Ask A Curator – banalisiert digitale Kulturvermittlung Museen? | #AskACurator

Alljährlich findet im September der Ask A Curator auf Twitter statt. 2017 hatte es in sich – ein prima Medium, sich zu vernetzen, Kunst im Netz zu gucken als Bild oder Live-Video mit den Kuratoren, einem Battle zwischen zwei Londoner Museen zu folgen und vor allem engagierte Museumsmenschen, auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu erleben. Was fiel mir dieses Jahr auf? VIEL!!! Was glaubst du: Banalisiert die digitale Kulturvermittlung Museen?

Skeletiierter Wasserman aus dem Science Museum in London. Tweet zum Ask a curator #askacurator

Das Science Museum und das Natural History Museum lieferten sich einen heften Schlagabtausch zum Ask A Curator 2017. Dabei kam allerhand gruseliges heraus, wie dieser Wassermann.


Ich schreibe meine Gedanken und Beobachtungen flugs runter. Sicherlich lässt sich einiges analysieren, von links auf rechts, von oben nach unten krempeln. Darauf verzichte ich dieses Mal. Lest dazu einfach: „#askacurator: wie, was, warum … Museen antworten„. Hier bitte auch für Definition, Beschreibung etc. nachschauen. Auch bei Angelika von MusErMeku gibt es einiges zum Thema.

Für Museen bieten meine Ausführungen Impulse für 2018, für andere macht es vielleicht Lust, das nächste Mal dabei zu sein? Wer weiß. Der Ask A Curator verleitet mich dazu, auf die unsägliche Diskussion in oberflächlich recherchierten Feuilleton-Artikel einzugehen. Viel ist in der digitalen Kulturvermittlung möglich und einiges ist verbesserungswürdig. Das offenbarte der Ask A Curator. Zur Diskussion in „Pfui Teufel“ weiter unten mehr.

Mehr analog-digitale Verschränkung zum Ask A Curator

Das wäre wünschenswert. Ansätze dazu gab es in Deutschland, wenngleich das noch sehr ausbaufähig ist. Ich muss gestehen, dass ich nicht permanent auf Twitter reinswitchen konnte, da ich doch ein klein wenig arbeiten musste. Yep, ein Kritikpunkt am #AskACurator, die ungünstige Zeit fürs arbeitende Volk.

Live-Videos der Kuratoren faszinieren – das Getty Museum

Im Ausland sah es da schon ganz anders aus mit der Verschränkung von analog und digital. Hier beantworteten die Kuratoren Fragen auf Twitter live als Video auf Facebook oder Periscope und damit auf Twitter. Vor allem das Getty Museum war hier vorbildhaft.

Mehrere Kuratoren befanden sich im Echtbetrieb, also zu den Öffnungszeiten real im Museum vor dem Werk. Im Vorfeld kommunizierte das Museum auf Facebook und Co, welcher Kurator, wann zu welchen Werken Fragen beantwortet. Interessierte konnten schon vorher Fragen formulieren. Auf Twitter gestellte Fragen beantworteten die Kuratoren live. Zudem konnten Besucher vor Ort daran teilhaben – sehr begrüßenswert. Das Ganze geschah noch in einer super dynamischen, menschelnden und emotionalisierenden Art und Weise. Ich konnte mich nur schwer von den Live-Ausführungen trennen. Die Kuratoren – ihr Furor für ihre Themen – begeisterten einfach. Nebenbei mag ich die einfachen, aber nicht platten Ausführungen. Sie sind gut nachvollziehbar und lassen mich nicht minderwertig als Unwissende fühlen. Fachwörter sind auf ein Minimum begrenzt und erläutert, wenn verwendet. Weiterhin erfahre ich mir Unbekanntes in spannender Art und Weise.

