Waffen auf der Cadolzburg: Aufstieg und Niedergang der Armbrust | #HohenzollernWalk

Natürlich gab es Waffen auf der Cadolzburg und das nicht zu knapp. Schließlich mussten die Hohenzollern ihre Herrschaft in Franken absichern. Das Bayerische Nationalmuseum zeigt von Juni 2017 an vier Hightech-Waffen aus dem Mittelalter in der Ausstellung „HerrschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg“. Dr. Raphael Beuing, im Münchner Museum für die Waffen zuständig, berichtet vom Aufstieg und Niedergang der Armbrust. Der Gastartikel erscheint anlässlich des #HohenzollernWalks auf der Cadolzburg am 1. Juli 2017.

Spätmittelalterliche Armbrust wird gehalten. Leihgabe des Bayerischen nationalmuseum an die Ausstellung "HerrschaftsZeiten!" in der Cadolzburg. Gastbeitrag anlässlich des #HohenzollernWalk

Der Restaurator hält die Armbrust. Sie ist eine der mittelalterlichen Hightech-Waffen, die das Bayerische Nationalmuseum der Cadolzburg als Leihgabe überließ. Foto: Bayerisches Nationalmuseum.


Die Armbrust – den Bogen überspannt?

Die Armbrust in der Cadolzburg war eine Hightech-Waffe des Mittelalters. Sie übertraf herkömmliche Waffen um ein Vielfaches. Sie ist eines von mehreren Kunstwerken, die das Bayerische Nationalmuseum in der Ausstellung „HerrschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg“ zeigt.

Aufbau einer Armbrust

Bevor die Armbrust aufkam, waren einfache Bögen als Fernwaffen verbreitet, um Pfeile abzuschießen. Bögen gab es seit der Steinzeit und bestanden aus biegsamen Holz. Anders diese Armbrust: Der Bogen besteht aus Horn und Tiersehnen, die in verschiedenen Schichten aufeinander geleimt werden. Den Bogen überzog außen Birkenrinde, damit keine Nässe in die Leimschichten eindringen kann. Wegen des mehrlagigen Aufbaus ist der Bogen sehr stabil. Dadurch läuft der Schütze kaum Gefahr, dass im wahrsten Sinne des Wortes der Bogen überspannt wird. Viel kräftiger als bei einem einfachen Holzbogen ist die Sehne. Sie sieht fast wie ein Seil aus. Hinzu kommt der Schaft, ähnlich wie bei einem Gewehr. Bei der Armbrust heißt er „Säule“. Auf der Säule ist ein kleiner drehbarer Zylinder eingelassen, die „Nuss“. Hier wird die Sehne nach dem Spannen eingehakt und der Bolzen vor dem Abschuss aufgelegt.

Armbrust. Detail mit der drehbaren Nuss zum Einlegen der Sehne. Leihgabe des Bayerischen Nationalmuseum an die Cadolzburg. #HohenzollernWalk

Armbrust. Detail mit der drehbaren Nuss zum Einlegen der Sehne. Foto: Raphael Beuing.

Wie funktionierte die Armbrust?

Will der Schütze schießen, betätigt er wie beim Gewehr einen Abzug. Dieser entriegelt die Nuss und lässt die gespannte Sehne nach vorne schnellen.

Durch den speziellen Aufbau in mehreren Lagen ist der Bogen der Armbrust so hart, dass er sich mit reiner Muskelkraft kaum spannen lässt. Dazu benötigt der Schütze ein zusätzliches Werkzeug, nämlich eine Art Flaschenzug oder eine Winde. Sie wird auf die Armbrust aufgesetzt. Übrigens werden mit einer solchen Armbrust keine dünnen Pfeile wie mit dem Bogen verschossen. Wegen der viel größeren Kräfte, die in dem gespannten Bogen schlummern, zerbräche ein einfacher Pfeil beim Abschuss in der Luft. Daher bedarf es für die Armbrust kräftigerer, kürzerer Bolzen. Sie haben zudem eine eiserne Spitze.

