschleiert, außerdem schleudern sie massiv Links raus.

Fakt ist, Google erkennt Black-Hat-SEO und straft diese rigoros ab, indem die Seiten aus der Indexierung herausgenommen werden. Das geht mit einem Verlust ihrer Sichtbarkeit einher. Wichtig für andere ist, auf solche Präsenzen nicht zu verlinken und eingehende, externe Links grundsätzlich auf No-Follow zu setzen. Sollte mal aus Versehen auf solch eine Seite verlinkt worden sein, heißt das nicht, dass alle damit verbundenen Seiten zwangsläufig mit abgestraft werden.

5. Zensur – sollte der Initiator einer Blogparade Beiträge ausschließen?
Dazu ist schon einiges gesagt – Stichwort: Backlinks (Nr. 1 und 3). In der Blogosphäre ist Zensur normalerweise verpönt, selbst dann, wenn es unliebsame Beiträge gibt. Bei einer Museumsblogparade kam es zu einer kritischen Meinung, die stark nach rechts rutschte, sich in anderen Punkten davon wieder abwandte. Da aber die Blogparaden-Regeln eingehalten wurden – keine Hetze oder Propaganda – nahmen wir den Beitrag an. Das Museum wird hier noch kontextualisieren.

Im Verlauf der Diskussion wurde auch das Qualitätskriterium angesprochen. Jetzt befinden wir uns da, was in meinen Augen gar nicht geht (ausgenommen die Punkte 1-4). Wer legt welche Kriterien fest? Was ist es wert aufgenommen zu werden, was nicht? Habe ich ein politisches Thema, können mir unliebsame Beiträge kommen. Aber das weiß ich vorher und bin darauf vorbereitet.

Strebe ich den Austausch über Kulturthemen an, dann lese ich auch gerne etwas zu rosaroten Einhörnern oder organisiere den Kultur-ESC – warum? Weil ich mich gerne jenseits der Kultur-Filterblase aufhalte und diese mit meiner eigenen verbinde. Kultur wird so sichtbarer und in die Gesellschaft hineingetragen. Bitte keinen Rückschritt à la „14 Gründe, warum Museen kein Social Media brauchen“.

6. Müssen die Organisatoren darauf schauen, was Teilnehmer später noch publizieren?
Wie sollte man das stemmen können? Im Nachhinein können Beiträge erscheinen, mit denen die Organisatoren nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Natürlich ist zu schauen, welchen Hintergrund ein Blog hat, ob er extremistisch in irgendeiner Art ist oder nicht bzw. ob er Inhalte aufweist, die inakzeptabel sind.

7. Müssen die anderen Teilnehmer alle Beiträge als Liste unter dem eigenen Post verlinken?
Diese Frage kam in letzter Zeit verstärkt auf, da das als Medium der Vernetzung angesehen wurde: Nein, sie müssen nicht. Tatsächlich ist das die Aufgabe des Organisators! Früher hieß es: nein, sie sollen nicht. Initiatoren empörten sich darüber und forderten dazu auf, diese Vorgehensweise zu unterlassen. Schließlich entwickelten sie die Idee und hatten die Arbeit mit der Betreuung. Die Leser sollten zu ihnen zurückkommen, um zu sehen, welche Beiträge eingingen: die Einladung zum Blog-Karneval als Sammelstelle der Eingänge.

Ich sehe es entspannter, da einige Teilnehmer darüber Leser erhalten können.Ich bevorzuge ein anderes Mittel der Vernetzung, das für mich sehr wertvoll ist, nämlich die anderen Artikel zu lesen, zu teilen, sie zu kommentieren, wenn das Gelesene berührt und ggfs. innerhalb des eigenen Posts auf den anderen zu verlinken und dabei erklären, warum ich den Beitrag gut finde. Das ist für mich gelebte Vernetzung, deshalb schrieb ich damals auch meine Tipps für die Teilnahme an Blog-Karnevals. Denn oft geschah das kaum.

8. Kippen die Teilnehmer nur ihre Links ab?
Puh … kann ich es verurteilen, dass nicht alle Beiträge von allen Teilnehmern gelesen werden? Nein. Jeder hat seine begrenzte Zeit und ja, manches Mal entwickelten sich Kultur-Blogparaden gigantisch. Da hatten auch die Organisatoren Mühe hinterher zu kommen und brauchten Zeit alles aufzubereiten, sollte schließlich auch durchdacht sein und kein vorgefertigter Textbaustein. Das ist nun mal so: 24/24 bei 7/7 kann kaum jemand verlangen, oder?

Einigen Teilnehmern reicht es, ihre Gedanken zum Thema zu verbloggen. Das ist vollkommen in Ordnung. Ich freue mich über jeden Beitrag. Wichtig ist mir dabei, dass es einen Bezug zum Thema gibt, und dass der Beitrag für die Aktion geschrieben wurde.

9. Sollten grundsätzlich alle Beiträge auf No-Follow gesetzt werden?
Diese Frage treibt mich nach der ganzen Diskussion um die Fragwürdigkeit von Kultur-Blogparaden um. SEO-Fachleuten nach handelt es sich dabei rein technisch gesehen um Linktauschprogramme. Diese sind nach den Google-Webmaster-Richtlinien unzulässig und können abgestraft werden. Das kam bei Blogparaden meines Wissens nach noch nicht vor[8].

Google, so eine andere Meinung, wisse sehr wohl einzuschätzen, ob es sich hier um verbotenen unnatürlichen Linkaufbau handelt bzw. ob hier qualitativ „wertvolle“ Inhalte entstehen oder nicht. Im Oktober 2018 äußerte sich John Mueller von Google zu „quality links“.[9] Danach verstoßen sie gegen die Richtlinien der Suchmaschine. Trifft das nun auf Blogparaden zu? Technisch gesehen wohl ja. Zukünftig würde ich bei einer Blogparade die verlinkten Eingänge per se auf No-Follow setzen und darüber in den Teilnahmebedingungen informieren. Zugleich wäre damit das Problem der Backlinkgier von SEO-Agenturen behoben.

Was ist deine Meinung dazu, seo-mäßig oder inhaltlich? No-Follow sollte kein Hinderungsgrund sein, mitzumachen, wenn das Thema einen bewegt, oder? Schließlich geht es von der Grundidee her um die Vernetzung und den Austausch untereinander, auch seitens der Initiatoren. Sichtbarkeit erhält das Thema über das gegenseitige Bewerbung und den Diskurs im Social Web.

Blogparade; KultDef; #KultDef

Bunt, bunt, bunt – so soll die Blogparade #KultDef werden – fügen neue Farben hinzu!