Das Gettys benutzt seit geraumer Zeit die Facebook-Live-Videos als Medium der digitalen Kulturvermittlung, nun auch erstmals zum #askacurator. Die Videos sind nachhaltig, können mach dem Event noch geschaut und für Berichte genutzt werden. Blickst du auf die Zahlen, Interaktionsrate sowie Reichweite – dann wird dieses Format gerne vom digitalen Besucher angenommen.

Was macht ein gutes Live-Video aus?

  • Inhaltliches- und Regiekonzept
  • Storytelling mit Spannungsbogen
  • guter Ton
  • ruhige bzw. kaum verwackelte Bildführung: Nutzung eines Stativs
  • spannungsreicher Filmaufbau

Digitales – pfui Teufel – das gehört nicht ins Museum! Denkste!

Bevor jetzt wieder die Kritiker ihre Hände heben von wegen Banalisierung durchs Digitale, wie zuletzt geschehen in der Zeit in „Hauptsache, geliked„, bitte zunächst die Getty-Live-Videos anschauen, zuhören, erfassen und danach erst sich eine Meinung bilden. Alles andere ist unseriös und reine Stimmungsmache à la Clickbaits! Berechtigte Kritik geht so unter. Oder zur Abwechslung genauer recherchieren, was Museen im Digitalen überhaupt machen. Und ja, kommt runter vom traditionellen, elitären Bildungsbürgertumross.

Der Zeit-Artikel von Larissa Kikol befremdet. Das liegt nicht zuletzt an der ungenauen Recherche. Zudem wird der analoge, erklärende Umgang mit dem Smartphone einer Kulturinstitution begrüßt und unterschlagen oder nicht gewusst, dass parallel dazu von dem Haus auch Insta-Aktionen durchgeführt wurden. Das Digitale im Museum wird von ihr verteufelt, da über ihre Nutzung das Museum „seine eigenen Ideale“ verrate. So so … Ich mag mich nicht weiter mit ihren altbackenden Vorstellungen beschäftigen. Es fiele mir schwer, mich so zügeln, wie es @mikelbower in „Warum geifert ihr nur so, ihr Gazetten…“ tat. Er war als interessierter digital-kunstliebender Mensch bei einigen der im Feuilleton zerrissenen digitalen Formaten dabei. Ja, Michael, Hut ab dafür, dass du dich sprachlich im Zaum halten konntest.

Der Zeit-Artikel beschwor heftige Kritik auf Twitter. Mich informierte das Kölner Stadtmuseum via Tweet darüber und es schlug danach nur so mit Gegenargumenten und Fassenungslosigkeit ein:

@zeitonline_kul reagierte nicht darauf, sondern manifestierte die Meinung.

Reaktionen aus dem Netz kamen, nicht nur von mir:

Perfekte digitale Strategien von Museen?

Sind die deutschen Museen jetzt perfekt in ihrer digitalen Strategie. Nun, nicht unbedingt. Dazu müssten diese überhaupt erst vorhanden sein. Es wird im Social Web nicht selten ohne agiert. Und da kann schon einiges kritisch hinterfragt werden. Verbesserungsbedarf ist vorhanden. Die Situation fehlender digitaler Strategie in Bayern zeigt der Tweet von Christian Gries anlässlich von #edvtt17:

Twitter-Battle zweier Museen – klug, witzig und fesselnd

Kleine Schleife – unnötig oder nicht? Na, was meinste wohl? Blicke ich auf den #AskACurator zurück, dann wird einiges von dem hinfällig, was Feuilletons in letzter Zeit so schrieben. Also bitte, liebe Museumsentscheider, fühlt euch jetzt nicht von Feuilleton-Autoren gebauchpinselt, lehnt euch nicht entspannt zurück à la „Digitales brauchen wir nicht, sieht man doch, ist doch alles banal“, verfallt nicht den Positionen in „14 Gründe, warum Museen kein Social Media brauchen„! Das Internet ging nicht weg, wie damals vorausgesagt, trotzdem es noch immer als „Neuland“ bezeichnet wird. Nun. Einige agieren da anders, positiv. Trotzdem wären auch Rahmenbedingungen zu ändern, nachzulesen in: „The best is yet to come? – 3 Fragen an die Politik„.