In diesem Video seht Ihr, wie mit einer Armbrust auf den Nachbau eines Schildes aus dem Bayerischen Nationalmuseum geschossen wird:

Der Vorteil der Hornbogen-Armbrust gegenüber dem Bogen ist also, dass sich damit Geschosse auf eine größere Distanz, mit einer größeren Geschwindigkeit und einer viel höheren Durchschlagskraft verschießen lassen.

Allerdings ist die Armbrust auch deutlich langsamer zu bedienen, da der Schütze vor jedem Schuss die eiserne Winde auf- und wieder absetzen muss. Daher ist die Armbrust weniger in der Schlacht auf offenem Feld geeignet als vielmehr bei Belagerungen.

Entwicklung der „Armbrüste“ oder „Armbruste“

Heute geht von unserer Hornbogen-Armbrust keine Gefahr mehr aus. Vermutlich weil es schöner aussieht, hat man über lange Zeit die Sehne auf dem Bogen gelassen, so dass dieser im Lauf der Jahrzehnte ebenso wie die Sehne seine Spannkraft verloren hat. Bei einer intakten Armbrust hingegen wäre der Bogen im entspannten Zustand gerade oder sogar nach vorne, in die entgegengesetzte Richtung gebogen.

Wie lautet eigentlich die Mehrzahl von Armbrust? Fachleuten nach heißt es nicht „Armbrüste“, sondern „Armbruste“!

Mit dem Hornbogen war noch längst nicht der Höhepunkt der Armbrust erreicht. Die technologischen Fortschritte in der Eisenverarbeitung im Mittelalter erlaubten es, nunmehr auch einen Armbrust-Bogen aus Stahl herzustellen. Vorteil dabei: Eine solche Armbrust war besser bei Regen einzusetzen, denn trotz des Schutzes durch Birkenrinde war der Hornbogen noch immer empfindlich gegen Nässe.

Feuerwaffen – „etwas auf der Pfanne haben“

Neben der Armbrust zeigt das Bayerische Nationalmuseum auf der Cadolzburg eine sogenannte Hakenbüchse. Sie verkörpert eine weitere Stufe in der Waffengeschichte, eine frühe Feuerwaffe und ein Vorläufer der späteren Gewehre. Wie die allermeisten Feuerwaffen bis ins 19. Jahrhundert handelt es sich um einen Vorderlader. Er wird von vorn, nämlich durch die Mündung mit Pulver und Munition geladen. Mit einem Gewicht von über 12 kg ist diese Waffe allerdings zu schwer, um sie wie ein Gewehr zu halten und mobil in der Schlacht zu führen. Vielmehr feuerte der Schütze die Hakenbüchse von den Mauern einer Burg oder einer Stadt ab. Um den gehörigen Rückstoß mit der Mauerkante aufzufangen, hat das Rohr auf der Unterseite den Haken. Er gibt der Waffe den Namen. An der Seite des Laufs befindet sich eine kleine Schale, die Zündpfanne. Sie nimmt das Zündpulver auf. Heute fehlen bei dieser Waffe der hölzerne Kolben und das Luntenschloss als Zündmechanismus, bei dem eine glimmende Lunte in die Pulverpfanne gedrückt wurde.

Hakenbüchse. Detail mit der Zündpfanne. Leihgabe Bayerisches Nationalmuseum an die Cadolzburg. #HohenzollernWalk

Hakenbüchse. Detail mit der Zündpfanne. Foto: Raphael Beuing.

Von solchen Waffen ist übrigens die Redewendung „auf der Pfanne haben“ abgeleitet. Wir bezeichnen damit jemanden als intelligent oder tatkräftig. Denn nur wenn der Schütze das notwendige Pulver auf der Pfanne hat, taugt auch die Waffe etwas.

Im Vergleich mit späteren Feuerwaffen war eine solche Hakenbüchse mühselig zu bedienen und zu manövrieren. Welche Vorteile hatte eine so schwerfällige Waffe gegenüber der Armbrust gehabt? Tatsächlich fällt der Vergleich zugunsten der Feuerwaffe aus. Denn um eine Hakenbüchse zu bedienen, war weniger Kraft notwendig als beim Spannen einer Armbrust. Ein geübter Schütze konnte solch eine Feuerwaffe schneller laden als eine Armbrust und war daher zügiger schussbereit. Zuletzt ist die Munition für eine Hakenbüchse weniger umfangreich als die Armbrust-Bolzen, die zudem aufwendiger herzustellen sind als Gewehrkugeln.