Learnings zur Organisation von Kultur-Blogparaden

Die Kritik an der Organisation von Blogparaden hat ihr Gutes. Es gibt Punkte, die zu bedenken sind, wie:

  • In Teilnahmebedingungen präzisieren, was geht und was nicht, auch in Form einer Nettikette. Dann weiß jeder, worauf er sich einlässt. Strittige Punkte kommen so gar nicht erst auf, wenn doch, geht man damit konstruktiv um.
  • Teilnehmer genau anschauen (ist selbstverständlich).
  • werbende Beiträge und Beiträge, die keinen Bezug zur Blogparade haben, grundsätzlich ausschließen.
  • Einsatz von No-Follow in bestimmten Fällen oder für alle Beiträge festlegen. Das ist klar in den Teilnahmebedingungen festzulegen. Für Museumsblogparaden würde ich zukünftig empfehlen, alle Verlinkungen auf No-Follow zu setzen (siehe Frage Nr. 9).
  • Organisatoren sollten regelmäßig checken, ob die Links der Parade noch funktionieren (Stichwort: Broken Links). Einige Beiträge bis hin zu kompletten Blogs verschwinden im Verlauf der Zeit. Auch Teilnehmer sollten prüfen, ob die Aktion noch da ist.[10]

Fazit und Bekenntnis

Das soll es fast sein. Ich habe hin und her überlegt, diesen Mammut-Beitrag zu splitten, entschied mich dagegen, da alles für mich miteinander zusammenhängt. Den ein oder anderen Punkt werde ich in separaten Artikeln weiter vertiefen. Das betrifft vor allem den Aspekt der Kulturvermittlung. Ich sehe bei Blogparaden mehr Chancen als Risiken. Die Learnings sind wichtig und fließen in zukünftige Aktionen von mir mit ein.

Persönlich öffneten mir Blog-Karnevals neue Wege. Mein Blog entwickelte sich darüber zu dem, was eines meiner Ziele war: das Blog als Plattform des Austausches über Kunst, Kultur und Social Media. Darüber bin ich mehr als happy! Was einst als Webvisitenkarte und Arbeitsmappe startete, wurde schnell zu sehr viel mehr, als ich es vorher dachte!

Und noch immer unterschreibe ich die Punkte, die ich in meinem allerersten Blogpost am 1. Oktober 2012 in: „Auf Reisen oder Hürdenlauf zum persönlichen Blog“ aufstellte. Hier meine 5. Hürde – die Strategie:

„was ist mein Plan? Denn wie wir ja immer wieder hören und lesen, steht und fällt alles mit einer gut durchdachten Strategie, gerade im Social Media Bereich. Und tatsächlich gibt es die: Mein Blog wird sich entwickeln! Wohin der Weg aber führt, bleibt offen und das ist von mir auch so gewollt – Strategie eben. Ich möchte mir kein Korsett anlegen, das mir irgendwann zu eng wird.  Ich gönne mir die Freiheit einfach los zu laufen. Kunst, Kultur und ihre Vermittlung via Social Media sind das Ziel. Den goldenen Weg dahin gibt es nicht, wohl aber ein verästeltes und facettenreiches Wegesystem. Und das möchte ich nun angehen.“

Und ich gehe diesen weiter. Wie treffend zum sechs-jährigen-Jubiliäum meines Blogs erstmals so einen Artikel wie heute zu schreiben! Ich freue mich auf einen konstruktiven Austausch.

Was sind deine Erfahrungen mit Blogparaden? Gibt es etwas, das du ergänzen oder diskutieren möchtest?

Historie von Museums-Blogparaden

Als letztes noch die Auflistung sämtlich mir bekannter Museumsblogparaden. Gerne ergänzen, wenn etwas fehlt.

2012

2013

2014

2015

2017

2018


[1] Über die (Kultur-)Filterblase schrieb Angelika Schoder einen Gastbeitrag bei mir: „Viele Grüße aus der Filterblase …“, den sie am 20.11.2018 aktualisierte. Zur Funktionsweise von rechten Filterblasen siehe das Experiment von Christian Buggisch dazu – sehr aufschlussreich und bedrückend: „Über Internet und echtes Leben: Digitales, „Lügenpresse“ & Filterblase“.

[2] In einem Blogartikel fragte ich polemisch: „Braucht es das Museum oder kann es weg?“ – die teils heftige Reaktion darauf war sehr spannend und hielt ich fest in: „Museen braucht das Land! Was können sie für uns tun?„.

[3] Den Social Impact zum #IMT13 analysierte ich in: „Was verbindet #IMT13 mit dem Muttertag? – „Social Action“: Museen, Blogparade, Tweetup und Co“.

[4] Eine faktische Auswertung in: „76 Tipps pro Kultur“.

[5] Was ein InstaWalk ist, beschrieb ich in: „Instagrammer im Cuvilliés-Theater“. Wie Igers mitunter organisiert sind, erfährst du in: „Instagramer in München – was machen die @igersmunich?“.

[6] Mehr zur Funktionsweise von Hashtags in: „Hashtags und Twitter – wie funktionieren sie in der Kultur?“.

[7] Mehr zu Blogger Relations in: „Tipps für erfolgreiche Blogger Relations im Kultursektor #bpbr13“. Spannend auch der Blogpost des Universalmuseums Joanneum: „#bpbr13: Blogger Relations im Kulturbereich“. Übrigens nahmen wir beide an einer Blogparade teil.

[8] John Mueller von Google äußerte sich 2017 in einem Interview nicht direkt zu Blogparaden, sondern über Linkaufbau generell. Dazu sagte er: „Große Linkkampagnen müssen also nicht unbedingt sein. Sehr spannende Inhalte können allerdings als natürlicher Linkaufbau gelten.“ Trifft das auf unsere Kultur-Fälle zu?

[9] Barry Schwartz, „Google’s John Mueller Defends His Making Links Against Guidelines Statement“, Seroundtable vom 8.10.2018.

[10] Mir passierte es schon, dass eine Blogparade verschwand, wie hier: „Blogparade: Meine Bloggeschichte – eine Herzensangelegenheit“. Das kommt seltener vor als gelöschte Beiträge.


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19 Kommentare

  1. Liebe Tanja,

    vielen Dank für diesen sehr langen und wieder einmal so inhaltsschweren Artikel, der ja hier auch schon eine lange Diskussion nach sich gezogen hat. Wunderbar für mich ist es immer wieder, das in so geballter Form zu lesen, gibt es doch in gewisser Weise oft das wieder, was ich im sogenannten RL so oft diskutiere mit viel oder auch wenig Erfolg. Ich kann davon sehr viel lernen und werde ihn rege weiterempfehlen.