Zurück zum Ask A Curator: Allein der amüsante Streit zwischen dem Science Museum und dem Natural History Museum war einfach nur große Show. Ich habe es erst in der Nachlese mitbekommen – so viel zur Nachhaltigkeit digitaler Formate. Das Battle, ausgelöst von einem Twitter-User, verselbstständigte sich. Locker, flockig, spaßig und dabei immer etwas von der eigenen Sammlung bzw. Einstellung verratend. Digitale Kulturvermittlung kann so schlau sein und tatsächlich bei Offenheit zu Experimenten, eine unvorhergesehene, ungeplante Dynamik erhalten. Die Museumsmenschen steigerten sich in ihren spaßigen Twist hinein und fesselten darüber die Twitter-User. Nachlesen kannst du das verbale und visuelle Duell in: „Auf Twitter haben sich gerade zwei Museen gebattelt – und es ist ziemlich ausgeartet„.

Verwandt und doch anders: der Schlagabtausch bei der Twitter-Theater Woche 2013

Vergleichbares zum Museums“zwist“ erlebte ich nur bei #TTW13. Das Residenztheater und die Bayerische Staatsoper lieferten sich einen gesalzenen Schlagabtausch, jedoch nicht von einem User ausgelöst. Wie #TTW13 mit der Flegelei auf der Bühne für mich war, beschrieb ich in: „Grenzerfahrung – Twitter-Theater-Woche: Stopp im Residenztheater #TTW13„. Leider sind die Vine-Videos der beiden verrückten Theatermenschen nicht mehr einsehbar. Diese waren höchst amüsant!

Meine Perspektive auf die Bühne von „Der Flegel“ im Marstallmuseum – klasse!

Es muss nicht immer alles so bierernst sein, im Gegenteil, ein lockerer Umgang, ein Augenzwinkern mit der eigenen Tätigkeit, vermag zu vereinnahmen, zu berühren, zu begeistern! Gut. Auf der Bühne mit den Statisten twitternd sitzend und von Schauspielern wegen des Smartphoneeinsatzes bedroht, war die intensivste, Adrenalin pushendste Erfahrung, die ich jemals erlebte.

Museum antworten auf meine Fragen

Es gibt noch so vieles mehr, was ich berichten könnte. Ich wollte nur flugs runterschreiben – et voilà, wieder kam mehr heraus. Ich stoppe mal und zwar mit einem kleinen Storify „Ask A Curator – was soll das Twitter-Format?“ meiner Aktivitäten und Dialoge, die ich zum Ask A Curator mit Museen führte. Danke, liebe Museen, für die Antworten auf meine Fragen!

Dokumentation und Nachlesen zum Ask A Curator

Eine ausführliche Dokumentation des Ask A Curators 2017 wird es bestimmt wieder bei @MarDixon geben. Eine Liste der teilnehmenden Museen zum #askacurator findest du bei ihr.

Weitere Meldungen:

Das schnell im Web gefunden. Mal schaun‘, ob es weitere Berichte geben wird!

Aktuelle digitale Museums-Aktion: Blogparade „Dein Kulturblick“ #KultBlick

Der Ask A Curator ist zwar vorbei, aber der digitale Austausch Museum – Besucher/Interessierte geht weiter. Das Archäologische Museum Hamburg ruft zur Blogparade #Kultblick auf. Bis zum 22. Oktober 2017 kannst du mitmachen. Was ist dein Kulturblick? Wie blickst du auf Kultur? Bewusst oder unbewusst? Was ist dir wichtig dabei? Das sind nur einige Fragen, die du beantworten kannst, mehr erfährst du in: „Verloren und wiedergefunden? Mein Kulturblick!|#KultBlick“ – mitmachen!*

Einiges wieder mal vermengt, oder? Pardon. Das ist Tanja. Was sagst du? Wie hast du den Ask a Curator erlebt? Was fiel dir auf? Oder wenn du noch nichts davon mitbekommen hast, reizt dich das globale Twitter-Event jetzt oder eher nicht?

