10 Tipps zum Texten fürs Web – Sprache, Schreibstil & Tools

Die gute Nachricht: Das Schreiben von Texten fürs Web ist erlernbar. Die zehn Tipps beziehen sich auf den sprachlichen Ausdruck. Berücksichtigst du diese, freut es deine Leser. Mit Übung gelingt es dir, professionelle Texte fürs Web zu schreiben. Die Tooltipps helfen dir, deine Texte auf gute Lesbarkeit hin zu prüfen sowie deinen Schreibstil zu verbessern.

zwei computer mit Kunstmotiven: ein schreibendes Mädchen, davor drei Bücher zum besseren Schreibstil. Illustriert den Artikel 10 Tipps für gute Texte fürs Web.

Texten fürs Web ist erlernbar. Hier auf der Suche nach einem Artikelbild. Zuerst durchforstete ich die online-Sammlungen des Städelmuseums, des Rijksmuseum, des Lenbachhauses und der Pinakotheken. Spannend, was mir dabei (nicht) ausgeworfen wurde.

Artikel übers Schreiben fürs Web – eine Serie für gute Online-Texte

Die beliebtesten Artikel im Blog sind meine Tipps zum Schreiben fürs Web, Blog oder Audioguides bzw. Apps. Eine Serie, die ich überarbeiten werde. Die Beiträge beleuchten verschiedene Aspekte des Online-Textens für Museen, Kulturhäuser, Kreative und Blogger.

Die Artikel ergänzen den heutigen Beitrag. Sie sind aus der Perspektive einer Kulturvermittlerin und Bloggerin geschrieben. Einiges testete ich, spielte und setzte mich mit den Zielen und meiner anvisierten Lesergruppe auseinander. Wonach richtete ich mich? ….

Du schreibst für deine Leser!

Bevor du weiterliest, beantworte dir folgende Fragen:

  • Für wen schreibst du? Wer sind deine Leser
  • Wer ist (sind) deine Zielgruppe(n)?
  • Welche Tonalität bevorzugt diese? Locker, fachlich oder beides? Du, Sie oder Euch?
  • Was erwarten sie von dir?
  • Was sind ihre Bedürfnisse und Ansprüche?
  • Was kannst du von ihnen lernen?
  • Welchen wertvollen Nutzen bietest du ihnen?
  • Was möchtest du mit deinen Texten erreichen? Was ist dein Ziel?

Daran orientiert sich die Art und Weise, wie du schreibst. Meine zehn Tipps sind formaler Natur – Werkzeuge, die Texte verständlicher zu schreiben. Wenn du deine Leser fesseln willst, erzähle Geschichten, wecke Emotionen und berühre. Das ist die Kür. Sie machen deinen Text erfolgreich und du erreichst dein Ziel.

Wassermalerei, Mädchen sinniert und schreibt, stützt Arme auf Tisch auf, schaut direkt zum Betrachter. gemalt von Kate Bischop-Swift. Rijsksmuseum

„Handwriting, writing as activity“ – so beschreibt das Rijksmuseum das Bild. Künstlerin: Kate Bisschop-Swift, Watercolor, 1844-1928. CC0 1.0: http://hdl.handle.net/10934/RM0001.COLLECT.302501

Tipps zum Texten fürs Web

Die Tipps resultieren aus meiner langjährigen Erfahrung als digitale Kulturvermittlerin, Autorin und Bloggerin. Gerade Kunsthistoriker – und nicht nur diese – haben es schwer, sich dem erlernten Sprachgebrauch aus dem Studium zu entziehen, wenn sie sich mit ihren Texten an kulturinteressierte Menschen richten. Schwierig wird es, wenn sie Menschen für Kultur begeistern wollen, die wenig mit Kultur zu tun haben. Spätestens dann müssen sie einiges Liebgewonne über Bord werfen.

Die gute Nachricht daran: Lässt du dich darauf ein, macht es nochmals mehr Spaß, die positiven Rückmeldungen zu erhalten. Diese kommen in unterschiedlichen Formen. Mich begeistert es, wenn ich über Texte mit Kultur infiziere, die Lust auf diese wecken. Dann bin ich happy!

