Stadtmuseum Stuttgart – locker, flockig, praktisch und visionär! (5)

Das Stadtmuseum Stuttgart: Gibt es gar nicht, gibt es nicht – wie bitte? Bin ich wieder einmal kryptisch? Recht so, will ja schließlich neugierig machen. Worauf? Auf das famose Blog des Stadtmuseums Stuttgart. Während es das Museum noch gar nicht gibt, gibt es das Blog. Es gewährt Einblicke hinter die Kulisse eines Hauses in der Planungs- und Umsetzungsphase. Ich sage dazu nur: locker, flockig, praktisch und visionär!

Witzig, klarer Duktus und einfach nur wunderbar: das Blog des Stadtmuseums Stuttgart - klare Leseempfehlung!

Witzig, klarer Duktus und einfach nur wunderbar: das Blog des Stadtmuseums Stuttgart – klarer Lesetipp!


Meine Museumsblog-Steckbriefreihe rief nach einer Fortsetzung, nachdem ich zuletzt über die vergangene Wurmisierung des Städelblogs berichtet habe. Was liegt da näher, als einen Museumsblog auszuwählen, das für digitale Formate grundsätzlich offen ist und bei einigen Aktionen von mir mitgemacht hat, wie bei #KulturEr (hier gleich mit dem zweiten Blog „Where are the horses“), BestBlog Award sowie #KultTipp. Hier nun mein kleines Dankeschön für den Mut pro Experiment: der Blog-Steckbrief des Stadtmuseums Stuttgart:

Seit wann und wie oft bloggt das Stadtmuseum Stuttgart?

Am 10. September 2013 trat das Museum massiv in die Blogosphäre ein. Warum massiv? Sie schalteten an dem Tag glatt sieben Posts frei – heftig fein! Etwas wovon jeder Blogging-Experte abrät – am Anfang viele Posts herauszuhauen und dann nur noch unregelmäßig, hin und wieder etwas zu veröffentlichen. Das mag Google nicht. Das Blog des Stadtmuseums verfuhr anders: Sie veröffentlichten kontinuierlich Blogposts danach, zwar nicht mehr mehrmals am Tag, dafür mehrmals im Monat (satte drei bis sieben Posts). Es offenbart sich darin kein Rhythmus. Sie schreiben dann, wenn sie Stoff haben. Das kann an aufeinanderfolgenden Tagen sein oder wöchentlich entzerrt – nach Gusto eben und dadurch authentisch. Sagenhafte 103 Artikel gibt es von ihnen bis dato – lebendig, am Zeitgeschehen und einfach nur unterhaltsame Lektüre!

Den „Blog-Einstiegstag“ fand ich prima, denn tatsächlich stellte jeder Beitrag die besondere Kategorie vor, was der Leser von ihr zukünftig erwarten darf mit Spielraum zur Veränderung. Die Kategorien sind: Allgemein, Achtung Baustelle, Am Schreibtisch, Dinge im Depot, Hingucker, Kalenderblatt, Meine Woche mit… – ansprechende Kategorien, oder? Supersympathisch fand ich den allersten Post, ein wackliges Youtube-Video mit Markus Speidel, der uns Dinge im Depot vorstellt, ihre bekannte oder unbekannte Geschichte. Ich liebe Einblicke ins Depotgeschehen.

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Worüber bloggt es?

Natürlich bloggt es über die Entstehung eines funkelnagelneuen Museums, wie eine Sammlung entsteht, was das Leitmotiv ist, wer für das Museum was macht, ihr Engagement im und für das Stadtgeschehen. Gerade der letzte Punkt ist essentiell für ein Stadtmuseum: Verankerung in Geschichte, Gesellschaft und Themen der Stadt. Zugleich rufen sie immer wieder zur Teilhabe der Stuttgarter in ihren Projekten auf – so ganz aktuell zur Langen Nacht der Museen am 14.3.15 im Artikel „auf die smartphones fertig los„. 2017 soll das Museum im Wilhelmspalast eröffnet werden. Bis dahin bauen sie nicht nur ein neues Museum auf, sondern auch eine eingeschworene Fangemeinde. Spannend wird es sein, zu verfolgen, wie die Stuttgarter „ihr“ Museum annehmen, denn tatsächlich gestalten sie es mit.

