Querdenkerin, Kreativität, Spielekonsolen, Technik und Mannequins | #Museumswelt 23/2020

Sonntagslektüre aus der Museumswelt. Heute wird es techniklastig bei mir. Das hängt mit Digitalisierung, Tapisserien, gläsernen Werkstätten und Spielekonsolen zusammen. Natürlich bleibe ich an Querdenkerin, Mannequins und Kreativität hängen. Zudem gibt es einige Bezüge zu älteren Bloginhalten – das irritiert mich positiv.

Waldweg, grün, Bäume, verzweigt. Treffend zur Museumswelt in KW 23/2020.
Was passiert in Museumsblogs? Verzweigt, divers, spannend sind die Inhalte und ja, sie laden auch zum Querdenken ein, oder?

Mensch oder Mannequin? – Ludwiggalerie (5.6.2020)

Spannend wird es, wenn eine Ausstellung aus verschiedener Perspektive gefasst wird. Noch spannender wird es, wenn zwei Museen einen gemeinsamen Gegenstand thematisch anders angehen. So geschehen im aktuellen Blogpost der Ludwiggalerie. Wir begegneten dem Fotografen Rudolf Holtappel bereits in der #Museumswelt KW 21/2020 unter dem Stichwort „Waschtag“.

Jetzt geht es um ihn als Warenhausfotografen, der Schaufensterpuppen fotografierte und ihnen eine gewisse Dramatik verlieh. Wie anders ist dieser Blick auf diese Figurinen als in der vergangenen Museumswelt zu „Für jedes Kleid den passenden Körper“ beschrieben. Lies beide Artikel, dann weißt du, was ich meine.

Kreativität – ein Grundbedürfnis unserer Zeit? – Marta Herford Museum (5.6.2020)

Bei dem Begriff „Kreativität“ muss ich sofort an Wolfgang Ulrichs Essay in der Zeit „Stoppt die Banalisierung“ denken, der damals für Aufruhr im Netz sorgte. Eine Zusammenfassung der Diskussionsstränge findet ihr bei mir in: „Kunstvermittlung: schuldig pro Banalisierung in der Kunst“. In der Folge schrieb der einstige Kurator des Marta Herford Museums, Dr. Michael Kröger, bei mir einen denkwürdigen Gastartikel: „Kreatives Banalisieren“.

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass ich den aktuellen Artikel im Marta Blog genauer lese. Die Kunstvermittlerin Sabine Marzinkewitch beschreibt, welche Werke die Besucher*innen in der Ausstellung „Hocus Focus“ zurücklassen und knüpft an einen Song von Silbermond an: „Ich seh‘ Peace-Zeichen, da wo Menschen wohnen.“ Scheinbar gestalten die Besuchenden gerne die Ausstellung mit und setzen sich dabei mit den Werken des Künstlers Navid Nuur auseinander. Das entspricht der mit dem Centre Pompidous entwickelten Begleitpublikation „TA-DA! Künstler*in werden in Nullkommanichts“. Was Wolfgang Ulrich dazu nur sagen wird?

Die Autorin beobachtet eine Zunahme der Kreativität und leitet diese teils aus der aktuellen Situation des Social Distancings ab. Dieser Wunsch der Besuchenden, jetzt nach Öffnung der Museen, sich an Kultur zu beteiligen und Kunst darüber erfahren zu wollen, sei intensiver geworden. Ist das aber nicht ein schon länger währender Prozess, wie der kontroverse Diskurs zur Banalisierung von 2016 nahelegt?

„Ich bin gerne eine Querdenkerin“: Interview mit Astrid Pellengahr – Landesmuseum Württemberg (4.6.2020)

Die neue Direktorin des Landesmuseum Württemberg Dr. Astrid Pellengahr erlebte ich in ihrer alten Funktion als Leiterin der Landesstelle der nichtstaatlichen Museen in Bayern. Nicht nur sprachen wir häufiger miteinander auf Tagungen, sondern ich nahm auch an einem sehr lehrreichen Kurs von ihr und ihrer Mitarbeiterin zur Erstellung von Audioguides teil. Das verbloggte ich in: „Schreiben fürs Hören“ (ein gern gelesener Artikel).

In ihrer neuen Tätigkeit kann sie auf gute Strukturen des Hauses aufbauen, Corona und der Schutz für Mitarbeiter*innen und Besucher*innen fordern sie und andere Häuser heraus. Die Themen, die sie in den nächsten Jahren angehen wird, sind vielfältig. Dabei geht es mitunter um Vorbereitungen und Planungen für ein neues Depot. Zudem wehrt sie sich gegen die Aussage, dass Museum als Lernort zu begreifen. Ihr sind in erster Linie die Menschen wichtig, die ins Museum gehen, weil sie ihre Freizeit dort alleine oder in Gesellschaft verbringen wollen. Ganz nebenher lernen sie etwas. Das sei aber nicht das Primäre für sie.