Die Tipps zu beachten heißt nicht, sich sklavisch daran zu halten und verflachte Texte abzuliefern. Im Gegenteil, anspruchsvolle Themen können sehr wohl lebendig vermittelt werden. Durch meine praktische Arbeit und Weiterbildungen bin ich „verdorben“. Ich nehme auch wissenschaftliche bzw. Fachtexte auseinander. Aber das ist mein Zugang. Dein Zugang kann ein anderer sein. Denn: Es ist alles eine Frage der Zielsetzung, deiner Leser und deiner eigenen Bedürfnisse mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt. Ich schreibe für den Laien anders als für das Fachpublikum, abhängig von den Medien, die ich nutze. Meine Adressaten bestimmen meine Ansprache und den Schreibstil. Die Textgattung spielt auch eine Rolle: Pressemitteilung, Online-Texte, Marketing, Reportage, Interview, Tagebuchbloggen, Feuilleton, Social Media …

Der Text entfachte auf Twitter eine gewinnbringende Diskussion. Gerne zitiere ich @herrlichezeiten:

„George Orwells Schreibregeln enden mit der Regel, im Zweifel lieber jede seiner Schreibregeln zu brechen. So hab ich auch die 10 Tipps verstanden – es ist hilfreich sie zu kennen, um sich bewusst gegen sie entscheiden zu können“

Er bezieht sich auf Orwells Essay „Politics and the English Language„. @WWecker sieht es ähnlich:

„Jede Regel ist da, um gebrochen zu werden. Auch im Schriftbild! Darf man alles nicht so eng sehen. …“

Sie ergänzt noch um die Textgattung und die Adressaten. Sie sind zu berücksichtigen.

@Kulturtussi besteht zurecht auf den „erkennbaren persönlichen Stil“ – die Würze der Texte.

Gerade in diesem Sinnabschnitt sind so viele Verstöße gegen die Tipps – findest du sie? Und jetzt: Lass dich inspirieren und überlege, ob das eine oder andere für dich sinnig ist, teste oder verwerfe es! Kombinationen sind erlaubt. Die Tipps sind Tipps, keine Regeln. Sie richten sich an alle, die Texte fürs Web schreiben und bieten Impulse!

1. kurze Sätze mit klarer Aussage

Verschachtelte Sätze gehören in die Wissenschaft, obwohl es dort anders ginge. Bandwurmsätze im Web ermüden. Denk immer daran, dass ein Großteil der Inhalte mobil gelesen wird. Der Lesende ist unterwegs, wird unterbrochen oder steckt zwischen zwei Handlungen. Die Aufmerksamkeit für den Text ist reduziert. Deshalb: ein Satz eine Aussage. Und: Ein Gedankengang ein Absatz. Ein Printtext funktioniert für Print, fürs Web gibt es andere Regeln. Abwechslungsreiche Sätze kommen an – kurz und lang gut dosiert, rhythmisieren den Lesefluss.

2. Pro Satz maximal 16 Wörter

Es geht immer kürzer. Teste es. Jede Aussage kann in bis zu 16 Wörtern getroffen werden. Sind es mehr, mache zwei Sätze daraus. Das klappt gut. Hauptaussagen in Hauptsätzen, Nebensächliches in Nebensätze. Peter Lokk von der Journalistenakademie nahm in seinen Seminaren gnadenlos unsere Sätze zum Guten auseinander. Er hatte Recht!

3. Meide Füllwörter

Füllwörter blähen den Text auf. Meide Wörter wie: auch, eben, wirklich, niemals, offenkundig, sogar …
Eine Liste mit unnötigen Füllwörtern findest du in: „Wörter, die du aus deinen Texten streichen kannst“. Jage dort deinen Text durch den Füllwörter-Check.

Screenshot, Füllwörter-Check zum Herausfinden unnötiger Füllwörter.

Bei mir gibt es noch einigen Optimierungsbedarf, wie der Test mit dem Füllwörter-Check zeigt: hier mein Artikel zu Weltempfänger. Wichtig ist, sensibel zu sein und auszumisten, vielleicht nicht sklavisch, trotzdem für bessere Texte.

