14 Gründe, warum Museen kein Social Media brauchen

Die 14 Gründe, warum Museen kein Social Media brauchen, sind Euch doch alle bekannt, oder? Seit 2011 bin ich im Digitalen unterwegs, diverse Tagungen und Barcamps liegen hinter mir und immer wieder kommt Social Media „babylonisch“ daher. Es gibt auch Lichtblicke, das zeigte die Konferenz „Museum von Babel„. Darüber werde ich noch separat schreiben. Gleichzeitig setzte sie die Teufelchen in Gang, die mir schon seit Längerem im Ohr liegen. Genau diese posaunen jetzt heraus, was alles gegen den Einsatz von Social Media im Museum, in der Kultur spricht. Aber Vorsicht, bloß nicht ernst nehmen oder die Aussagen gar verkehren, Sarkasmus darf mal sein!

Trefflicher Ort für die #MuseumBabel-Tagung, Senckenberg Museum, Frankfurt.

Trefflicher Ort für die #MuseumBabel-Tagung, Senckenberg Museum, Frankfurt.

Museen und Kultur brauchen kein Social Media, weil

1. die Aura des Originals bewahrt werden soll

Am Ende wollen die Menschen nur im Netz sein, erfahren das Objekt darüber und brauchen es nicht mehr. Also, bieten wir erst gar keinen anderen, uns fremden Zugang an.

2. das Museum sonst die Deutungshoheit verliert

Im Netz wird sicherlich nicht über das Museum gesprochen, warum sollten die Menschen das tun, schließlich ist das Museum dort auch nicht unterwegs. Na sowas.

3. der Kontrollverlust nicht gewünscht ist, da das Museum für gelebte Verantwortung steht

Die Menschen werden sich wohl kaum erdreisten, eigene Anschauungen, gar Meinungen zu haben. Schließlich will das Museum wichtiges und nicht banales Wissen vermitteln. Es geht um Hochkultur – ist doch klar, oder?

4. früher alles besser war

Und weil das so ist, bleiben wir gleich mal beim Alten. Da kann gar nichts schief gehen.

5. die Leute im Netz, wie bei Twitter „sozial verarmt“ sind

Wer im Netz unterwegs ist, kann ja gar nicht sozial sein, denn sozial ist nur, wenn man sich real, analog, en face austauscht. Was kümmern uns da die hundert Kontakte, die der Einzelne im Netz, auf Facebook, Twitter und Co hat. Die reden ja nicht miteinander bzw. geben nur Banales von sich.

6. Museen den vernetzten Museumsbesucher brauchen

Denn nur der vernetzte Museumsbesucher kann für uns über das Weitererzählen und -empfehlen neue Besucher gewinnen – das funktioniert sicherlich nur analog so.

7. Museen in die Beziehungsarbeit investieren, um externe Sprecher zu gewinnen

Denn damit gewinnt das Museum auch neue Besucher. Ach ja, wie schön.

8. Museen natürlich MIT den Besuchern reden

Personale Vermittlung ist das, was beim Besucher ankommt. Das ergaben die diversen Besucherbefragungen.

9. Museen sich zurücklehnen können, denn die Besucher werden immer älter

Und die älteren Besucher informieren sich sowieso nur via Printmedien und Empfehlung über das Haus. Genau deshalb kommen sie ins Museum. Das ergaben Besucherumfragen. Nur die Jüngeren sind über das Web auf das Museum aufmerksam geworden. Den Museen stehen also auf langer Sicht goldene Zeiten bevor!

10. auf Facebook-Seiten von Museen so wenig diskutiert und gelesen wird

Da sind doch die Nutzer daran schuld. Wenn sie nicht verstehen, was das Museum ihnen sagen will. Wozu macht dann eine Social Media Strategie Sinn? Braucht man doch nicht, lohnt sich nicht, wie man sieht.

11. Museen die digitale Welt gar nicht brauchen

Wozu auch? Das Museum sammelt und bewahrt Wissen. Das verstehen doch alle und genau das muss genügen.

12. Museen vorsichtig vor einer Invasion der digital natives sein müssen

Denn die wollen am Ende noch WLAN vor Ort oder responsives Design der Website haben und erstürmen gar in Massen die Museen. Außerdem ist es doch nicht wichtig, dass sie Facebook und Co verwenden, sie sprechen da ja nicht miteinander, da sie nur Banales von sich geben.

13. Museen keine Apps brauchen

Denn nur 2-3% der Museumsbesucher nutzen Apps. Deshalb braucht man sie auch nicht. Überhaupt macht es keinen Sinn darüber nachzudenken, was der Museumsbesucher braucht bzw. über die Art und Weise, wie Inhalte so präsentiert werden, dass sie Lust auf mehr machen.

14. Museen keine personellen Ressourcen haben

Wie soll denn dieses Social Media gehandhabt werden, wenn es aufgrund der knappen Personaldecke schon jetzt überall hapert. Social Media Kanäle einzurichten kostet bekanntlich zwar nichts, aber irgendwer muss sich am Ende doch darum kümmern …

Ach, diese provokanten Teufelchen aber auch, was die nur alles wollen bzw. nicht wollen … tze tze tze. Das musste jetzt mal sein. Ich glaube, ich habe hier noch nie darüber geschrieben, was so absolut gar nicht geht, wurde mal Zeit, aber vergesst bitte nicht: *Augenzwinker*.

Jetzt seid ihr dran – nur los, feuert jetzt aus vollen Rohren, aber subito! Im nächsten Post schreibe ich dann über das, was geht, denn Lichtblicke und Anregungen gab es auf #MuseumBabel eine Menge und genau die gehören genährt!


Nachtrag

Wie überzeuge ich Museumsdirektoren? @MaxAndersonUSA klärt uns auf – herzlichen Dank, Stefanie Kinsky aka @ExposeBerlin, für diesen herrlichen Hinweis! (20.11.2014)

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Update – Social Media im Museum (3.12.15)

Ist jetzt ein Jahr nach der Konferenz in Frankfurt alles anders?

Nun, es gibt aktuell klare Worte dazu vom Generaldirekter der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Bernhard Maaz: „Museen verlieren digital den Anschluss“ (Mittelbayerische, 30.11.15) – danke @cogries für den Tipp.

Auf Facebook löste der Artikel eine Diskussion aus. Aufhänger war die Konferenz: „Digitalisierung. Kunst – Museen – Markt – Bleibt alles anders?“ (26.11.15, organisiert vom FAZ-Forum in Berlin).

Die Konferenz klang vielversprechend, seltsam mutete es an, dass sie nicht via Twitter und Hashtag im Netz begleitet wurde, ging ja nur um das Digitale. Ernüchternd ist dann die Besprechung von Stefanie Kinski: „Meine Meinung: FAZ-Konferenz verfehlt Digitalisierung“ (Expose Berlin, 28.11.15) – danke für den Tipp @_the_real_antje!

So, wie aktuell ist wohl mein Post?
Es gibt auch andere Beispiele, allen voran das im Maaz Artikel zitierte @staedelmuseum.

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