Auf Reisen oder Wege zum Texten für Ausstellungen, Social Media und Co.

Und wieder einmal steht eine Reise an. Dieses Mal nicht zum eigenen Blog, aber zum Schreiben höchst unterschiedlicher Textsorten. Es wird ganz klar nicht das letzte Mal sein, dass Ihr darüber etwas von mir lest. Denn meine Arbeit besteht zum großen Teil aus schreiben – für Apps, Raumbeschriftungen, Dauerausstellung oder für Social Media. Montag und Dienstag nehme ich an der Volontärsakademie Bayern in Aschaffenburg teil – übrigens eine prima Fortbildungsreihe der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern. Genaueres berichte ich im Anschluss des Kurses. Zwei Tage dreht sich alles um „Konzept und Gestaltung“, sprich Ausstellungskonzepte, ihre Umsetzung, Dauerausstellungen, Medieneinsatz im Museum und Texte schreiben für Ausstellungen … klasse! Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Während meines Volontariats musste ich so viel schreiben, wie die ganze Zeit davor nicht, ausgenommen der Doktorarbeit. Nur handelte es sich da um eine wissenschaftliche Schreibe und die ist definitiv anders als für ein Museum zu texten.

Es ist schon eine ordentliche Umstellung für mich gewesen – weg vom kunsthistorischen Kauderwelsch, hin zum für den Laien verständlichen Text. Meine Lektorin der Doktorarbeit flucht wahrscheinlich noch immer über meinen Wissenschaftsjargon. Ob ich das so schreiben musste, sei dahin gestellt. Aber wie immer macht erst die Übung den Meister. Holpern die ersten Kapitel noch, wird es zunehmend flüssiger im Fortgang der Arbeit.

Texten innerhalb des Volontariats

Hier musste ich mich komplett anders orientieren. Endlich war ich gezwungen leichte, möglichst wenig verschachtelte Sätze zu schreiben. Das wichtigste sollte darin untergebracht werden.

Die Ludwig II.-App der Bayerischen Staatsbibliothek

Meine erste Amtshandlung bestand darin, Texte für die Ludwig II.-App der Bayerischen Staatsbibliothek abzufassen. Diese entstand in Kooperation mit der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die Residenz München war mein Thema. Als Mediävistin über Ludwig II. zu schreiben, bedeutete schon eine Herausforderung. Wenngleich der Namenspatron Ludwig IX. der Heilige (1226-1270) mir einen guten Zugang zur App geboten hat. Auf ihn nahm der „Märchenkönig“ teils Bezug. Und mit dem 1297 heiliggesprochenen französischen König kannte ich mich bestens aus. Schließlich handelt meine Doktorarbeit über ihn. Huch, ich schweife ab … Denn für die Residenz München unter Ludwig II. benötigte ich das Wissen nicht. Hier waren seine verlorengegangenen baulichen Spuren in der Residenz nachzuzeichnen. Sie mussten in einer bestimmten Zeichenanzahl wiedergegeben werden, die sich an dem Aufnahmevermögen des mit seinem Smartphone oder Tablet Lesenden orientierte. Das Ganze sollte möglichst schnell umgesetzt werden – also, ein prima Einstieg für mich, mich mit der bayerischen Schlösserwelt vertraut zu machen. Denn Zeit zum Nachdenken – Mittelalterspezialistin vs. 19. Jahrhundert – blieb nicht und das war auch gut so. Wieder einmal ging es darum, einfach zu machen und die strukturierte Herangehensweise aus dem Studium anzuwenden. Und … es hat echt Spaß gemacht, der Lernfaktor war groß!

Texten für Social Media

… tut gut. Gezwungen sein in 120, 440 Zeichen oder leicht mehr (für ein Blog) hilft sehr die Gedanken zu zuspitzen. Hier lernte ich auch mit einem Augenzwinkern zu schreiben. Bei den ersten Posts habe ich noch Blut und Wasser geschwitzt. Schließlich gab es da noch immer die äußerst „seriöse“ Kunsthistorikerin. Die Erkenntnis, dass das Eine das Andere nicht ausschließt, musste erst reifen. Denn auch eine lockere Schreibe ist seriös. Es muss nur die Balance gefunden werden zwischen fachlicher Vermittlung und Userhabitus des gewünschten Dialogpublikums. „Learning by doing“ war die Devise. Was spricht den Leser an? Wie müssen die Beiträge sein, dass sie Reaktionen auslösen? Das galt es herauszufinden. Das Gute daran: Ist das Museum, die Institution neu dabei, genießt sie am Anfang „Welpenschutz“, so der Kanon auf der stART11 in Duisburg. Es darf experimentiert werden. Vielleicht ist es ja auch die ureigene Aufgabe einer Kulturinstitution zu experimentieren, sofern sie die Möglichkeit dazu hat.
Die Posts der Residenz München nehmen teils Tagesgeschehen auf, aber grundsätzlich mit dem Rückbezug zum Raumkunstmuseum. Das war uns wichtig. Eine emotionalisierende Ansprache darf sein – eine große Umstellung für eine bis dahin überwiegend wissenschaftlich arbeitende Kunsthistorikerin.

Texten für Raumbeschriftungen und für eine Dauerausstellung

… ließen mich nachdenken und recherchieren – was sonst. Recherchen über Raum- und Ausstellungstexte. Dabei ging es mir um die Basics, denn ich schrieb das erste Mal solche Texte. Wie viele Anschläge pro Zeile sind vertretbar, d.h. gut erfassbar für den stehend Lesenden. Denn stehend zu lesen strengt an. Das Internet war die erste Informationsquelle für mich. Hier fand ich grobe Richtlinien. Zur großen Freude des Bücherwurms, der ich bin, entdeckte ich auch ein Buch über das Thema: „Texte in Museen und Ausstellungen. Ein Praxisleitfaden“, Dawid, Schlesinger (Ed.), Bielefeld 2002. Diese Informationen vermittelten mir zunächst Sicherheit – das waren meine Rahmenbedingungen. Die inhaltliche Gestaltung bedurfte Übung. Ich lernte sehr viel von der Museumsreferentin, die mit ihrer großen Erfahrung die Texte redigierte und schliff (eine Arbeitprobe findet Ihr hier). Und wieder mal bestätigt es sich: Keine Scheu vor Hilfestellungen zu haben, aber auch keine Scheu davor, Fragen zu stellen. Zu großer Perfektionismus ist hier eher hinderlich. Im Verbund mit anderen können sich sehr gute Lösungen ergeben.

Welche neuen Erkenntnisse ich nach Dienstag haben werde, erfahrt Ihr hier in einem späteren Post.

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