Wie der Kölner Dom unseren #depotdienstag inspirierte! | @Koeln_Museum

Der #depotdienstag ist eine wunderbare Erfindung des Kölnischen Stadtmuseums. Auslöser war das Modell des Kölner Doms von Hans Boffin, das den Zustand vor 1780 zeigt. Im Depot befinden sich weitere Stadtmodelle. Wie können diese „sichtbar“ gemacht werden? Das Social-Media-Team um Luca Sebastian Jacobs herum machte aus der Not eine Tugend: Sie erfanden kurzerhand den #depotdienstag fürs Social Web. Dieser hat sich mittlerweile unter den Museen etabliert. Auf Twitter, Facebook & Instagram entdeckst du dienstags Verstecktes, Spannendes. Luca verrät dir die Hintergründe zum #depotdienstag und zum Modell des Kölner Doms.

Modell im Kölnischen Stadtmuseum: Der Kölner Dom mit Umgebung vor 1780, Modell: Hans Boffin, nach Plänen von Ludwig Arntz. #depotdienstag

Der Kölner Dom mit Umgebung vor 1780, Modell: Hans Boffin, nach Plänen von Ludwig Arntz. #depotdienstag im Kölnischen Museum. Foto: Rheinisches Bildarchiv/Sabrina Walz.

Kölner Dom und #depotdienstag – Wie kam es dazu?

Das Kölnische Stadtmuseum zeigt ihn in groß und klein. Einmal hängt er in Öl gemalt an der Wand, dann steht er als unübersehbares Modell in der Ausstellung. Auch als kuscheliges Souvenir für das heimische Sofa verkaufen wir ihn.

Den meisten wird an dieser Stelle bereits klar sein, dass die Rede vom Kölner Dom ist. Es sollte wenig überraschen, dass wir den Kölner Dom im Museum zeigen, als Souvenir verkaufen – und ihm nun diesen Beitrag widmen, in dem wir euch das Dom-Modell (1950) des Kölner Architekturmodellbauers Hans Boffin vorstellen. Er war einer der bekanntesten Modellgestalter der damaligen Bundesrepublik.



Arbeit am Dom-Modell, Hans Boffin 1 v.r.; Foto: Dagmar Boffin-Schaefer.

Begeistert von seiner Arbeit zum Kölner Dom, freuten wir uns, von seiner Tochter Dagmar Boffin-Schaefer zu erfahren, dass Boffin weitere Modelle bekannter Kölner Bauten angefertigt hatte. Dass sich wenige Exemplare davon in unserem Depot befinden, freute besonders unser Social-Media-Team. Dieses besteht hauptsächlich aus Studenten der Geschichtswissenschaft. Wir sind beständig auf der Suche nach neuem spannenden Content für Facebook, Instagram und Twitter. Wie aber sollten wir den Besucherinnen und Besuchern diese Modelle zeigen? Sie befinden sich doch aktuell nicht in der Ausstellung sondern in dem für die Öffentlichkeit nicht zugängigen Depot.
Was tun?

Ein Besuch in genanntem Depot und unzähligen Bildern später entstand die Idee zum #depotdienstag. Unter diesem Hashtag wollten wir, das Social-Media-Team, unseren Followern auf Facebook, Instagram und Twitter zukünftig zeigen, was bislang verborgen war.


Verborgene Schätze entdecken: Digital durchs Depot am Dienstag! Foto: KSM/ Yvonne Katzy.

Die Domumgebung im Wandel der Zeit

Bei dem Modell handelt es sich um eine Nachbildung der Domumgebung – ausgehend vom Mittelalter umfasst sie im Wesentlichen die Gegend wie sie bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestand. Boffin setzte bei der Modellgestaltung auf eine Mischung aus Holz, Papier, Pappe und Metall. Pfarrkirchen wie St. Lupus oder St. Maria im Pesch gruppierten sich um den Dom. Dazu kam die Aula theologica der alten Universität in der erzkatholische Theologie gelehrt wurde. Sie stand zwischen Dom und dem heutigen Roncalliplatz. Das erzbischöftliche Hochgericht hatte seinen Sitz ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft.

Kölner Dom mit umbauter Umgebung; Im Hintergrund: Der Domhof (heutiger Roncalliplatz). Kölnisches Stadtmuseum, #depotdienstag.