Astrid Pellengahr möchte verschiedene Besuchergruppen erreichen. Dazu experimentiert sie zukünftig auch mit digitalen Methoden und arbeitet an angenehme Besucherleitsysteme im Museum. Im Interview gibt es einige spannende Impulse für Museumsmenschen. Wie nehmen die Besuchenden diese auf? Das wäre gut zu erfahren. Wie ist am Ende ein Miteinander in der Gestaltung? Das könnte auch ein wichtiger Ansatz dafür sein, um in Erfahrung zu bringen, was die Menschen dazu motiviert gerne ins Museum zu kommen, um alleine oder in Gesellschaft ihre Freizeit zu genießen.

Neuzugänge für die Sammlung – Museum für Kommunikation Frankfurt (3.6.2020)

Die Kustodin Dr. Tina Kubot berichtet erfrischend lebhaft von der Aufgabe eines Rechenzentrums in Frankfurt und was in dem Fall mit der unternehmenseigenen Sammlung von Evonik im Idealfall passiert. Diese ging jetzt teils in die Sammlung des Museums ein – ein Rettungsanker für technische Exponate, die ansonsten entsorgt worden wären. Herrlich wie ad hoc ein LKW gemietet werden musste, um diese abzuholen. Tatsächlich wird die Sammlung nun auch um Computer erweitert, ohne jetzt zu einem Computermuseum à la Heinz-Nixdorf-Museum zu mutieren.

Gleichwohl sind Computer teil der Medien- und Digitalisierungsgeschichte. Schon verrückt der Vergleich eines heutigen RAM-Speichers mit 8 bit/mm Speicherdichte zu einer Kernspeichermatrix von 1973, die satte 1000 Wörter zur Verarbeitung zwischenspeichern konnte. Ein wunderbarer und gerne gelesener Blogpost. Wie treffend dann der nächste Artikel des Kollegen vom HNF-Museums.

Es begann in Honululu: die Sega Saga – HNF-Blog (2.6.2020)

Es geht um einarmige Banditen, die zuerst ab 1940 in Honululu für amerikanische Truppen in Pearl Harbor, bevor Spielekonsolen später in Japan gefertigt wurden. Spannend das Staccato durch die Geschichte der Spielekonsolen und Service-Games, die tatsächlich für das Militär gedacht waren. Dabei darf der Klassiker Pong nicht fehlen. Viele Jahre ging es den Firmen rund um Sega gut, bis die Playstation kam und die Spielkonsolen von Sega verdrängte.

Der Blogpost ist inhaltlich dicht und nicht nur für Gamer fesselnd – denke ich. Wobei mein Junior diese Spielkonsolen und Games kaum kennt, jedoch musste er sich mit Pong im Informatik-Unterricht in der Oberstufe auseinandersetzen und das Spiel programmieren. Das gefiel ihm schon.

Tapisserien fürs 21. Jahrhundert: Margret Eicher in der Villa Stuck – Villa Stuck (2.6.2020)

Welche Wirklichkeiten prägen uns heute? Das erspürt Margret Eicher in der aktuellen Ausstellung „Margret Eicher. Lob der Malkunst“ in der Villa Stuck. Eine Ausstellung, die in meinem Artikel zu den 13 Ausstellungen in München ab Frühjahr 2020 fehlt (muss diesen noch überarbeiten, da sich coronabedingt einiges verändert hat).

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Margret Eicher. Lob der Malkunst. Ausstellung in der Villa Stuck.

Tatsächlich berührt mich das Thema. Angezogen vom Begriff der Tapisserie, der ein Ausdruck von Machtpräsentation im 17. Jahrhundert war, überrascht mich die Transformation des Themas: Digitalisierung, Medienflut und aktuelle Codes der medialen Welt finden Eingang in die Werke der Künstlerin. Und ja, ich werde mir das wohl vor Ort genauer anschauen – der Ansatz fesselt. Die Tapisserie „Lob der Malkunst“ verwebt Gegenwart mit Vergangenheit – solltest du dir unbedingt selbst anschauen.

Vorhang auf für die gläserne Werkstatt – Deutsches Museum (1.6.2020)

Wer mich schon länger liest, der weiß, dass ich sehr gerne Berichte über Depots oder Restaurierungsberichte lese. Klar, dass ich bei der gläsernen Werkstatt im Verkehrszentrum des Deutschen Museums sofort hellhörig werde und genauer lese. Vergleichbares gibt es bereits in der Flugwerft des Museums in Schleißheim. Auch hier kann bei der Restaurierung von Fluggeräten zugeschaut werden. Im Verkehrszentrum sind nun auf zwei Etagen die Maschinen-Restauratoren am Werk. Wir Besucher*innen können ihnen also jetzt bequem zuschauen. Da habe ich wohl einen Grund, mit Mini hier aufzuschlagen, falls ich sie dazu bringen kann, was ich hoffe.

Die Autorin, die bei mir im Blog im SoundCloud zum Filmdreh mit dem Smartphone schon vorkommt, nimmt mich wunderbar mit durch die gläserne Werkstatt – vielen Dank dafür!

Mich erstaunt immer wieder, an welchen Artikeln ich in Museumsblogs hängenbleibe und welche Bezüge es stellenweise zu diesen bei mir im Blog gibt.


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