Jazzwoche Burghausen 2016 – „Les Lapins Superstars“ & „Electro Deluxe“

Die Jazzwoche Burghausen 2016 (8.3-13.3.2016) ist meine erste und definitiv nicht meine letzte Jazzwoche. Ich beginne Jazz zu genießen – warum? Nun, zwei französische Big Bands sind daran schuld: „Les Lapins Superstars“ und „Electro Deluxe“. Die erste Band heizte ein, absahnen sollte dann „Electro Deluxe“. Hm … für mich war das nicht ganz so, denn die „Kaninchen“ waren für mich top! Die Pressereise zur 47. Jazzwoche Burghausen ist schuld, wenn ich zukünftig vermehrt Jazz höre. Wer hätte das gedacht?

Les Lapins Superstars spielen in der Wackerhalle auf der Jazzwoche Burghausen 2016

Les Lapins Superstars begeisterten auf der Jazzwoche Burghausen 2016.


Ich sicherlich nicht! Burghausen kannte ich als Schlösserfrau – die längste Burg Europas oder weltweit. Schreibe dazu noch separat. Das kulturelle Angebot der Stadt überraschte und faszinierte mich auf meiner ersten Pressereise. War ich zuletzt auf Bloggerreisen zur Caritas-Ausstellung des Diözesanmuseums in Paderborn und davor zur Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel unterwegs, so ging es dieses Mal ins scheinbar beschauliche Burghausen. Warum scheinbar? Weil …

… Burghausen kulturell fasziniert

Die historische Kleinstadt erstaunte und erwischte mich vollends – ich bin verliebt in ihre Kultur! Leidenschaftliche und supersymphathische Menschen bringen diese voran. Du wirst noch mehr zur Pressereise lesen, über die Museumslandschaft, das Harfenspiel und die Schmiedekunst – ich bin noch ganz geflasht von der Vielfalt, die mir vor Ort geboten wurde. Ich habe so viel Stoff im Gepäck – Kulturstoff fürs Blog sowie Stoff für meine Kulturspaziergänge auf Youtube! Dazu dann in nächster Zeit mehr – heute soll es um Jazz gehen, um die Jazzwoche Burghausen 2016!

Es ist ein ungewohntes Schreiben für mich. Lieber Jazz-Fan, siehe mir meinen laienhaften Umgang damit nach. Ich höre keine Misstöne und mir ist es einerlei, ob die Musik innovativ, richtig oder verkehrt ist. Sie muss mich nur ansprechen. Wenngleich ich Michael Stacheders Tipp auf Twitter gerne nachkommen werde, danke Michael!


47. Jazzwoche Burghausen

„Street of Fame“ mit 41 internationalen Jazz-Stars

Wirklich wahr – die 47. Jazzwoche bereits! Burghausen ist Jazz-mäßig kein unbeschriebenes Blatt, sondern spielt tatsächlich in der Champions-League der Jazzfestivals mit. Das war mir Jazz-Banausen neu. Amerikanische Jazz-Größen wie Ella Fitzgerald und andere spielten in Burghausen.

So erfuhren wir eine wunderbare Anekdote über die Hintergründe zu Ella Fitzgerald Auftritt 1975. Die Macher des Festivals lockten sie damit nach Burghausen, dass ihr Auftritt „bei“ München sei – das „Bei“ bei über 120 km Entfernung ist schon putzig. Aber sie kam! Doch die Grande Dame des Jazzes jagte den Burghausenern, die sie am Münchner Flughafen abholten, einen ordentlichen Schrecken ein: Die Dame saß im Rollstuhl – wie peinlich, das wusste keiner. Jedoch war es seitens von Ella Fitzergald „nur“ ein kleiner Trick: Dank des Rollstuhls wird sie nämlich grundsätzlich am Zoll vorbeigewunken – also, alles gut – kein Faux Pas!

Bodenplatte von Ella Fitzergald auf der Street of Fame in Burghausen.

Ella Fitzgerald ist in Burghausen auf der Street of Fame verewigt.

Nun gibt es in Burghausen die „Street of Fame“. Sie führt durch die Stadt über den „Bichl“ hinweg. Im Sommer spielen hier auf dem Platz donnerstags und sonntags Jazzmusiker kostenfrei auf – klasse! In der „Street of Fame“ sind aktuell 41 Bodenplatten mit den Namen und Lebensdaten von 41 Jazz-Stars sowie – ganz wichtig – mit deren Auftritts-Daten in Burghausen eingelassen. Alle zwei Jahre kommt eine neue Platte hinzu. Hm … ich vergaß zu fragen, wann und wie (gibt es ein Ritual darum?) die nächste eingelassen wird – eine prima Idee!