Darüber hinaus berichtet das Blog über die zugehörige Museumsfamilie und Einrichtung, wie das Stadtlabor: Junge Ideen für Stuttgart, das Museum Hegel-Haus, das städtische Lapidarium, das Stadtmuseum Bad Cannstatt, Heimatmuseum Möhringen, Heimatmuseum Plieningen. Dr. Markus Speidel ist für das Blog zuständig, lässt aber auch sein Team schreiben – sehr herzerfrischend.

Was gefällt mir?

Die Experimentierfreude und Bereitschaft sich auf alle Schandtaten einzulassen, gefallen mir außerordentlich gut. Den Best Blog Award, ein Blogstöckchen, das ich ihnen zuwarf, begriffen sie als das, was es ist – nämlich ein Medium der Vernetzung. Wir erfahren Spannendes über das Museum, die Sammlung und die Einstellung des Museumsmachers, zugleich nutzte Markus es, um Stuttgarter Bloggern eine Beule zu verpassen und sie gedanklich über ihre Stadt und ihr Museum herauszufordern.

Überhaupt versteht sich das Blog hervorragend in der viel geforderten Blogger Relations: Es ist authentisch und tatsächlich an den Dialog interessiert. Dazu gehört schon mal im Blog auf den Blogposts eines Bloggers über dessen Museumsbesuch mit Markus hinzuweisen – prima! Mich würde schon sehr interessieren, was aus dem anvisierten Blogger-Stammtisch in Stuttgart geworden ist, das infolge des Beitrags „Für mehr Ewigkeit“ zur Blogparade #KultTipp in der Diskussion aufkam – Markus, gibt es diesen jetzt?

Begeistert bin ich über die humorvollen Titel der Beiträge, die Lust aufs Lesen machen. Zurecht – der locker, flockige Schreibstil sorgt für kurzweilige und amüsante Unterhaltung über ein doch nicht so „trockenes“ Thema wie die museologische Arbeit – herrlich! Oder was sagst du zu: „ente sucht küken„, „autorennen mit Baustrahler„, „wir sind cabrio“ …?

Mein Favorit

Gibt es den Favoriten für mich bei dieser Vielzahl an facettenreichen Beiträgen? Nicht wirklich. „Heilige machen kein Selfie“ finde ich super – warum? Ich mag diese Geschichten jenseits des wissenschaftlichen Kontextes. Was ist rein praktisch zu tun, um eine Großskulptur für eine Publikation fotogen abzulichten? Nebenher wird mit einem trendigen Thema gespielt: #Selfie – sehr fein!

Wunderbar ist das Video zu „Sammlungsaufrauf zur CSD-& LSBTTIQ- Geschichte – Wir suchen Objekte und Geschichten!“ oder kurz: „Wir machen Aufruhr„, das im Rahmen des Christopher Street Day-Festivals 2014 entstand. Wofür steht das zukünftige Museum? Hat es eine Vision? Darauf geht Markus Speidel ein, denn er will „Menschen zu Wort“ kommen lassen und nicht „über sie“ erzählen – sehr sympathisch, einfach reinhören!

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O-Ton des Stadtmuseums Stuttgart im Blog

… jetzt treten wir mit unserem Blog an das Licht der Öffentlichkeit. Das Stadtmuseum Stuttgart bloggt. Die Kritiker mögen sagen: ein Stadtmuseum kann gar nicht bloggen! Und damit haben sie recht. Bloggen werden die Mitarbeiter des Teams, die das Stadtmuseum planen. Jeder hat hier was zu sagen und jeder darf hier etwas sagen.

HINWEIS: Der Blog-Steckbrief geht montags online.

Was ist dein Artikel-Favorit? Was spricht dich im Blog des Stadtmuseums Stuttgart an? Was wünscht du dir? Einfach her mit deiner Rückmeldung!


Aktualisierung (Stand: 11.3.15)

Nicht nur dass Markus hier kommentiert hat und uns wichtige Einblicke gewährte, nein, noch am selben Tag meines Blogsteckbriefs schrieb er eine Antwort im Blog, jetzt bin ich puterrot – merci, Markus!

Hört euch vor allem das Interview mit Markus im Podcast ab Minute 59,24 an: „Das Museum im 21. Jahrhundert muss aus seinen Wänden heraus“ … sehr fein!

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