    Kultur sichtbar zu machen für Leute, die nicht täglich „inside“ sind, gehört für mich zum Schönsten, was es gibt. Nun gehöre ich ja zu den Leuten, die „Hörbares“ produzieren, manches davon wird ins Internet transportiert, vieles findet aber einfach nur örtlich begrenzt für wenige hörbar statt. Darüber zu schreiben und mit Worten darauf aufmerksam zu machen, ist für mich nach wie vor Herausforderung (nicht nur zeitlich, auch mental), aber auch Gelegenheit, für mich persönlich meine Umgangsweise damit zu reflektieren. Ich profitiere sehr viel davon. Anderen geht es nicht so. So ist das nun mal…

    Durch die Teilnahme an Blogparaden stieß ich (die versucht, möglichst viel mitzulesen) auf andere Blogger, die ich sonst wohl nie entdeckt hätte. Das war für mich eigentlich der schönste Nebeneffekt. Natürlich beschäftigt man sich ausführlich mit dem jeweiligen Thema und das Zu-Papier-bringen der eigenen Gedanken dazu in Artikelform ist immer eine Art Meilenstein auf dem eigenen Weg. Das Lesen danach in den anderen Beiträgen ist für mich sehr gewinnbringend, auch wenn ich nicht immer kommentiere.

    Das eigene Bloggen außerhalb dieser Paraden ist allerdings nach wie vor die größte zeitliche Herausforderung für mich. Erstens bloggt kaum jemand in meiner näheren Umgebung und es bestehen bei vielen nach wie vor große Ängste vor dieser Art öffentlichen Positionierung. Meine persönliche Umgebung hier im Osten Deutschlands und besonders auch das (musikalische) „Kulturdorf“ hat da noch viel Nachholebedarf. Der zweite und wohl wichtigere Grund ist, dass mir oft die Zeit fehlt, weil Musik eben meist doch analog und nicht im Internet gemacht wird. Oft gibt es dann eben nur kleine Tweets oder Instagram-Beiträge mit Momentaufnahmen. Aber ich bleibe dran und werde weiterhin einiges in meinen Blog tragen, beschäftigen mich doch nicht nur musikalische Themen.

    Die eigene Filterblase zu sprengen gehört für mich mit zu den spannendsten Dingen, da gibt es für mich am meisten zu lernen und zu profitieren. Offen und neugierig zu bleiben ist ein guter Weg. Das eigene Unterwegssein im Internet sollte für mich immer zwei Seiten haben, zum einen das Sichtbarmachen von kulturellen Inhalten für die ich brenne, aber auch das Inmichaufnehmen von neuen Anregungen. Es funktioniert und ich suche und finde weiterhin Wege für mich persönlich. So musste ich für mich feststellen, dass manches nicht möglich ist, zuviel Zeit kostet, dass ich mich einschränken muss und so gehört die Zeitverschwendung im „algorithmuszerstörten“ Facebook nicht mehr dazu ;)

    Ich lerne weiter und genieße den Austausch mit anderen. Je offener ich diese Wege halte, umso mehr begegnet mir. Ob ich das für mich nutze, ist die andere Frage, aber soviel Offenheit gehört für mich dazu.

    Herzlich, Susanne

  2. Pingback: Kultur-News KW 47-2018 News von Museen, Ausstellungen, Geschichte

  3. Liebe Tanja,
    was für ein Nachschlagewerk!!! Es sind viele wichtige Punkte und ich denke, es ist auch deutlich geworden, dass sich der mit Blogparaden verbundene Aufwand für eine reine SEO- oder Werbeaktion nicht lohnen würde. Nein, es werden nachhaltige Kontakte geknüpft, man beschäftigt sich als Initiator sehr ernsthaft mit den Beiträgen, liest und kommentiert jeden einzelnen, fasst ihn zusammen… Ich stimme dir völlig zu, man kann bei Onlineaktionen nie alle Eventualitäten voraussehen. Es muss Raum dafür geben, dazu zu lernen und weil du deine Erfahrungen teilst, können künftige Initiatoren von Blogparaden davon profitieren. Ich wünsche mir, dass öfters so offen über „Learnings“ geschrieben wird!
    Ich möchte dir noch einmal herzlich danken für die Begleitung und Beratung zur Blogparade #SalonEuropa des Museums Burg Posterstein. Es war unsere erste Blogparade und ich finde, sie hat der Ausstellung #SalonEuropa vor Ort frischen Wind aus dem Netz gegeben. Sie hat die Gespräche vor Ort prima ergänzt, wir haben die Themen aus der Blogparade wieder in die Veranstaltungen vor Ort zurück geholt und die Beiträge waren in der Ausstellung ausgedruckt zu lesen. Jeder „Kanal“ über den wir gefragt haben „Was bedeutet Europa für dich?“ hat andere Themengewichtungen hervorgebracht, für mich ein Zeichen, dass wir damit verschiedene Nischen angesprochen haben. Mich hat es sehr gefreut, dass ich durch die Blogparade neue Blogger kennengelernt habe, dass sich auch Reise- und Familienblogger geäußert haben und dass auch mal über Schuhe in Wohnungen und rosa Einhörner geredet werden durfte. Wir alle sollten Europa mitgestalten. Ich bin immer noch bei der Auswertung unseres Experiments #SalonEuropa, heute ist Teil 2 im Blog erschienen, und es ist gar nicht so einfach die Fäden zusammen zu halten und sich zwischen all den interessanten Kommentaren zu entscheiden, welche man am Ende zitiert.
    Ich gestehe, dass ich mich mit dem SEO-Aspekt nicht wirklich beschäftigt habe. Wir wollten #SalonEuropa nicht für die Suchmaschine veranstalten, sondern für die Menschen. Trotzdem bin ich dankbar für Hinweise, denn natürlich möchte ich niemanden durch ungünstige Linkumgebungen Schaden zufügen. Hier hab ich einiges dazugelernt.
    Ich kann absolut verstehen, dass niemand, die jeweils anderen 74 Beiträge alle durchlesen konnte, dafür waren es einfach zu viele. Aber ich habe doch das Gefühl, es kam zu einem Austausch und Wahrnehmen verschiedener Sichtweisen, so wie wir es uns erhofft hatten.
    Ich könnte jetzt noch viel schreiben, aber die Fortsetzung folgt dann in der Auswertung der Blogparade im Blog von Burg Posterstein.