 *An der Blogparade #KultBlick wirke ich mit, bin Kooperationspartner.
Freue mich sehr auf deine Gedanken dazu!

 
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10 Kommentare

  1. Pingback: Kultur-News KW 39-2017 | Kultur - Geschichte(n) - Digital

  2. Pingback: Die Zukunft von Museen, ein Shitstorm dank #AskACurator und schaurig-schöner Brustalismus - MusErMeKu

  3. Liebe Tanja, liebe Lesende,
    mir fällt bei der aktuellen Debatte auf, dass der Begriff „Digitale Vermittlung“ genannt wird, sich aber im Wesentlichen auf im weiteren Sinne Social Media Aktionen bezieht und nicht etwa auf, wie von dir schon lange verfolgt, Blogs, Webseiten, Spiele, Apps und andere digitale Angebote. Bei Social Media Aktionen vermischen sich oft unterschiedlich starke Aspekte von Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Vermittlung. Die Aktionen werden dabei von den verschiedenen Abteilungen gesteuert und haben dementsprechend auch eine unterschiedliche Ausrichtung und Tonalität. Wieso die Journalist*innen das so undifferenziert betrachten, alles Vermittlung nennen und nach vermeintlichen „Vermittlungskriterien“ (noch ein Diskussionsthema ;)) beurteilen, kann ich nur schwer nachvollziehen. Schade für all die tollen Social Media Aktionen und auch die anderen Projekte im digitalen Raum, die weniger Aufmerksamkeit erhalten. Beste Grüße an alle Mitstreiter*innen

    • Tanja Praske

      Liebe Friederike,

      oh ja, da sprichst du einen richtigen Punkt an!!!

      Digitale Kulturvermittlung ist vielschichtig, je nach Zielsetzung. Unsauber ist, damit die digitale Strategie gleichzusetzen, da es unterschiedliche Vermittlungsformate gibt, die sicherlich eingebunden gehören in eine digitale Strategie. Das Selfie auf dem Klo als Kritikpunkt rauszupicken wird den Bemühungen zahlreicher Museen nicht gerecht, da stimme ich dir zu!

      Auch die Unterscheidung aus welcher Abteilung welche Social-Media-Kampagne kommt, die bestimmte Ziele verfolgt, finde ich gut. Wenngleich mir hier der Community-Gedanke fehlt, der für mich Schlüsselpunkt für einen erfolgreichen Austausch im Netz besitzt, ob kurz oder ausführlich angelegt. Und ja, Social-Media-Aktivitäten gehören zurückgebunden an ein Herzstück – Website/Blog -, um schlüssig und authentisch zu sein.

      Für mich sind einzelne digitale Aktionen Maßnahmen ein Mosaiksteinchen innerhalb eines großen Bildes, das im Idealfall vom Museum und seinem Besucher, auch dem digitalen, zusammengesetzt wird.

      Mehr Differenzierung und vor allem saubere Recherche täte den Feuilletons gut. Gibt auch andere Journalisten. Meinungen zu haben, müssen akzeptiert werden, kann ich nur dann nicht, wenn die Meinung nicht auf ordentliche Recherche fusst. Täte sie das, ist mit Kritik umzugehen. Im Gegenteil, sie täte gut, das eigene Handeln nochmals zu hinterfragen.

      Herzlich,
      Tanja

    • Liebe Friederike,

      genau das. Es ist wichtig, jede Aktion als eine Aktion zu sehen, die mit Sorgfalt geplant werden muss. Vor allem auch hinsichtlich der Ziele, die man erreichen will.

      Ich denke, wenn man da auch mehr differenziert und das klar nach außen kommuniziert, was man plant, warum und für wen, dann wird die Presse das endlich auch einmal differenzierter sehen. Vieles, was geschrieben wird, rührt aber auch daher, dass man sich einfach schlichtweg nicht auskennt und dann kam auch noch miese Recherche hinzu.