Kölner Dom mit umbauter Umgebung; Im Hintergrund: Der Domhof (heutiger Roncalliplatz). Foto: Rheinisches Bildarchiv/Sabrina Walz.

Ein kurzes Zwischenfazit:

Der unfertige Dom war früher viel umbauter und nicht das frei stehende Denkmal, wie wir es heute kennen. Erst mit Beginn der Franzosenzeit folgten weitreichende städtebauliche Veränderungen. Auf diese Weise knüpft das Modell an die immer wieder aufkommenden Diskussionen über Zustand und Zukunft der Domumgebung an. Das interessiert momentan viele Besucher des Kölnischen Stadtmuseums, da unter anderem unser Haus einen Platz in der „Historischen Mitte“ am Roncalliplatz erhalten soll.

Der Domkran – Markenzeichen des Stadtpanoramas

Um 1530 – nach rund 280 Jahren Bauzeit – war auf der Dombaustelle Schluss! Die Reformation, fehlende Einnahmen aus dem Ablasshandel und ein generelles Desinteresse an gotischen Bauten hatten für einen Baustopp gesorgt, der über 300 Jahre andauern sollte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Bauarbeiten am Südturm des Doms schon recht weit fortgeschritten. Auf Höhe des dritten Geschosses hatten Bauarbeiter Mitte des 15. Jahrhunderts in 59 Metern Höhe einen Kran errichtet. Er blieb bis ins 19. Jahrhundert eines der Markenzeichen des Kölner Stadtpanoramas.

Der Domkran – Markenzeichen des Stadtpanoramas und beliebt bei den Kölner Bürgern, Modell: Hans Boffin. Koelnisches Stadtmuseum, #depotdienstag.

Der Domkran – Markenzeichen des Stadtpanoramas und beliebt bei den Kölner Bürgern, Modell: Hans Boffin. Kölnisches Stadtmuseum, #depotdienstag. Foto: Rheinisches Bildarchiv/Sabrina Walz.

Bis heute fasziniert der Dom unsere Besucherinnen und Besucher. Von allen Seiten können sie das Modell im Obergeschoss der Ständigen Ausstellung betrachten. Es erleichtert ihnen die räumliche Wahrnehmung der mittelalterlichen Stadt. Zudem verdeutlicht es, warum der Domkran zum Symbol des Kölner Stadtpanoramas wurde. Schließlich sind unsere Gäste auch immer wieder erstaunt darüber, wie lange der Kran auf dem Südturm stand. Denn erst mit dem Weiterbau 1842 riss man ihn ab. Das sorgte bei den Bewohnern des mittelalterlichen Kölns für Trübsal. Sie hatten ihren Kran ins Herz geschlossen.

#funfact zum Schluss:

Die Hausnummer 4, die der Dom bis heute trägt, gehörte ursprünglich zum Küsterhäuschen im Fundament des Nordturmes. Erst im Zuge der Vollendung der Kathedrale (1842-1880) ging die Hausnummer auf das Gotteshaus über.

Wenn ein Objekt zum anderen spricht

Im Kölnischen Stadtmuseum tritt dieses Dom-Modell in Dialog zu anderen Objekten der Ausstellung. In unmittelbarer Nähe des Dom-Modells sehen die Gäste den Kölner „Dom in seiner antizipierten Vollendung“ (1834-36) vom Architekturmaler Carl Georg Hasenpflug in Öl auf Leinwand festgehalten. Hasenpflugs Werk formulierte den Wunsch nach Freilegung und Freiraum für das Gotteshaus. Er nahm damit eine Entwicklung vorweg, die nach 1842 Schritt für Schritt Realität werden sollte.

Ölgemälde von Georg Hasenpflug mit Kölner Dom. Kölnisches Stadtmuseum #depotdienstag.

Der Dom in antizipierter Vollendung 1834-36, Carl Georg Hasenpflug, Öl auf Leinwand. Foto: KSM/Luca Jacobs.