3. Vergiss den Nominalstil

Print ist gespickt mit Nominalstil, die Wissenschaft erst recht. Online-Texte im Nominalstil langweilen. Sie wirken gestelzt, sind ohne Leben und kraftlos. Verwende gleich das Verb bzw. das Adjektiv.

Der BlaBlaMeter prüft deinen Text auf Verständlichkeit. Treffend heißt es dort:

„PR-Profis, Politiker, Berater, Werbetexter oder Professoren müssen hier tapfer sein!
Das BlaBlaMeter entlarvt schonungslos, wieviel heiße Luft sich in Texte eingeschlichen hat.“

4. Fremdwörter tangieren periphär

Warum Fremdwörter nutzen, wenn es einfacher geht? In wissenschaftlichen Abhandlungen machen sie Sinn, in Online-Texten sind sie „obsolet“ (= unnötig). Bevor du sie verwendest, überlege, ob es dafür einen selbsterklärenden Begriff gibt. Sind Fremdwörter bzw. Fachbegriffe wichtig, dann erläutere sie.

5. Aktiv statt passiv schreiben

Passivsätze ermüden. Aktive Verben machen den Text lebendiger und besser verständlich. Schreibe aktiv.

Statt: „Wir wurden an der Garderobe von den sympathischen Kunstvermittlerinnen empfangen.“
Besser: „An der Garderobe empfingen uns die sympathischen Kunstvermittlerinnen.“

6. Verzicht auf Modalverben (=Hilfsverben)

Die Modalverben, wie z. B. können, müssen, sollen, dürfen etc., blasen den Text auf. Nutze stattdessen aktive Verben. Der Text wirkt lebhafter.

Statt: „Sie sollten häufiger ihre Texte auf Füllwörter prüfen, um lebendiger zu schreiben.
Besser: „Prüfen sie ihren Text auf Füllwörter. Ohne wirkt er lebendiger.

7. Verben an den Satzanfang

Die Leser suchen nach der Satzaussage und damit nach den Verben. Wir verstehen den Satz besser. Das Verb steht idealer Weise am Satzanfang. Klug ist es, zusammengesetzte Verben zu meiden.

Statt: „Um die Zusammenfassung besser schreiben zu können, lasen sie zuerst den Text.
Besser: „Sie lasen den Text und fassten ihn danach schriftlich zusammen.

8. Schreibe positiv

In Texten geht es um Emotionen. Diese sollten positiv sein. Rufen sie ein „Ja“ des Lesers hervor, bewegt ihn der Text. Sei deshalb sparsam mit Negativ-Formulieren, wie nicht nur, sondern auch, kein, nicht …

Bei Kindern heißt es, das „Nicht“ hören sie nicht. Ähnlich verhält es sich mit Texten.

9. Schreibe Online-Texte in Bildern oder vergleiche

Abstrakte Sachverhalte sind eingänglicher, wenn sie mit einem Bild oder Vergleich beschrieben werden.

Statt: „Der Bodensee ist mit 351 km² annähernd halb so groß wie Hamburg.
Besser: „Der Bodensee erstreckt sich über eine Fläche von 351 km².

Nutze gängige, positive Bilder, die leicht verstanden werden. Eine bemüht konstruierte Bildsprache, überfordert. Der Leser ist weg.

10. Textanalyse-Tool

Das Textanalyse-Tool Wortliga überprüft deine Texte auf Lesbarkeit, Nominalstil, Satzlänge, Passivsätze und weitere Merkmale. Wortliga gibt Tipps zur Verbesserung deines Textes.

 

Das waren die Schreibtipps fürs Web. Einiges davon vermittelten mir die Schreib-Seminare der Stiftung Journalistenakademie Dr. Hooffacker (Online-Texten, Bloggen, Reportage schreiben, Interviews führen). Professionell texten fürs Web lernst du mit Übung. Die Tipps führe ich fort. Schreiben für Social Media folgt nach. SEO-Texten ist wiederum ein eigenständiger Bereich.