      Dass auch die Vermittlung immer wieder für Bereiche herhalten muss, wo es eigentlich um anderes geht, liegt vielleicht daran, dass der Begriff nicht festgeschrieben ist. Vermittlung ist irgendwie alles. Das stört mich schon lange. Aber bei allem angestrengten Nachdenken – ein besserer will mir einfach nicht einfallen.

      Viele Grüße
      Anke

  4. Liebe Tanja,

    gut, dass du hier nochmal viele Aspekte festgehalten hast. Ich muss gestehen, dass ich nicht unbedingt so genau hingeschaut habe, weil mir doch vergleichsweise viele englische Tweets durchhuschten. Ich hätte gerne mehr Bewegung bei den Museen hier gesehen. Aber da zeigt sich wahrscheinlich, dass auf Twitter eher die Kolleginnen und Kollegen unterwegs sind. Das Nutzerverhalten ist doch anders in GB oder USA. Auch wenn ich die massenhaften Reaktionen auf die Livestreams sehe – das haben wir hier nicht. Die Frage, die mich umtreibt: ist es einfach so, dass das digitale Publikum hier so etwas nicht goutiert? Oder müsste man sich inhaltlich noch mehr reinhängen, damit das auch mehr Publikum zieht?

    So etwas wie der Twitter-Battle ist natürlich grandios. Welche Komponenten da eine Rolle spielen, hast du ja schon aufgezeigt. Das ist etwas, was du auch nur in Teilen planen kannst. Dieser spielerische Umgang ist einfach auch eine Haltungsfrage. Gut ist es, dass die Ressourcen vorhanden waren – auch digitalisierte Bilder, mit denen man den Battle dann unheimlich gut befeuert hat. Das ist ja die hohe Kunst, den Kontext ein bisschen auf die digitalen Gespräche anzupassen – was überhaupt nicht zu bedeuten hat, dass man banalisiert.

    Dann schauen wir mal, wie sich alles weiterentwickelt. Meiner Meinung nach wäre es jetzt an der Zeit, sich intensiver mit inhaltlichen Konzepten und Strategien auseinanderzusetzen. Hier fehlt es noch an Varianten, Geschichten zu erzählen. An individuellen Zugängen, die auch die Besucherbedürfnisse in den Blick nehmen. Gestern beispielsweise las ich mehrfach: erst wählen gehen und dann ins Museum. Wenn das zum xten Mal durch die Timeline rauscht, dann entsteht ein Abnutzungseffekt.

    Aber ich höre schon auf, zu kritisieren. Ich möchte ja, dass weiter ausprobiert wird und dass man sich zeigt. Das ist allemal besser, als gar keine Stimme zu haben.

    In diesem Sinne. Herzliche Grüße
    Anke

    • Tanja Praske

      Liebe Anke,

      mir fielen nur außerdeutsche Beispiele auf. Hier gab es Konzepte, Ideen und Bewerbung des Events, die vorher kommuniziert wurden. Auf das Getty bin ich aber nicht via Tweets gestoßen, sondern über die Benachrichtigung in meiner FB-TL. Gerade das Getty hat es in meinen Augen schlau gemacht, das Twitter-Event auf FB zu übertragen bzw. Pingpong Twitter-FB zu spielen. Blogs wären ein anderes gutes Medium gewesen, das Event anzuheizen, Fragen vorher einzusammeln und am Tag direkt die Antworten zu verbloggen. Denn was hinter den Kulissen passiert, das interessiert die Menschen sehr. Das konnte ich immer bei den entsprechenden Blogposts des Residenzmuseums sehen. Gerade Restaurierungsergebnisse, locker und verständlich rübergebracht, zogen sehr.