Digital durchs Depot am Dienstag

Neben dem Dom befinden sich weitere Modelle von Hans Boffin in unserem Depot: ein Modell der Rheinseilbahn und eines des Kölner Rathauses. Am 27. Januar dieses Jahres wäre Hans Boffin 100 Jahre alt geworden. Auf unseren Social-Media-Kanälen nutzten wir diesen Anlass um Boffin und seine großartigen Werke zu würdigen.
Das Modell des Rathauses ist in unserem Depot geradezu ein Neuling. Erst im vergangen Jahr haben wir es erhalten und präsentieren es nun hier im Rahmen unseres #depotdienstag.

Kölner Rathaus, Modell: Hans Boffin. Kölnisches Stadtmuseum #depotdienstag

Kölner Rathaus, Modell: Hans Boffin. Kölnisches Stadtmuseum, #depotdienstag. Foto: KSM/ Yvonne Katzy.

Am wöchentlichen #depotdienstag gewähren wir auf digitalem Weg Einblicke und stellen historische Schätze mit ihren Geschichten dar. Bisher hat sich das Projekt toll etabliert und viele unserer deutschlandweiten Museumskollegen haben den #depotdienstag für sich entdeckt. Wir freuen uns euch also auch in Zukunft am #depotdienstag viele spannende Einblicke in unser Depot zu ermöglichen.
Und wollt ihr euch einmal selbst und ganz analog von der hervorragenden Arbeit des Modellbauers Hans Boffin überzeugen, so schaut doch mal am Dom-Modell im Obergeschoss vorbei.

Auf bald im Kölnischen Stadtmuseum! Wir freuen uns auf Euch!

Porträt junger Mann mit Cappi, Brille, weißes T-Shirt: Luca Sebastian Jacobs

Gastautor: Luca Sebastian Jacobs .

Autor: Luca Sebastian Jacobs
Ich mache meinen Master in Public History an der Universität zu Köln und koordiniere den Twitter-Account für das Kölnische Stadtmuseum. Als Teil des Studentischen Informationsteams führe ich Besucher durch die Ausstellung und betreue Veranstaltungen.

INFORMATIONEN ZUM KÖLNISCHEN STADTMUSEUM

KÖLNISCHES STADTMUSEUM

Zeughausstraße 1–3
50667 Köln
Kasse: 0221/221-22398
Fax: 0221/221-24154
E-Mail: ksm@museenkoeln.de

FACEBOOK | INSTAGRAM | TWITTER

ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag: 10–20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10–17 Uhr
An Feiertagen bis 17 Uhr
#KölnTag: 10–22 Uhr
Montag geschlossen

EINTRITTSPREISE

Ständige Sammlung
€ 5,00, ermäßigt € 3,00
Sonderausstellungen
€ 5,00, ermäßigt € 3,00
Kombikarte (Ständige Ausstellung und Sonderausstellung)
€ 7,50, ermäßigt € 5,00

Freier Eintritt für Kinder bis 6 Jahre und Kölner Kinder bis 18 Jahre.
Freier Eintritt für alle Geburtstagskinder mit Wohnsitz Köln am Tag ihres Geburtstages.
Freier Eintritt für alle Kölnerinnen und Kölner am #KölnTag (1. Donnerstag im Monat).

Lieber Luca,
merci beaucoup für diesen tollen Gastartikel, der sich aus unserem Twitter-Austausch ergeben hat. Ich liebe Museumsdepots, deshalb freut mich dein Blick ins Depot des Kölnischen Museums sehr. Während Dr. Harald Klinke im gestrigen Montagsinterview über die Digitale Kunstgeschichte in der Lehre schrieb, gehst du und das Social-Media-Team in Action: Lehre und Vermittlung passen wunderbar zusammen.

Was möchtest du von Luca erfahren? Ob es sein liebstes Objekt im Depot ist oder die Resonanz auf den #depotdienstag seitens der Netzleser – nur zu: Löchere ihn! Und ihr liebe Museen, die den #depotdienstag mitgestaltet – wie ist eure Erfahrung damit?