    Viele liebe Grüße,
    Marlene

  4. Ich mag Blogparaden. Wer in meiner Site stöbert, findet schnell heraus, dass ich bei vielen der Blogparaden, die hier gelinkt sind, teilnahm. Ich kann nicht beurteilen, was das den Veranstaltern bringt.
    (Ich denke zumindest Aufmerksamkeit)
    Was mich als Teilnehmer auch stört sind die langen Scroll-Wege, wenn es denn viele Teilnehmer gibt, immer in die Kommentare oder an das Ende des Blogposts. Auf Twitter bekommt man nicht immer alle mit. Ich habe nachgedacht und überlegt, wie ich es machen würde.
    Ich hätte gerne die Kontrolle über die Links, ohne SEO und Kram. Es sollte wenig Arbeit sein.
    Dazu lege ich eine WP Seite an, ganz normal. In diese Seite stelle ich die Links zu den einzelnen Teilnehmern ein. Kommt der Blogparadenpost von einer WordPress-Site dann einfach die Url händisch eintragen, im Text-Modus. WordPress generiert dazu auf dieser Site einen Teaser samt Screenshot. Bei anderer Blogsoftware muss man klassisch linken ggfs mit Screenshot, falls man den Aufwand betreiben will.
    Ich hab das mal bei mir getestet. https://mikelbower.de/linkliste-test/
    Das sind einfach nur die puren URLs eingetragen und ein Kommentar dazu geschrieben. Das erspart eventuell auch die Zusammenfassungen.
    Im Blogparadenpost wie gehabt die Aufforderung die URL zu posten, dann aber der Hinweis, dass die Kommentare generell nicht freigegeben werden, sondern der Beitrag in dieser Blogparaden-Linkliste eingetragen wird. Mit Link zu der Blogpostlink-Site. Auch schon am Anfang des Posts. Dann hat man eine hübsche Site zur Blogparade, die via SoMe und im Post beworben werden kann. Nur so eine Idee.
    Bestimmt gibt es auch professionelle Linklisten, das war um die Jahrtausendwende der Hit, aber die kosten heute wohl.
    Vielleicht kennt jemand Software für Blogparaden, die gerade größere Institutionen nutzen könnten, auch zur Community-Bildung, so eine Art Akkreditierung? Mit Tweetup-Vermarktung, Instawalk-Integration?
    Ich bin zu alt für sowas. :)

    • Tanja Praske

      Lieber Michael,

      klasse! Und ja, du hast schon bei sehr vielen Kultur-Blogparaden immer mit reichhaltigen Denkstoff mitgemacht. Hat mich immer sehr gefreut, von dir zum jeweiligen Motto etwas zu lesen.

      Deine Testseite sieht in der Tat gut aus! Danke dort auch für die Lorbeeren. Ich werde das mal im Hinterkopf behalten. Schwierig dabei für Kulturinstitutionen ist dafür extra eine Extraseite anzulegen und es gibt doch so einige, die nicht auf wordpress bloggen.

      Bei Tools für Linklisten wird gerne das plugin InLinkz genommen (memademittwoch, #12von12, #WMDEDGT). Das Problem dabei: Das Plugin muss wohl immer installiert bleiben, sonst verschwinden die Links wieder. Das ist dann schwierig für Museen, wenn sie nur mal hin und wieder eine Blogparade planen.

      Ich finde es zur besseren Sichtbarkeit gut, wenn zudem der Datumseingang vorhanden ist. Daran kann man sich auch orientieren. Vielleicht wäre es wegen unbequemer Scrollbarkeit besser unter dem Nachtrag, immer den aktuellsten Eingang zu setzen. Bei Kommentaren wäre es eh besser, wenn immer das Aktuellste zuerst käme.

      Eine Aggregatoren-Seite für analog-digitale Museums-, Theaterevents – hier für Blogger, Instagrammer, Twitterer und ist spannend – denke darüber mal nach, was geht.

      Dass nicht alle Beiträge mitbekommen werden, kann ich auch von Interessierten gar nicht erwarten. Da hat jeder viel im Alltag zu tun. Alles spricht auch gar nicht immer unbedingt an, dazu sind die eigenen Interessen doch sehr verschieden. Ich fand es spannend innerhalb der Blogparaden festzustellen, welche Netzwerke es da gibt, die sich gegenseitig über ihre Beiträge animieren mitzumachen. Für andere ist das spannend hineinzublicken und vielleicht ergibt sich darüber etwas Neues oder ein neues Netzwerk entsteht. Für die Organisatoren ist die Vielfalt der Perspektiven faszinierend, die den eigenen Horizont erweitert. Im Idealfall gehen diese dann in die Kulturarbeit mit ein.

      Hier würde ich auch gar nicht eingreifen wollen. Fazits finde ich persönlich ganz wichtig, um nochmals auf die Beiträge hinzuweisen und so, vielleicht Verpasstes präsent zu machen.

      Merci dir!
      Herzlich, Tanja

      • Liebe Tanja, lieber Michael,
        für meine Linkparty „einfach. nachhaltig. besser. leben.“, die ich seit einigen Jahren mit Bloggerinnen der Nachhaltigkeitsszene betreibe, verwenden wir InlInkz. Das kostet zwar, man kann es aber auf allen möglichen Blogs einbinden (d.h. Tanja, du könntest dir einen Bezahlaccount leisten und das auf den Museumsseiten einbinden, aber klar, wer weiß, wann es das Tool mal nicht mehr gibt und dann sind alle Links futsch?). Andere wirklich gute Tools sind mir nicht bekannt und InLinkz sieht auch in WordPress-Blogs nicht wirklich toll aus. Von daher, wird man wohl weiter scrollen müssen…
        Liebe Grüße,
        Marlene

  5. Meine Gedanken als Teilnehmerin dazu: Es freut mich sehr, dass die Blogparaden wirklich jeden Beitrag wertgeschätzt haben, denn das „gesehen werden“ spielt ja eine große Rolle. Die Kehrseite ist, dass eine Beliebigkeit eintritt, wenn es zu viele Beiträge werden. Ich gebe zu, dass ich nach ein paar Leseversuchen bei den anderen Teilnehmern schnell aufgebe, wenn ich nicht gleich etwas für mich Interessantes finde.
    Die ganzen SEO-Fragen sind mir egal. Mir bringt die Teilnahme nicht mehr Klicks als meine Beiträge sowieso haben. Mir macht es vor allem Spaß, Teil einer gemeinsam Aktion zu sein. Die Terminierung hilft mir auch gegen die Schreibfaulheit.
    Früher habe ich selbst eine Art Blogparade im Textilbereich organisiert, die monatliche „Stoffspielerei“. Als die Aktion bekannter wurde gab es ebenfalls das Problem, dass sich einige offenbar nur wegen der Links an die Aktion anhängen wollten, ohne sich mit ihrem Beitrag große Mühe zu geben. Das zieht die Qualität der gesamten Sache nach unten, weil die Leser nicht mehr darauf vertrauen können, hinter den Links interessanten Lesestoff zu finden. Wir haben die Trittbrettfahrer durch etwas strengere Regeln für die Teilnahme einigermaßen im Schach halten können. Im Nähbereich gibt es auch den MeMadeMittwoch mit fünfstelligen Klickzahlen, dort sind die Regeln bei Werbung sehr streng, Beiträge werden rigoros gelöscht.
    Das macht natürlich alles viel Arbeit, Hut ab vor der Organisation der Museums-Blogparaden mit so vielen Teilnehmern! Vielleicht würde es helfen, die Themen nicht ganz so breit und etwas konkreter zu fassen. Bei #saloneuropa hätte die Frage z.B. auch lauten können: Schildere ein europäisches Erlebnis. Das ist auch niedrigschwellig und gleichzeitig greifbarer.
    Danke jedenfalls für die Öffnung hin zu den Reise-, Kultur-, Eltern-, Tagebuch-, Hobbyblogs, das wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen! Dabei sind die doch eigentlich wichtige Vermittler für das Publikum, das die Museen sich wünschen.