      Ich war aber auch nicht permanent on. Klar, habe ich meine 7/9 Fragen in den Ring geworfen und freute mich sehr über die spannenden Antworten. Die Museumsfrau jubilierte. Da haben wir dann wieder die Filterblase. Fakt ist aber die fehlende Kommunikation deutscher Museen im Vorfeld zum #AskACurator. Erst einen Tag vorher nahm ich auf Twitter dazu etwas wahr. Das beschrieb ich in: https://www.tanjapraske.de/digitale-kommunikation/social-media/askacurator-wie-warum-museen-antworten/

      Wichtig wäre es mit Strategie, guter Planung und genügend „lustvollen“ Improvisationswillen den #AskACurator vorzubereiten. Auf Twitter wurde ich gefragt, ob der #AskACurator überhaupt ein Medium der digitalen Kulturvermittlung sei, da Twitter in D doch vorrangig ein B2B Medium sei. Nun. Grundsätzlich ist es ein Medium auch für digitale Kulturvermittlung #digkv. Wichtig dabei ist aber, die eigene Community zu aktivieren. Das kann aber auch gut, der Museumsbesucher vor Ort sein. Warum nicht flankierend zum #AskACurator im Museum spezielle Führungen anbieten, die keine Führungen sind, sondern eher Frage-Antwort-Spielereien oder aber gezielt die lokale digitale Community ins Museum locken und diese dann via Twitter ins Netz werfen?

      Der Hashtag bringt nun mal mit Wucht Museen ins Netz, folgt jemand ihm dann, so verliert er sich und trifft überwiegend auf anderssprachige Tweets. Folgt er dem? Wohl kaum. Wenn der #AskACurator vom Museum benutzt wird, so wäre hier eine größere Verschränkung von analog und digital angeraten oder die Mitnutzung anderer Kanäle, die der Nachhaltigkeit dienlich sind.

      Welches deutsche Museum hat denn im Vorfeld wie sein Zielpublikum aktiviert? Das ist die Frage. Einige Punkte, die ich im #AskACurator-Artikel von 2014 beschrieb, besitzen nach wie vor Gültigkeit. Museen sind an dem Tag ein Thema, warum nun diesen Umstand nicht strategisch nutzen, sich auf Experimente einlassen, etwas speziell dazu planen und Impulse für die Vermittlungsarbeit analog wie digital zu erhalten?

      Digitale Kulturvermittlung setzt sich aus mehreren Puzzleteilchen zusammen und wird im Ganzen gesehen wirkmächtig.

      Viel Denkstoff, gell? Danke dir für deinen Kommentar hier!

      Herzlich,
      Tanja

      • Luca Jacobs

        Liebe Tanja,

        danke für diesen sehr aufschlussreichen Blog-Beitrag. Ich habe ihn, wie all deine Beiträge, sehr gerne gelesen und mag an dieser Stelle noch auf einige Dinge eingehen, die Du und Anke schon beschrieben haben.
        Zum #askacurator aus Museumssicht: Wir vom KSM, ein mittelgroßes Museum, hatten bereits im letzten Jahr mitgemacht. Leider war die Resonanz damals erschreckend gering. Da diese Aktion aber von enormer Tragweite ist, entschieden wir uns auch 2017 teilzunehmen, jedoch unter etwas anderen Vorzeichen. Wir griffen dem „Ask“ vorweg, und improvisierten einfach ein Video von unserem Kurator indem er über Arbeitsschritte und Zeitplan für eine Ausstellung berichtet. Und die Resonanz hat uns dann sowohl bei Twitter als auch Instagram gefallen! Natürlich blieb so die Interaktion auf der Strecke, aber das Video schien für uns, einem mittelgroßen Museum, in dem Fall die beste Möglichkeit am #askacuratorday teilzunehmen.
        Wie war denn insgesamt die Resonanz bei größeren Museen in Deutschland? Wisst Ihr beide dazu etwas?