Update – Museen & der #depotdienstag

Ich war natürlich neugierig, was auf Twitter passiert am #depotdienstag und es lohnt sich wirklich, dort mal reinzuspickern. Auf Instagram und Facebook lohnt der Blick zum #depotdienstag ebenso – wie schön, aber schaue selbst nach! Folgende Museen habe ich bei der Dursicht des Hashtags auf Twitter entdeckt – auf das es mehr werden – die Serie startete am 31.1.17:

  1. @StadtmuseumBLN
  2. @varusKalkriese
  3. @alltag_museum
  4. @ElektromuseumEF
  5. @RegistrarTrek
  6. @hdg_museen
  7. @jmfrankfurt
  8. @histmus
  9. @technoseum
  10. @museumGT
  11. @museumTrier
  12. @mucstadtmuseum
  13. @histmuseenHH

 
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10 Kommentare

  1. Pingback: Köln oder Bremen – Hauptsache digitale Kultur | #KultBlick

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  3. Dr. iur. Helmut Heckelmann

    Hallo zusammen,

    durch googeln bin ich auf die Seite mit den Modellen von Hans Boffin zur gestoßen.

    Für einen rechtshistorischen Aufsatz, der sich u.a. mit der Domumgebung zwischen 1820-1844 beschäftigt, suche ich speziell nach einem Haus mit der Adresse Domhofgässchen Nr. 19, das an der Dom-Längsseite [Süden] angebaut war.

    Daher frage ich an, wer mich von Ihnen unter Zuhilfenahme der Modellfotos unter-stützen kann, das Gebäude zu orten.

    Auf Ihre Antwort warte ich gespannt.
    Helmut Heckelmann
    Tel.: 02203-1039431

    • Tanja Praske

      Lieber Herr Heckelmann,

      wunderbar! Google kann manches Mal als erste Anlaufstation hilfreich sein. Ich werde Ihre Anfrage an das Kölnische Stadtmuseum weiterleiten, vielleicht kommen Sie so zu einer baldigen Lösung!

      Ich wünsche Ihnen alles Gute!
      Beste Grüße
      Tanja Praske

  4. Dagmar Boffin-Schaefer

    Hallo Herr Beines,
    Hans Boffin, mein Vater, hat sich nach dem Krieg zuerst in den Trümmern der Kölner Messe sein Atelier und eine Wohnung eingerichtet. Danach baute er sich in Rodenkirchen, wo wir von 1950 bis 1960 wohnten, sein Wohnhaus und Atelier. 1960 zogen wir mit beidem um nach Hürth-Hermülheim, wo mein Vater 1997 auch starb.
    Übrigens baute er auch das große Innenstadtmodell mit der damals geplanten U-Bahn, das Mitte der 60er Jahre längere Zeit auf dem Neumarkt als Anschauungsmodell für die Bevölkerung stand.
    Liebe Grüße
    Dagmar Boffin-Schaefer

    • Beines, Joh, Ralf

      Liebe Frau Boffin- Schäfer,

      vielen Dank für die freundlichen Informationen. Ich werde nunmehr Ihren Vater in mein Kölner Bildhauerlexikon, dass jetzt in der Endphase de Genee angekommen ist, aufnehmen.

      Liebe Grüße,

      Joh. Ralf Beines

      • Beines, Joh, Ralf

        Liebe Frau Bonin- Schäfer,

        pardon, das vertippte Wort soll heißen: „Genese“

  5. Beines, Joh, Ralf

    Sehr informativer Artikel auch und gerade über Boffin. Er ist offenbar 1997 gestorben, aber wann und wo? Mich würde auch interessieren, wann und wo er seine Bildhauerausbildung erfuhr, bevor er 1934 das Atelier vom Vater übernahm.
    Liebe Grüße, J. R. Beines

    • Luca Sebastian Jacobs

      Lieber Joh Ralf Beines, danke für deine netten Worte.

      Richtig, Boffin verstarb am 28.01.1997 und damit einen Tag nach seinem 80. Geburtstag. Wo er verstarb, ist mir leider nicht bekannt.
      Aufgewachsen war er in Köln-Ehrenfeld. Er war Schüler von Professor Wallner an den Kölner Werkschulen und studierte hier Bildhauerei. Mit 17 Jahren übernahm er dann 1934 die technische
      Leitung des von seinem Vater 1907 gegründeten Ateliers für Architekturmodelle.
      LG Luca

      • Beines, Joh, Ralf

        Lieber Luca Sebastian Jacobs,

        danke für die netten Worte. Habe auch Frau Bonin- Schaefer geantwortet; leider mit einem blöden Tippfehler, den ich im Nachgang korrigiert habe.

        Viel Erfolg mit ihrer Aktion wünscht,

        Joh. R. Beines