Blog des Lenbachhaus – selbst- oder fremdbestimmt? (3)

Blog des LenbachhausSpekulatius hoch zehn … Ist das Blog des Lenbachhaus selbst- oder fremdbestimmt? Schmarrn. Die aktuelle Blogparade des Lenbachhaus „Human Ressources / Fremd- und Selbstbestimmung in unserer Arbeitswelt“ (1.-31. Mai 2014, #PLAYTIME) bot mir die Steilvorlage für den Museums-Blog-Steckbrief Nr. 3. Das Museum befreite mich damit von der Qual der Wahl, den nächsten Museumsblog aus 70 Kandidaten herauszugreifen. Digitale Stupser führten bereits zu den Blog-Steckbriefen des Joanneums (Blogpararade) und des Residenzmuseums (Isarnetz Award 2014). Jetzt also wieder – bin ich deshalb fremdbestimmt?

Hm … kann schon sein. Tatsächlich sprach mich der Aufruf zur Blogparade direkt an. Dankbar nehme ich digitale Impulse an. Wozu Redaktionspläne? Sie sind sinnig für Museumsblogs, Corporate und Private Blogs. Trotz allem lautet das Gebot der Stunde: Lauscht dem Netz – die Themen sind da und bereichern!

Seit wann und wie oft bloggt das Blog des Lenbachhauses?

Das Blog des Lenbachhauses startete im September 2012. Es heizte die Wiedereröffnung des Museums im Mai 2013 an. Dementsprechend war die Taktung von November 2012 bis Januar 2013 enorm mit bis zu 13 Artikeln pro Monat. Tatsächlich ist das die richtige Herangehensweise, wenn ein Ereignis, eine Ausstellung, eine Eröffnung, ein App-Release ansteht – Bloggerpower zum Pushen! Wichtig für die Verbreitung ist eine kritische Artikel-Masse für Google und Co aufzubauen, vorausgesetzt der Content ist gut. Häufiges Bloggen hilft, den Bekanntheitsgrad des Blogs zu steigern.

Oh menno … ich schweife wieder zur Ratgeberschleife ab – Stopp! Hier geht es um den Blog-Steckbrief des Lenbachhauses. Das Blog ist im Kommunikation-Mix integriert. Aktuell gehen 3-5 Beiträge im Monat online. Über zehn Autoren schreiben für das Blog, zumeist sind es Studenten der Kommunikations- bzw. Geisteswissenschaften, aber auch Gastblogger, Kulturvermittler sowie vereinzelt Kuratoren kommen zu Wort. Eine „Über uns“-Seite fehlt, dafür gibt es eine Mini-Bio der Autoren unter den Artikeln.

Worüber bloggt das Museum?

Das Blog bewirbt Veranstaltungen bzw. bespricht sie nach. Es stellte neue Präsentationen vor, die Hintergründe zur Aufstellungsweise, sogar Stellenausschreibungen erfolgten im Blog. Das ist mir neu. Vergleichsbeispiele dafür fehlen mir. Literaturtipps und Auszüge aus dem Gästebuch sowie Kommentare zur Ausstellung werden wiedergegeben. Schön ist die Kategorie „Köpfe im Lenbachhauses“ – hier erfahren wir über den facettenreichen Museumsalltag der Mitarbeiter, was ihre Aufgaben sind und wie sie „ticken“ #Ilike. Kunsthistorische Fragestellungen werden erörtert, manchmal recht fachspezifisch und anspruchsvoll. Tags bzw. Schlagwörter zur Orientierung des Stöbernden fehlen, somit bleibt der Überraschungseffekt.

Was gefällt mir?

Der individuelle Schreibstil der Autoren bleibt erhalten. Die Person bzw. die Denke schimmert durch, vor allem aber mag ich die Überzeugung und die Freude des Bloggers, die greifbar ist. Korrekt heißt es der Bloggerin, denn tatsächlich schreiben „nur“ Frauen. Sie stecken zum großen Teil noch in der wissenschaftlichen Ausbildung und setzen hier ihr theoretisches Wissen praktisch um, bereiten es für den Laien auf. Ein schwieriges Unterfangen. Zu meiner Studizeit gab es diese Möglichkeit noch nicht, was ich bedauere. Sicher, wir gingen Praktika in Museen ein, arbeiteten an Ausstellungen mit und schrieben Artikel, für eine Institution haben wir jedoch nicht gebloggt. Denn das gab es da noch nicht. Erst allmählich gehen Institutionen diesen Schritt, jenseits der wissenschaftlichen Publikation, ihre Arbeit in einer lockeren Art vorzustellen. Diese Chance, die das Blog des Lenbachhauses dem akademischen Nachwuchs bietet, gefällt mir.

Digitale Experimentierfreudigkeit

Die Experimentierfreudigkeit des Blogs finde ich prima. Noch sehr frisch dabei machten sie bereits bei der Kultur-Blogparade 2013 des Residenzblogs mit. Hier fassten sie ihre Aktionen zur Ausstellung „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ zusammen. Zudem veranstalteten sie in Kooperation mit den Kulturkonsorten ein Tweetup im Vorfeld der Wiedereröffnung. Bei mir funktionierte es wunderbar. Ich bekam Appetit auf das Museum und verschleppte später bei Sintflut meine Familie ins Lenbachhaus. Hier steuerte ich gezielt bestimmte Räume an, um zu schauen, wie die Reaktionen darauf sind.

Mein Favorit

Nun, gespannt bin ich auf die Resonanz der aktuellen Blogparade „Human Ressources / Selbst- oder Fremdbestimmung“. Das Thema ist weitgefasst, so dass Blogger unterschiedlicher Couleur etwas dazu schreiben könnten. Interessant wäre es zu erfahren, ob das Redaktionsteam neben Kulturblogger auch andere Blogger gezielt vorher angesprochen haben. Blogger Relations setzten sie bisher vorbildlich um, danke für die Info über die Blogparade via eMail.

Ansonsten fände ich es toll, mehr über die Blogreihe zum Pilotprojekt Frischgebacken zu erfahren, so wie es im gleichnamigen Artikel angekündigt wurde. Babys und Mütter ins Museum – eine schöne Idee.

O-Ton des Lenbachhaus

Im allerersten Artikel „Der Startschuss ist gefallen …“ schreibt das Blogteam:

„Dieser Blog bietet eine Alternative zu den normalen Öffnungszeiten. In regelmäßigen Abständen berichten wir von unserer Arbeit. …Ein noch leeres Gebäude von Grund auf neu zu bestücken, ist auch Ansporn, grundsätzlich über die Institution Museum und ihre Aufgaben nachzudenken. Auch dies soll sich in unserem Blog spiegeln. Er wird dabei unsere Website nicht ersetzen, sondern Einblick in die Themen geben, die uns gerade beschäftigen.“

Hinweis

Der Blog-Steckbrief geht montags online. Über ein Feedback, ob Ihr etwas für Euch entdeckt/einen Favoriten habt, über Anmerkungen und Meinungen freue ich mich sehr – bitte her damit!

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