    • Tanja Praske

      Liebe Suschna,

      ein ganz dickes Merci für deinen Kommentar hier und auch Dankeschön für deine Teilnahmen an Blogparaden mit mir !

      Ja, tatsächlich zogen die Museumsblogparaden immer mehr an. Seit #KultBlick bis zum #SalonEuropa wurde viel dazu geschrieben. Diese Blogparaden bedeuten viel Arbeit, das sage ich im Vorfeld jedem Partner auch. Sie können ein Liedchen davon singen ;-)

      Nachdem die Blogparaden so viel Zuspruch erfahren und jetzt auch Teilnehmer aufgetreten sind, die sich vielleicht nur anhängen wollen, sehe ich die Notwendigkeit, wie du, im Vorfeld Regeln in Teilnahmebedingungen festzulegen. Dadurch haben die Organisatoren mehr Handlungsspielraum bzw. weniger Diskussion diesbezüglich. Das ist das wichtigste Learning aus aller Kritik, die nicht immer nur konstruktiv war, leider. Aber überall gibt es positives. Deshalb bin ich über dein Feedback und das der anderen sehr erfreut, das macht für mich ein gutes Netzwerk aus. Ein Netzwerk, das über Blogparaden zustande gekommen ist!

      Teilnahmebedingungen begegnete ich auch beim #WMDEDGT. Habe gerade bei MeMadeMittwoch reingeschaut und finde das richtig gut – dafür Merci! Hier für die anderen Mitleser der Link dazu: http://memademittwoch.blogspot.com/p/wie-funktioniert-der-mmm.html

      Bei #SalonEuropa haben wir ganz bewusst es sehr offengehalten, da die Blogparade wichtiger Bestandteil der Ausstellung vor Ort war. Tasächlich beflügelte die Aktion die Ausstellung und auch die Sichtbarkeit. Vor Ort traten Gespräche auf, die sich in der Blogparade widerspiegelten, auch solche wie weit überhaupt die Bereitschaft zur Diskussion untereinander ging. Darauf geht Burg Posterstein in der noch kommenden Besprechung ein.

      Gleichwohl ist dein Vorschlag hier wichtig, das Thema einzuschränken. In den möglichen Fragen, die Teilnehmer beantworten können aber nicht müssen, gaben wir bei allen Blogparaden hinweise. Das ist ein schwieriger Balanceakt, Kultur-Blogparaden zu öffnen, da diese vorher abschreckten, vielleicht durch einen falsch aufgefassten Anspruch im Sinne von, ich habe nichts mit Kultur zu tun, also kann ich nichts dazu sagen. Und das ist Quatsch. Jeden umgibt Kultur, jeder kann dazu etwas sagen und das auch tun, ohne Angst haben zu müssen jetzt von anderen abgekanzelt zu werden, die damit beruflich etwas zu tun haben und vielleicht intensiver in der Materie drin stecken.

      Erst in letzter Zeit und vor allem 2018 kam diese tatsächlich gelebte Öffnung zustande und das freut mich enorm. Aber ja, bestimmte Themen explizit zuzuspitzen und dazu Meinungen anzufangen ist passend. In meinen früheren Kultur-Blogparaden verfuhr ich oft so: „was ist dein herausragendes Kultur-Erlebnis“, „Gib mir deinen „KulturTipp“, „Dein KulturTripp“ – seichte Zugänge. Von einer befreundeten Elternbloggerin hörte ich dann, tolles Thema, aber ich habe doch nicht wirklich mit Kultur zu tun. #KultDef war dann ganz anders. Ich traute mir vorher nicht zu, ein so anspruchsvolles Thema anzugehen.

      #DHMMeer und #SalonEuropa nahmen tatsächlich eine ganz andere Richtung ein, sie wurden politischer und Blogger unterschiedlicher Couleur fühlten sich angesprochen. Die Museumsblogparaden berühren jetzt nochmals mehr und ziehen dann auch nicht so liebsame Teilnehmer an, wenngleich das noch kein Trend ist, aber trotzdem zu beobachten ist.

      Dazu trug auch dein Kommentar hier bei. Meine Blogparaden entwickelten sich immer weiter und jetzt kommt der nächste Schritt mit Teilnahmebedingungen.

      Pardon für den Roman ausgelöst durch deinen Denkstoff – merci dafür!

      Herzlich,
      Tanja

    • Liebe Suschna,
      danke, dass du bei #SalonEuropa dabei warst! Dein Blogpost war der, der am meisten kommentierte. Das zeigt mir, dass bei dir eine ganz andere Leserschaft vorbei kommt, die mich eher an die DIY/Näh-/Nachhaltigkeitsszene erinnert, in der ich mit meinem zweiten Blog auch unterwegs bin. Das ist bei den Kulturbloggern keine Selbstverständlichkeit. Aber du hast wunderbar gezeigt, dass Europa und seine Kulturunterschiede uns eigentlich überall berührt, und sei es beim Betreten einer Wohnung :-)
      #SalonEuropa hebt sich meiner Meinung ein wenig von den anderen Blogparade ab, weil sie nicht allein steht, sondern Teil der Ausstellung vor Ort ist. Und die Ausstellung war ein Versuch, die Kultur der historischen Salons ins Heute zu übertragen und über Chancen und Ideen, Meinungen und Perspektiven von Europa zu diskutieren. Ich sitze immer noch an der Zusammenfassung all dieser Gespräche, die neben der Blogparade auch im Gespräch vor Ort, per Video-Interviews und als Kommentare eingingen. Gar nicht so einfach, alle Fäden zusammenzuhalten. Demnächst mehr.
      Viele liebe Grüße,
      Marlene

  6. Danke für den spannenden und ausführlichen Beitrag – da waren einige Flashbacks dabei :)

    Einen Punkt zum Thema SEO: Linkaufbau wird generell immer problematischer. Das „Hauptrisiko“ trägt sozusagen der Initiator; bzw. kann es schnell kontraproduktiv werden, wenn jeder Teilnehmer die ganze Paradenliste ans Posting anhängt. Vor allem bei vielen Teilnehmern und vielen sehr kurzen Beiträgen :)

    Dennoch würde ich das SEO-Potential nicht unterschätzen. PBNs übrigens auch nicht. Wenn die 2018 noch funktionieren sollen, dann müssen die PBN Nodes so aufwändig und langfristig implementiert werden, dass mit klassischen Blackhat Methoden (Text Spinning etc.) gar nix mehr geht.