        Ich habe leider auch nur immer mal wieder rein gesehen und dabei dann natürlich bevorzugt Museen aus GB und USA Fragen beantworten sehen. Spannend keine Frage, aber in Deutschland ist das Verständnis von Twitter einfach anders und das ärgert mich besonders bei solch tollen Aktionen. Auch ist #askacurator noch etwas ’spezieller‘ und kürzer als eine komplette #museumsweek. Spätestens am 2. oder 3. Tag ist der Digitale in der Museumsweek auf den Zug aufgesprungen. Das ist eben beim Ask a Curator-Day doch etwas schwieriger, so zumindest bisher meine Erfahrung. Vielleicht wäre dafür eine Verlegung auf ein Wochenende wünschenswert um den User in entspannter Atmosphäre zu erreichen?
        Gleichzeitig stimme ich dir auch absolut zu, dass eine gezielte vorherige Kommunikation der Aktion notwendig ist, damit die 1-Tages Aktion viel effektiver greift. Und da kommt dann auch wieder der Blog ins Spiel!! :-)
        Da komme ich dann wieder zu den vorherigen Fragen zurück: Bereiten andere Museen diesen Tag größer vor? Wie waren die Erfolge? HM Frankfurt vielleicht? Wäre spannend dazu etwas zu hören.

        Der #museumswar war super und hat auch einige Nicht-Museums-Leute in meiner privaten TL erreicht. (Erfolg!) Der Unterhaltungsfaktor war hoch und gleichzeitig hatte man nie das Gefühl die Inhalte seien dadurch banalisiert worden.

        Beste Grüße
        Luca

        • Liebe Luca, liebe Tanja,
          wir haben auch gemischte Erfahrungen damit gemacht in den letzten Jahren – am besten klappt es , wenn wir proaktiv schon vorher tätig werden und uns am Tag selbst aktiv in die Diskussionen einschalten. Die letzten Male fiel uns auf, dass das Format im englischsprachigen Raum gut zu funktionieren scheint, während bei uns eigentlich nur diejenigen aktiv sind, die ich jetzt grob der Museumsszene zuordnen würde.
          Dieses Jahr war alles anders: da wir alle heftig für die Eröffnung des Ausstellungshauses arbeiten, hatten wir dafür einfach keine Kapazitäten dafür. Das heißt: wir hatten nur auf Insta und Twitter unsere Bereitschaft gepostet, und ich glaube, es kam eine Frage zurück. Mal sehen, wie wir uns nächstes Jahr positionieren!
          Mittlerweile finde ich so wöchentliche Reihen wie #MuseumMonday oder #Depotdienstag viel charmanter, weil daraus spontan Dialoge entstehen…
          schöne Grüße aus Frankfurt
          Nina

        • Liebe Tanja,

          vielen Dank für Deine Eindrücke zum #AskACurator Day 2017!

          Lieber Luca,

          als @SPSGmuseum nahmen wir in diesem Jahr mit drei KuratorInnen erstmals am #AskACurator Day auf Twitter teil. Trotz einer Bewerbung im Vorfeld (in unseren Social-Media-Kanälen, der Startseite unserer Website und einer Presseinformation an einen sehr großen Verteiler) war auch bei uns die Resonanz nicht so gut wie erhofft.

          Trotzdem möchten wir uns im nächsten Jahr wieder am Aktionstag beteiligen. Denn wir sind von dem Konzept des #AskACurator Day begeistert und halten den Dialog mit den Usern für sehr wichtig. Wie unsere Teilnahme im nächsten Jahr aussieht, ob wir z. B. auch Eure Variante ausprobieren und bereits im Vorfeld ein paar spannende Fragen & Antworten vorbereiten, den Zeitraum für unser Q&A nach hinten verschieben (dieses Mal standen unsere KuratorInnen von 13 bis 17 Uhr für Fragen zur Verfügung) – das sind nur einige von vielen Dingen, über die wir hier in unserem Social-Media-Team vor der nächsten Teilnahme unbedingt diskutieren müssen.

          Herzliche Grüße aus Potsdam!

          Anne