Die bessere Jagdwaffe – „Lunte riechen“

Die Armbrust blieb für längere Zeit noch eine beliebte Jagdwaffe. Die frühen Feuerwaffen mit Luntenschloss taugten nur bedingt für die Jagd, denn wenn der Wind den Geruch der glimmenden Lunte in Richtung des sensiblen Jagdwilds trieb, machte sich dieses sogleich davon. „Lunte riechen“ ist daher eine andere, noch heute gebräuchliche Redewendung. Sie ist von Feuerwaffen hergeleitet. Wir verwenden sie, wenn wir Verdacht schöpfen. Für die Jagd eignete sich also eine Armbrust besser, da der Jäger mit ihr leichter zielen und geruchsneutral einen präzisen Schuss abgeben konnte.

Die Saufeder für das Wildschwein

Unter den Kunstwerken des Bayerischen Nationalmuseums, die nun auf der Cadolzburg zu sehen sind, befindet sich noch eine richtige Jagdwaffe, nämlich eine Saufeder. Diese ist ein Spieß, mit dem ein Jäger Wildschweine erlegte. Um den Schaft besser greifen zu können, ist er mit Leder umwickelt. Unterhalb der Klinge gibt es eine querliegende Stange, ein sogenannter Knebel. Dieser verhindert, dass die Saufeder zu tief in das Wildschwein eindringt. Der Jäger kann die gefährlichen Hauer somit auf Distanz halten.

Saufeder. Knebel und Lederumwicklung als notwendige Details für die Jagd. Leihgabe Bayerisches Nationalmuseum München an die Cadolzburg. #HohenzollernWalk

Saufeder. Knebel und Lederumwicklung als notwendige Details für die Jagd. Foto: Raphael Beuing.

Solche Details schon bei einfachen Waffen erzählen davon, wie ausgefeilt solche Stücke in ihrer Zeit waren. Mehr zur Schönheit und Entwicklung der Waffen erfahrt Ihr bei einem Besuch des Bayerischen Nationalmuseums in München. Vorher könnt Ihr Euch über unsere Waffen und Rüstungen auf unserer Website schlau machen.

Autor: Dr. Raphael Beuing
Wissenschaftlicher Referent für Waffen, Uhren, wissenschaftliche Instrumente und unedle Metalle

Lieber Dr. Beuing,
ein ganz dickes Dankeschön für diesen wunderbaren Kunstblick. Mittlerweile ist es der 3. Beitrag aus dem Bayerischen Nationalmuseum bei mir im Blog und Ihr Museum hat noch so viel mehr zu erzählen! Ich bedanke mich sehr herzlich bei Ihnen und bei Frau Puhlmann für die Bereitschaft via Gastbeitrag am #HohenzollernWalk im Netz mitzuwirken – die Cadolzburg ist facettenreich und Sie haben sie über die Leihgaben mitgestaltet – merci!

Das Bayerische Nationalmuseum im Web

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  2. Nymphenburger Porzellan: ein Lustgarten en miniature | #Lustwandeln
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  5. Ritter, Helden und Raufbolde

#HohenzollernWalk auf der Cadolzburg im Web:

Datum: 1. Juli 2017, Start um 18:15
Hashtag: #HohenzollernWalk

Mitlesen:

Twitterwall: http://hohenzollernwalk.tweetwally.com/
Storify: Vorglühen: #HohenzollernWalk auf der Cadolzburg am 1.7.2017

Mitmachen im Netz:

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Jetzt sind es nur noch drei Tage bis zum #HohenzollernWalk. Die Berichte zur Cadolzburg sind zahlreich und fesselnd. Bevor es am 1.7. ab 18:15 losgeht, werden die @Kulturfritzen ab 15:00 in Berlin die Hohenzollern aus anderer Perspektive in #HohenzollernDOM zeigen. Es gibt also viel Lesestoff und viele Möglichkeiten für dich mitzumachen – wir freuen uns auf dich!

 
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