    • Tanja Praske

      Lieber Richie,

      wow, dich hier zu lesen, freut mich enorm, zumal ich viel schon von der lernte zuletzt zur DSGVO. Diese brachte sogar eine einwöchige Delle in #SchlossGenuss hinein. Eine Woche erschien kein einziger Beitrag, eben kurz vor dem 25.5.18. Darüber waren wir schon sehr froh, denn auch wir mühten uns damit ab.

      Ja, Linkaufbau ist wohl nicht so einfach abzusehen, wenn ich mich mal vom Vermittlungsgedanken der Blogparaden löse, der für uns idealistischer Weise immer Vorrang hat.

      Wichtig die Erklärung für mich: Dass die Auflistung der Beiträge auf den Blogs der Teilnehmer kontraproduktiv und eher gefährlich ist, wegen unnatürlichen schnellen Linkaufbau. Bei unseren Aktionen kamen in der Mehrzahl lange, spannende Beiträge heraus, die für mich qualitativ hochwertig sind, egal wie der Ansatz war. Ich werde zukünftig also darum bitten, dass Teilnehmer nicht die Liste übernehmen, auch wenn bei den meisten hier nur gute Absicht vorlag im Sinne von Vernetzung. Bin da ja auch ein Greenhorn. Umso besser, dass dieser Artikel hier diese Erkenntnisse aufbringt – ein ganz dickes Dankeschön dafür!

      Ein Punkt interessant mich noch: Blogparaden auf nofollow per se setzen oder nicht. Nur nofollow kann sich auch negativ auswirken, da Google das als Werbung verstehen kann, oder? Das übermittelte mir Anja. Deshalb überdenke ich nochmals stärker meinen Punkt 9. Wenn wir mehr darauf Acht geben, dass sich rein SEO-motivierte Posts einschleichen bzw. diese, wenn sie gute Inhalte bringen, auf nofollow setzen, dürfte Genüge getan sein, oder?

      Viele Learnings und dafür Danke ich allen, auch den kritischen Meinungen, die zu wichtigen Learnings führten. Idealismus hin oder her, am Ende muss es funktionieren. Deshalb wird es bei zukünftigen Blogparaden Netiquetten geben. Das gibt Handlungsspielraum auch für den Organisator.

      Merci dir!

      Herzlich,
      Tanja

  7. Liebe Tanja,

    vielen Dank für deinen ausführlichen und differenzierten Blick auf das Thema Blogparaden! Dank deiner persönlichen Ansprache wurde ich auf dieses Thema aufmerksam und habe seit dem Start meines Blogs Anfang 2017 an zwei der von dir organisierten Blogparaden teilgenommen. Als besonders positiv empfand ich beide Male die intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Motto der Blogparade. Darüber hinaus fand ich es sehr spannend, neue Blogs und Blogger dadurch kennenzulernen und meinen Horizont durch unsere verschiedenen Sichtweisen zu ein und demselben Thema zu erweitern. Ein ganz großes Kompliment geht an dich für die fantastische Betreuung der Blogparaden – ich nehme vor allem auch immer wieder gerne daran teil, da ich weiß, wie sehr du dich im Detail mit den Inhalten eines jeden Blog-Beitrags beschäftigst und dass du dem jeweiligen Blogger eine Plattform auf deinen eigenen Kanälen bietest! Das machte sich bei mir auch in der Reichweite meiner Artikel bemerkbar.

    Alles Gute und viel Erfolg weiterhin von Lena („Die Kulturflüsterin“)

    • Tanja Praske

      Ach liebe Lena,

      so wohltuend dein Kommentar, vor allem auch aus der Sicht der Teilnehmerin. Nun. Damian und Anja haben sich auch immer mit fantastischen Artikeln beteiligt. Keinen, nun ja, fast keinen Artikel der Kultur-Blogparaden gebe ich wieder her. Mich fasziniert, wie ihr alle, eine Idee gemeinsam gestaltet. Überraschend war dabei oft genug der einzelne Ansatz. Bei #DHMMeer berührte mich dein Post auch sehr, natürlich dein #SchlossGenuss ebenso. Das ist es, was ich liebe, wenn das Motto einer Blogparade zu so famosen Gedanken führt.

      Danke auch für dein Feedback bezüglich Steigerung der Leserzugriffe! Das ist nicht bei jedem so, bei dir schon und das freut mich enorm, dass wir dazu etwas beitragen konnten. Denn tatsächlich sind Blogparaden in meinen Augen neben dem wichtigen Vernetzungsgedanken, den du lebst, auch ein Geben und ein Nehmen und sollte für alle Seiten positiv sein. Das ist es nicht immer. Dann ist da eher zu schauen, was kann man da anders machen bzw. was lässt man zukünftig warum bleiben.

      Spannend, wie sich die Diskussion gerade entwickelt und welche verschiedenen Perspektiven auch hier wieder herauskommen! Eine gelebte Blogosphäre, ein spannendes und konstruktives Netzwerk ist Gold wert und kompensiert für so vieles!

      Hach, jetzt kann ich mich den nächste Projekten widmen!