Les Lapins Superstars“ in der Wackerhalle

Am Abend erwartete uns dann die Vorband „les Lapins Superstars“ – 19 junge Jazz-Musiker aus Frankreich. Sie spielten bereits zu anderer Gelegenheit auf besagtem „Bichl“. Ich kannte die Big Band nicht und mag auch nicht viel drumherum erzählen. Schaue auf der Website nach, notiere dir den Termin in deiner Nähe und bilde dir deine eigene Meinung. Nur so viel: Ihre Leidenschaft, Spaß und Hingabe für die Musik erwischte mich. Gut, sie hatten eh schon Bonuspunkte bei mir, da ich extrem frankophil bin. Ich hatte vorher gehofft, dass mich kein Hartcore Freestyle Jazz erwartete, sondern einfach nur fluffige, emotionsgeladene Musik und das war sie definitiv! Bei mir sprang der Funke über, vor allem als sie auf Französisch dazu sangen – j’adore, magnifique!

[Habe das Video aufgrund von GEMA-Gründen vorsichtshalber herausgenommen: Auf der Seite der „Lapins“ findest du prima Hörstücke ihrer Konzerte: www.lapins-superstars.com]

Auf Vine begleitete ich den Abend ebenfalls, hier nun die „Lapins“ auf Französisch:

Electro Deluxe“ – die Profis

War die erste Big Band ungestüm mit ungetrübter Spielfreude, so kamen dann die Profis auf die Bühne – „Electro Deluxe“ aka @ElectroDeluxe1. Der Frontsänger war eine absolute Rampensau. Am Ende hielt es die Burghausener nicht mehr auf ihren Sitzen – nun, das betraf zumindest einen großen Teil des Publikums: Alt und Jung sangen aufgefordert mit und tanzten. Dafür tat der Sänger einiges, wie ein HB-Männchen hüpfte er auf der Bühne herum, forderte zum Mitmachen auf – das kam nicht bei allen gleich gut an, sei’s drum, muss es auch nicht.

Mich hielt es eh nicht auf dem Sitz. Gab ja da eine neue Vlog-Kamera auszuprobieren. Ja, tut mir leid, ich übe mich noch in der ruhigen Kameraführung. Ist jedoch schwierig, wenn die Musik in die Füße geht und diese ihr Eigenleben entwickeln – pardon! Höre rein! Auch hier eine kleine Vorsichtsmaßnahme – Hörmaterial gibt es von ihnen hier:

Sessions im Jazzkeller

Meine Kollegen von der Presse zog es nach dem Konzert noch in einen Jazzkeller zu einer Jazzsession. Das soll toll gewesen sein mit eigentümlicher, inspirierender Atmosphäre. Tja, für Jazz muss man eine gute Kondition haben, das merkte ich. Muss mich noch darin üben. Markus Stegmayer vom Alpenfeuilleton wird als Jazz-Fan und vor allem Jazz-Kenner sicherlich darüber berichten, auch kritisch, wozu ich nicht wirklich in der Lage bin, da ich erst eine Jazz-Einsteigerin bin – also, schau bei ihm rein!

BR – engagiert sich hoffentlich auch weiterhin

Ohne des Engagements, vor allem auch finanzieller Art des BR‘s, wäre es für die Burghausener schwieriger ein Jazzfestival in dieser Art mit großen Jazz-Stars und Nachwuchsmusikern durchzuziehen. Leider überlegt der BR sich zurückzuziehen – ich hoffe nicht, dass der Sender sich tatsächlich von der traditionellen Jazzwoche in Burghausen, die sie mit Liveübertragungen und Liveblog begleiten, abwendet. Die fehlende Unterstützung ließe sich von der Stadt, die zwar die zweitreichste Gemeinde in Bayern ist, schwerlich auffangen.

Was seit 47 Jahren mühselig mit viel Leidenschaft aufgebaut wurde, zu internationalem Renommee führte und Sprungbrett für den ein oder anderen Nachwuchsmusiker war, ist in Gefahr. Das darf nicht sein – daher mein Appell, bitte lieber BR, macht weiter, unterstützt den Jazz, die Stadt und Bayern!

