Kommunikation in einer vernetzten Welt – was bleibt?

Den Titel des zweiten #hwdesigncamp-s kehrte ich um, ursprünglich lautete er „Was bleibt? Kommunikation in einer vernetzten Welt.“ – Klar, so ein Titel hascht mich sofort! Da es ein Tweetup sein sollte, bin ich natürlich hin: Ein Design-Tweetup kannte ich bislang nur von den Kulturfritzen. Damit hatte das #hwdesigncamp jedoch so gar nichts zu tun. Zwei spannende Redner – Jeremy Tai Abbett („Creative Evangelist“ von Google Inc.) und Richard Gaul (Kommunikationsberater) vermittelten Diskussionsstoff über die modernen Kommunikationsformen – vernetzt, geliked, geshared – „wie gehen wir um mit der zunehmenden Dichte an Informationen“ – darum ging es gemäß der Einladung.

Richard Gaul; #hwdesigncamp; München

Richard Gaul in der Diskussion mit @BenjaminKloeck von hw.design gmbh

Nun. Ein Tweetup war es nicht, eher eine Begleitung des Events via Twitter. Macht nix, denn die Inhalte und die Gespräche waren fein. Dass versucht wurde offensiv mit dem Medium Twitter für eine Veranstaltung umzugehen, ist an sich schon löblich und richtig. Mal schaun‘, ob die Verantwortlichen zukünftig damit mehr machen. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Kulturinstitutionen, erst einmal machen (Stichwort #Welpenschutz), Erfahrungen sammeln und die Chancen von Twitter und Co erkennen. Wenn diese dann noch strategisch genutzt werden, ist das Unternehmen, die Kulturinstitution auf den richtigen Weg, aber Obacht: das Social Web ist eine besondere Kommunikationsform mit Betonung auf „Social“ (sorry, für den erhobenen Zeigefinger, muss aber sein).

Thesen, Fakten und Stoff zum Nachdenken

Jeremy Tai Abbett: „es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen“

Nur, was sind die richtigen Fragen und wer bestimmt überhaupt, was die richtigen Fragen sind. Tatsächlich ging es ihm um das lebenslange Lernen und wie man mit dem Gelernten umgeht – um die Kultur des Lernens. Im Programm lautete ein Zitat von ihm „Entweder du schreibst dem Computer vor, was er machen soll – oder der Computer schreibt es dir vor.“ – sehr radikal und dehnbar. Für Unternehmen heißt es in der digitalen Welt: „Wie generiere und wie halte ich die Aufmerksamkeit für mein Unternehmen, mein Produkt“. Die Frage lässt sich m. E. auf alle Bereiche übertragen, auch auf die Kultur, Museen, Theater und Co. Denn die Menschen müssen diese nicht aufsuchen. Ihre Zeit ist begrenzt und es kommt nur das infrage, was anspricht und ihnen in irgendeiner Form einen Mehrwert verspricht.

Klar, spricht Jeremy Tai Abbett als Designer. Für ihn ist nicht die Technik ausschlaggebend, sondern der Perspektivwandel der Menschen. Und genau darauf muss reagiert werden seitens der Unternehmen. Weitergedacht bedeutet das für Kulturinstitutionen, dass nicht die hippeste Technik, App o.ä. ausschlaggebend ist, sondern das, was sie erreichen möchten (= Strategie) und vor allem das, was ihre Besucher wünschen. Kulturinstitutionen können auch einen Bedarf wecken, von dem die Besucher noch nichts wissen, auf Wahrnehmungsstrukturen ist einzugehen. Ich denke hier nur Jeremys Aussagen weiter.

Seine Aussage zur Diversität finde ich sehr wichtig. Sie leitet zugleich zum zweiten Sprecher, Richard Gaul, über.

Richard Gaul – Vier Faktoren bestimmen die heutige Kommunikation

Richard Gaul ist ein Voll-Profi der Kommunikation. Sieht man ihn erstmals und weiß nichts über ihn, so nimmt man ihn als einen älteren Herren, einen scheinbaren Leisetreter wahr. Spricht er, dann wird er „laut“ im Sinne von nachdrücklich, rhetorisch gewandt, klar, unmissverständlich und anregend. Als langjähriger Leiter der Konzernkommunikation der BMW Group und Redakteur der Zeit muss schon klar sein, dass er auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreift, dabei ist er nicht stehengeblieben, sondern denkt weiter. Hier nun seine vier Thesen zur modernen Kommunikation:

1. bedenke, was du sagst

Das Netzt vergisst nicht, Aussagen können einiges später in vollkommen anderen Sinnzusammenhängen gestellt und verfremdet werden

2. bedenke die Bilder

Die heutige Kommunikation ist visuell geprägt. Botschaften laufen darüber. Ob etwas wahrgenommen wird, hängt zu 80 % vom Bild, zu 12 % vom Ton (Tonalität) und nur zu 8 % vom Inhalt ab. Alles klar, oder? Spontan fällt mir dazu besonders das Potential von Instagram für Museen ein, hier gerade die Aktion von #EmptyHamburgerKunsthalle, über die Angelika von @Musermeku zur Blogparade #KultDef schrieb. Dann gibt es da noch das bewegte Bild. Jeremy brachte eine „leicht“ veraltete Einschätzung von Youtube, als der Kanal aufkam, denn zu Beginn hieß es, dass Youtube ein Reinfall wird – noch Fragen?

3. alles ist in den Medien inszeniert

Und weil das so ist, sollte jedes Unternehmen sich in den Medien selbst inszenieren, betrifft auch Kulturinstitutionen.

4. Wandel von Informationen zu Transparenz zu Partizipation

Genau das zeichnet die moderne Kommunikation aus – Partizipation. Arbeitgeber werden zu Markenbotschafter, sie halten sich bereits in den Sozialen Medien auf. Hier gilt es Regeln festzulegen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Für Richard Gaul ist Partizipation das Buzzword der modernen Kommunikation. Wichtig dabei: Durch die Diversity und der Disruption der neuen Kommunikationsformen gibt es keine Lead-Meinungen. Kommunikation ist fragmentiert. Dazu zählen meiner Meinung nach die verschiedenen Dialoggruppen der einzelnen Kanäle und Interessentengruppen.

Richard Gaul bringt das Beispiel der Verlage, die panisch auf die Disruption der neuen Kommunikation reagieren und versuchen, alte Geschäftsmodelle auf die neuen Erfordernisse zu übertragen. #Fail auf ganzer Linie. Verlage haben die Wahl, ob sie entweder ganz „blöd“ und die Triangle sein wollen – wird falsch geschlagen, sind sie weg – oder aber, ob sie lieber die erste Geige in der modernen Kommunikation spielen wollen. Ist so sicherlich nicht alleine auf Verlage anwendbar, oder?

Richard Gaul meint, dass ein Shitstorm so lange ungefährlich ist, wie er nicht in den Mainstream-Medien vorkommt. Was sagst du dazu? Ist das so?

Hm … bis vor zwei Stunden wusste ich noch nicht, ob ich über das #hwdesigncamp schreiben soll oder nicht. Doch die Themen und Aussagen berühren sich mit dem, was mich hier im Blog beschäftigt. Tatsächlich ist es sehr inspirierend, wenn ich über den Tellerrand schaue, nicht nur im „Sumpf“ des Kultursektors verhaftet bleibe, sondern im Unternehmensbereich spickere.

Ja, tatsächlich kann ich nur empfehlen, dass man aus seiner Informationsblase – Filterblase – hin und wieder ausbrechen sollte, um Anregungen zur Reflexion zu gewinnen. Wie siehst du das

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