      Herzlich,
      Tanja

  8. Liebe Tanja,
    erst einmal vielen Dank für diesen ausführlichen und umfassenden Artikel zum Thema Blogparaden im Kulturbereich., der sowohl die Risiken als auch (und das ist meiner Ansicht nach besonders wichtig) die Chancen solcher Blogparaden beleuchtet.
    Risiken gibt es sicher und Du hast sie beschrieben: es kann sein, dass man auf SEO-Seiten verlinkt, es kann sein, dass „unliebsame“ Artikel auftauchen. Ja, aber damit bildet die Blogparade letztlich nur ab, was auch überall sonst geschieht. Und ja: es ist wichtig sich vor allzu offensichtlichen SEO-Seiten zu schützen und es ist auch wichtig Artikel, die in eine (etwa politisch) problematische Richtung steuern, zu kommentieren und zu diskutieren. Damit hat man bereits ein wichtiges Ziel einer Blogparade erreicht: die Diskussion und das, wenn schon nicht Sprengen, aber doch Erweitern der eigenen Filterblase.
    Ich teile Deine Begeisterung für Kultur und Deine Begeisterung für deren Vermittlung und bin, genau wie Du, der Ansicht, dass wir nur mit Hilfe digitaler Kommunikationsmethoden die Kultur aus ihrem Elfenbeinturm und ihrer – für manche Menschen – angstmachenden Nische herausholen können. Nur wenn Kultur sichtbar ist (und zwar auf möglichst vielen Ebenen), kann sie ihr Ziel erreichen: bilden!
    Blogparaden sind insbesondere für Blogger aus ganz anderen Bereichen (wie Du ja auch schon sagtest) niedrigschwellige Einstiegshilfen sich mit Kulturthemen zu beschäftigen und sie tragen diese dann weiter, so mulitpliziert bzw. potenziert sich die Wirkung und genau die ist wichtig. Wenn das dann auch noch auf die Museen und andere Kulturinstitutionen zurückwirkt und sie dadurch einen besseren Zugang zu den Menschen bekommen: um so besser!
    Mir sind aus Deinem Text vor allem zwei Dinge sehr wichtig:
    „Mein Kredo: Setzt die Brille der anderen – der nicht Kultur-Fachleute – auf.“ und die Blogparade als Ort und als Weg des Austauschs auch und vor allem unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu einem Kulturthema.
    Meiner Ansicht nach überwiegen die Vorteile (und das sind auch SEO-Vorteile, denn auch Kulturseiten können nicht ganz ohne SEO leben!) die möglichen Risiken, vor allem dann, wenn Blogparaden intensiv betreut und kommentiert werden.

    Liebe Grüße
    Anja

    • Tanja Praske

      Liebe Anja,

      auch dir ein dickes Merci für deinen Gedanken zum Thema – auch was Googles Zoo anbelangt.

      Ja, Blogparaden bieten einen ganz unterschiedlichen Einstieg zur Tür, die Hürden sind vielleicht niedriger. Auf jeden Fall ist es wichtig, überhaupt Anreize zu bieten, sich über Kulturthemen auch als Reise-, Kultur-, Eltern-, Tagebuch-, Hobby-, Kulturblogger Gedanken zu machen. Das bedeutet dann, das Museum muss sich ernsthaft nahberer geben und den unnötig überbordenen Respekt abbauen. Kein leichtes Unterfangen. Ich bin total glücklich darüber, dass das seit #KultBlick, über #SchlossGenuss, #DHMMeer bis hin zu #SalonEuropa geschehen ist.

      Ja, sicherlich haben mir dabei meine Erfahrungen mit dem Medium aus den vorherigen Jahren geholfen. Ich entdeckte über diese die Vielschichtigkeit der Blogosphäre und die Wichtigkeit, sich zu vernetzen und sich gegenseitig zu helfen. Das ist eine der Gründe, warum ich mich für den Bloggerclub e.V. engagiere. Eine konsequente Entscheidung, nachdem mich schon die Ironblogger München infiziert hatten, sich zwanglos auszutauschen, zu helfen und zwar aus ganz unterschiedlichen Sparten. Ich war und bin da eine der wenigen Kulturbloggerinnen. Genau das fixt mich aber auch an. Manches Mal öffneten sie mir die Augen für eine andere Perspektive als die, die ich aus meiner Filterblase her eingenommen hätte.

      Und irgendwie hängen doch die meisten Blogsparten mit Genuss zusammen. Nur ist dieser sehr vielseitig und oft verbindend.

      Klasse fand ich, als ich im Zuge meiner Recherche erneut auf die Diskursstränge von #BesucherMacht gestoßen bin – ein Museum hinterfragt sich öffentlich, sich und die „nette“ Kulturfilterblase. Wie aktuell und in manchem wiederum anders die Entwicklung ist, wenngleich Grundgedanken hier weiterzuknüpfen sind.

      Auf jeden Fall bereiten die Kultur- und Museumsblogparaden viel Arbeit, die von uns auch verantwortungsvoll und in vollem Bewusstsein getan wird. Daraus ergeben sich Chancen, die für mich überwiegen. Und ja, ein bisserl SEO tut der Kultur tatsächlich gut!

      Nochmals MERCI!

      Herzlich,
      Tanja

  9. Liebe Tanja,

    vielen Dank für diesen überwältigenden Einblick in deine Arbeit. Dieser Blogbeitrag sollte ein must read sein für alle, die dem Bloggen in der Kultur keine Chance geben!

    Meine Gedanken dazu:

    Bei einigen Blogparaden fällt es mir in der Tat schwer, mit dem Lesen am Ball zu bleiben. Hier wird der Erfolg einer Blogparade manchmal sogar zu einem Hindernis. Ich muss zu meiner Schande selbst eingestehen, dass ich bei Blogparaden, die täglich mehrere Beiträge hervorbringen und entsprechend häufig in den sozialen Netzwerken über meinen Bildschirm flimmern, irgendwann nur aus Gewohnheit auf „gefällt mir“ klicke. In der Realität picke ich mir dann einige wenige Beiträge heraus, deren Titel mich besonders ansprechen oder deren Autor Qualität verspricht. Manchmal habe ich das Gefühl, weniger wäre hier mehr, insbesondere wenn es Autoren gibt, die gleich mehrfach innerhalb weniger Tage Beiträge veröffentlichen. Eine Lösung habe ich aber auch nicht parat.

    Zu nofollow: Es ist richtig, diejenigen Beiträge auf nofollow zu stellen, die sich ganz offensichtlich ausschließlich aus SEO-Gründen beteiligen. Ich würde das aber nicht generell vornehmen. Die Beiträge bilden ja nun eine thematische Einheit. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Googles Algorithmus nicht in der Lage ist, seriöse Blogparaden als solche zu erkennen. Zudem: Gerade für kleine Blogs kann es sehr hilfreich sein, von einer themenverwandten großen Seite einen Link zu erhalten. Und wir wissen alle, wie schwer es ist, mit einem jungen Kulturblog Leser zu generieren. Ich würde mich selbst belügen, wenn ich nicht zumindest gelegentlich den SEO-Aspekt bei der Teilnahme an einer Blogparade auch im Hinterkopf gehabt hätte. Gib den kleinen Blogs auch weiterhin die Chance zu wachsen!

    Viele Grüße

    Damian

    • Tanja Praske

      Lieber Damian,

      vielen herzlichen Dank für deine Gedanken!

      Ja, ich kann dir nachvollziehen, dass bei Blogparaden, die mehrere Tage am Tag generieren, der Überblick verloren geht, vor allem neben dem alltäglichen Wahnsinn, den jeder von uns zu stemmen hat. Als Organisatorin dieser Paraden sehe ich die Microkosmen, die kleinen Netzwerke innerhalb solcher Aktionen – dieses gegenseitige Anstecken, zum Thema zu schreiben. Manche Beiträge werden auch gut gegenseitig kommentiert. Hier steckt oft ein treues Netzwerk und manchmal wird da jemand hineingezogen.