Jazzwoche Burghausen 2016 – eine Stadt der Musik

Das ist also mein erster Post über Jazz im Blog und der zweite über Musik, ich sage nur Joe Cocker. Ich hab‘ mich versucht. Der Jazz-Funke glimmt jetzt in mir. Die Burghausener sind schuld. Als Souvenir bleibt mir meine Erinnerung und das Wissen, dass es noch viele Möglichkeiten Jazz zu erleben in Burghausen gibt. Mehr Informationen zum Musikprogramm von Burghausen findest du im Veranstaltungskalender der Stadt– Musik begleitet Burghausen das ganze Jahr über – toll!

Als nächstes ist das 3. Harfenfrühlingsfest (31.3.-3.4.2016) dran – dazu gibt es noch einen wunderbaren zweiten Kulturspaziergang von mir – nach Schleißheim dann also Burghausen – von Schloss zu Burg – passt doch, gell?

Ach, jetzt wartet noch diese wunderbare Erinnerung darauf, geköpft zu werden. Die begleitende Musik ist gesichert!

Wein zur Jazzwoche Burghausen 2016 "Spirit of Jazz"

Der passende Wein zur Jazzwoche Burghausen 2016 – „Spirit of Jazz“ mit musikalischer Untermauerung „What does it mean?“ – vielen Dank dafür!

Was kannst du mir als Jazz-Zugang empfehlen? Gerne auch in München, dann fache ich das Glimmen weiter an – danke!

–>Disclaimer: Die Reise zur Jazzwoche Burghausen 2016 wurde vom Kulturbüro der Stadt Burghausen finanziert – vielen Dank für die wunderbare Betreuung, es war toll!


Nachtrag – Beiträge zur Jazzwoche | Pressereise

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3 Kommentare

  1. Michael aus München

    Hallo,

    auch ich war an diesem Abend – und dem Vorabend – anwesend und würde schon auch gerne Deinen Artikel kommentieren.
    So beigeistert und wohlwollend Du schreibst, so ist mir schleierhaft, wie Du bei diesem Abend von einem übergesprungenen Jazzfunken sprechen kannst.
    Beide Bands haben mit Jazz sehr, sehr wenig zu tun.
    Waren die Lapins noch durch und durch originell mit ihren vielfältigen stilistischen Anleihen, so war Electro Deluxe sicher brilliant, aber recht kalt und glatt inszenierter Groove Soul mit deutlichsten Anleihen aus dem 70ern und auch 60ern. Bei einem Song musste ich sofort an Chicago denken. Ich hatt immer das Gefühl, trotz des allem überragenden Sängers, daß das alles schon mal da gewesen ist.
    Übrigens ist das Konzept nicht Vorband und Hauptact, sondern ein Double Feature. Arm dran halt diejenigen, die nach den Lapins antreten müssen wie dieses mal Electro Deluxe und das war im Vergleich der Begeisterung des Publikums deutlichst zu merken.
    Wir gingen dann auch früher zu Jazzanova, das war für mich die eigentliche Überraschung, hatte aber auch nichts mit Jazz am Hut.
    Für München schau mal bei Unterfahrt oder Voglers Jazzbar.

    • Tanja Praske

      Hi Michael,

      danke für deine Meinung hier.

      Mich faszinierten tatsächlich vor allem die „Lapins“, eben wegen ihrer Spielfreude und Originalität, die du ansprichst und ja, ich stimme dir auch in deiner Einschätzung von Electro Deluxe zu. Meine „überbordene“ Begeisterung rührt von dem Gesamtpaket her, das ich auf der Pressereise in Burghausen erlebte, wie die sympathischen Macher des Harfenfrühlings oder den faszinierenden Schmied der Hammerschmiede und vor allem die leidenschaftlichen Kulturmenschen. Burghausen und der Jazz erwischten mich. Schreibe ich zeitnah die Posts, triefen sie vor Begeisterung, so wie hier – das geht für mich in Ordnung.

      In unserer Gruppe kam die gleiche Kritik auf, die du anbringst. Einige von uns gingen anschließend auch noch zu Jazznova, ich hingegen nicht. Sie waren davon sehr angetan. Vielleicht wäre mein Blick differenzierter ausgefallen, wäre ich dabei gewesen. So oder so gefiel mir der Abend und die Musik der Lapins insbesondere.

      Danke für deinen München-Tipp – da werde ich mal hingehen. Denn Lust auf mehr hat das Jazzfestival mir bereitet.

      Schönen Abend und merci!
      Tanja

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