Der Text entstand in Vorbereitung auf den Workshop: „Ein Text ist ein Text ist ein Text – oder doch nicht?„, den ich zusammen mit anderen am 27. März 2019 für die Bayerische Museumsakademie durchführe. Mein Blog ist und bleibt meine Arbeitsmappe. Mal schaun‘, welche Ideen ich entwickeln werde.

Heiße Web-Diskussion

Die Diskussionen von Artikeln verlagern sich vom Blog weg ins Social Web auf Twitter und Co. Den kompletten Abschnitt vor dem 1. Tipp schrieb ich neu und flechtete die Diskussionen im Social Web ein. Ausgelöst hatte @musermeku’s Tweet den Diskurs, merci dafür! Wichtige Gedankengänge kamen hervor und setzten bei mir weitere frei. Der Artikel hat an Tiefe gewonnen. Daraus ergeben sich Konsequenzen für meinen Artikel „Kommentierst du schon oder bloggst du noch? Kommentare in Blogs„. Ich überarbeite diesen oder schreibe einen neuen zum Thema – dafür schätze ich das Web!

Literatur zum Texten:
  1. Wolf Schneider, Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil, München, 25. Aufl. 2001.
  2. Wolf Schneider, Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß, Hamburg, 18. Aufl. 2008
  3. Florine Calleen, Texten fürs Social Web. Das Handbuch für Social-Media-Texter, Göttingen 2012.

Welche Schreibtipps fehlen dir? Welche Lektüre oder Tools zum Verfassen für gute Texte empfiehlst du?

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5 Kommentare

  1. Pingback: Kommentierst du schon oder bloggst du noch? Kommentare in Blogs

  2. Was für ein anschaulicher Ratgeber, liebe Tanja! Ich glaube, auch alte Hasen müssen immer wieder daran erinnert werden, dass sie im Internet für den Leser schreiben und nicht für Google oder ein ausgewähltes Fachpublikum (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dafür sollte man sich deinen Beitrag hier am besten immer irgendwo anpinnen.

    • Tanja Praske

      Lieber Damian,

      das freut mich sehr, wenn ich dir Impulse vermitteln konnte!

      Rate mal, wie ich in der Weiterbildung zur Pressereferentin Crossmedia geschliffen wurde?! Für mich konnte ich Positives gewinnen. Ich hinterfragte einiges und mir geht es gut damit, wie ich schreibe. Fakt ist, ich bleibe immer offen für Vorschläge. Einiges setzte ich schon vorher um. Jetzt zwinge ich mich Negativformulierungen zu meiden und Kritik in Form von anderen Lösungen vorzuschlagen, wenngleich Kritik Kritik bleibt und Rezensionen von dieser leben. Das ist dann etwas anderes, dann nutze ich das. Schreibe ich Erlebnisberichte, Kulturerfahrungen, dann setze ich diese sparsam ein. So verhält es sich auch mit Fremdwörtern, wenn ich mich an den Laien richte, wobei hier gut gefordert werden darf. Richte ich mich an ein akademischen Publikum schreibe ich für diese. Wenngleich es mir früher aufstieß, wenn Wissenschaftler ihre Vorträge mit Fremdwörtern spickten, einige davon waren nur da, um elaboriert zu erscheinen oder um zu kaschieren, dass heiße Luft im Vortrag steckte. Bei anderen passte es wiederum hervorragend. Fachvokabular ist Fachvokabular und gehört genutzt, wenn es erwartet wird.

      Schreibe ich eine App oder Blogtexte, dann richte ich mich nach meinen Nutzern, ihrer Bildung und Erwartungshaltung.

      Merci dir und rotwerd fürs an die Wand pinnen!
      Herzlich,
      Tanja

  3. wir-lieben-google-adwords

    Liebe Tanja! Gerade, wenn man in der Branche tätig ist, scheint es schwierig, jedes Mal aufs Neue einen ansprechenden und individuellen Text zu verfassen. Deine Tipps sind mehr als hilfreich – vielen Dank dafür!

    • Tanja Praske

      Ja, das stimmt. Sind hier auch keine SEO- oder Google Adword-Tipps, sondern Tipps für den Leser, der erreicht werden soll.

      Dankeschön!
      Gruß, Tanja