      Für mich ist spannend, welche Gedanken dabei zustande kommen und wenn diese dann in die Vermittlungsarbeit vor Ort in irgendeiner Art und Weise einfließen, dann ist das perfekt. Der Idealfall, der tatsächlich noch seltener geschieht. Was hier dann wichtig ist für die Organisatoren ist der Beziehungsaufbau.

      Über #SchlossGenuss lernte ich Made-in-Minga kennen, ein spannendes Blog und siehe da, hier in München situiert. Also schreibe ich sie für den BloggerWalk #BarockerLuxus an, da ich glaubte, das Thema passt zu ihrem Blog. Und ja, es war klasse mit ihr. Nicht nur schrieb sie einen schönen Beitrag, sondern sie trug zudem zu einer wunderbaren Atmosphäre beim BloggerWalk bei und sie vernetzte sich mit den anderen Bloggern. Denn das Treffen war tatsächlich kein Klassentreffen, sondern einige Blogger kannten sich noch nicht. Hier trugen wir zur Vernetzung bei. Das Bayerische Nationalmuseum verlor bei ihr darüber hinaus das verstaubte Image – was eines unserer Hauptziele war. Der Kontakt kam also nur über eine Blogparade zustande! Manchmal brennt diese viel später noch nach, bei mir sowieso, da ich alle Teilnehmer im Hinterkopf behalte und wenn jemand etwas sucht, weiß ich manchmal zu vermitteln.

      Ja, ein massive Blogparade kann hinderlich sein, aber auch nicht – janusgesichtig eben. Denn die massive Verbreitung des Hashtags, auf die man aus Versehen irgendwann dann doch stößt, kann weitere Diskurse auslösen, die oft auch zu fabelhaften Beiträgen führen.

      Die Nachlesen von Blogparaden sind in meinen Augen absolut wichtig. Für diese lese ich alles erneut und plötzlich ergeben sich neue Einsichten, die in dem Moment der Entstehung gar nicht auffielen. Deshalb werden die Fazits von Blogparaden, die ich betreue sehr ausführlich. Sie werden kontextualisiert und manches Mal dauert es auch, bevor sie kommen, weil sie einfach durchdacht sein wollen und trotzdem gibt es ja noch den Arbeitsalltag.

      Die Fazits werden meiner Erfahrung nach, aber nicht so genutzt von den Teilnehmern, wie es spannend wäre, nämlich doch noch einmal bei dem ein oder anderen Beitrag reinspickern, eventuell kommentieren und vor allem teilen. Dadurch würde die Sichtbarkeit wieder steigen und zwar die für alle Seiten.

      Nofollow bei Blogparaden grundsätzlich einzusetzen, fällt mir auch schwer, da ja Kompensation erfolgen soll. Wobei die natürlich da ist, wenn das Museum kommentiert und ins Social Web hineinteilt. Zwei SEO-Experten sehen technisch bewertet darin verbotenen Linktausch und der Kommentar von John Mueller am 8.10. scheint das zu bestätigten. Ja, hier wünschte ich mir noch die Meinung weiterer SEO-Leute. Aber wissen die das wirklich alle so genau, was in dem Zoo Panda, Pinguin und Co bei Google tatsächlich los ist. Denn Google lässt sich nicht wirklich in die Karten ihrer Bewertungskriterien blicken.

      Bei deinem Hinweis auf kleine Kulturblogs stimme ich dir zu.

      Dein Kommentar regt mich zum weiteren Nachdenken an und ich bin gespannt, wie sich der Diskurs hier entwickelt, denn tatsächlich ist das auch eines meiner Hauptanliegen, die Diskussionen wieder ins Blog aus den Socialen Medien zurückzuholen, denn hier bleiben sie nachhaltig erhalten.

      Also, merci dir!

      Herzlich,
      Tanja

      • Anja Kircher-Kannemann

        Liebe Tanja, lieber Damian,

        ich verstehe die Bedenken bzgl. der Links, aber wenn man sich den Google-Webmaster Text durchliest, dann stellt man fest, dass Seiten mit redaktioneller Betreuung im Grunde nicht gemeint sind, sondern „Linkfarmen“ und ziemlich platte SEO-Methoden: https://support.google.com/webmasters/answer/66356?hl=de
        Ich wage mal die Aussage, dass Google das Internet und das Prinzip der Blogparaden lange genug kennt, um das eine vom anderen unterscheiden zu können.
        Ein Punkt, den Damian angesprochen hat, war mir auch aufgefallen: die Menge der Beiträge (vor allem von manchen Personen), die innerhalb weniger Tage eingingen. Das war in der Tat schwierig und erweckte auch bei mir ein wenig den Eindruck, dass hier auf Biegen und Brechen Links erzeugt werden sollen.
        Es ist eine schwierige Entscheidung und ich möchte sie ehrlich gesagt nicht treffen müssen. Auf der einen Seite sind da die vielen kleinen und größeren Blogs, die toll sind, spannend und so viel beitragen können und die (ganz klar) auch auf Links angewiesen sind und zum anderen sind da diejenigen, die eine solche Blogparade offenbar auch ausnutzen, was schade ist und vor allem am Ende den falschen schadet.
        Ich hoffe einfach auf eine gute Diskussion hier und an anderer Stelle, um eine Lösung zu finden, die allen hilft. Falls das überhaupt geht.

        Liebe Grüße
        Anja

        • Tanja Praske

          Liebe Anja, lieber Damian,

          hach, endlich entfaltet sich wieder eine Blogdiskussion, das freut mich sehr!

          Nun, wenn ein Autor/in mehrfach schreibt und sich mit dem Thema auseinandersetzt finde ich das prima. Gibt ganz tolle darunter. Wir haben uns immer die Inhalte angeschaut und die waren bei manchen mehrfach Beteiligungen hochwertig, auch wenn nicht immer der direkte Bezug da war, trotzdem schienen die Beiträge durch unsere Einladung und der Diskussion auf Twitter motiviert worden zu sein und dann passt es. Das erlebte ich auch bei anderen Blogparaden, dass nur ein Satz am Ende dazu kam und eine Zuordnung so stattfand. Das übergeordnete Thema passte.

          Hier gibt es kein schwarz-weiß, das entnehme ich auch so euren Kommentaren hier.

          Ja, Anja, mit Google bin ich dir zugeneigt, wenngleich SEO-Menschen hier sagten, alles auf nofollow zu setzen. Der Kommentar von Mueller bezieht sich explizit auf „quality links“. Aber klar, müsste google das Phänomen Blogparade kennen, die auch keine Linkpartys sind.

          Diesen Punkt überlege ich mir noch, auch wenn ich unter Punkt 9 da kategorischer war. Das ist das Gute am Austausch hier.

          Herzlich,
          Tanja