Lesestoff: Schlangen, Weltuntergang, Brautkleid und Hightech

Lesetipp; Lesestoff; WoandersAm Donnerstag setzte ich mich hin, wählte die Artikel aus der Museumswelt für meinen Lesestoff aus. Am Samstagmorgen ergänzte ich sie um Schlangen und schöne Schiffe – was für ein Facettenreichtum kam da wieder zustande? Eine Reise quer durch die Republik, die mich erneut nach Österreich und erstmals in die Schweiz führte. Ich hätte noch mehr auswählen können, vor allem das „(Filter)café aus dem Dornröschenschlaf“ finde ich klasse, aber da gab es schon das #Genauerhinsehen. Ich freue mich, wenn ich die Qual der Wahl aus den Museumsblogs habe – so soll es sein, oder?

Zerbrechliche Schätze (Teil I) – von gläsernen Schlangen und Drachen“ – Hessisches Landesmuseum in Kassel (17.7.15)

Wenn ich fortan ein Weinglas in der Hand halte, werde ich wohl an gläserne Schlangen und Drachen denken, vor allem aber an Gläser „à la façon de Venice“. Das ist ein besonderes Glas, ein farbloses Glas, das erst im 15. Jahrhundert auf der venezianischen Insel Murano entwickelt wurde. Zuvor gab es robuste, grüne Gläser. Die Glasmacher von Murano begründeten den Ruhm des Kristalls und wurden dafür fast eingekerkert, da das Geheimnis die Insel nicht verlassen sollte. Doch schon im 16. Jahrhundert gab es wichtige Dependancen in großen Handelsstätten Flanderns und Hollands. Was das „venedische Kristallglas“ am Hofe des Landgrafen von Kassel bedeutet, erfahren wir im zweiten Teil der Blogserie – sehr fein!

Die Katzen, die den Weltuntergang verschlafen haben“ – Lenbachhaus, München (16.7.15)

Allein der Name machte mich schon neugierig. Was sich dahinter verbirgt, ist ein heißer Veranstaltungstipp für Kinder und Jugendliche vom 21.7.-16.8.15 im Garten des Lenbachhauses. In der Figurenwerkstatt können sie Geschichten entwickeln und auf kleiner Bühne umsetzen. Die Aktion ist Teil der Veranstaltungsreihe „FACTS & FICTION. Katastrophenbilder und Zukunftsszenarien“ (bis 13.9.15). Die Helden der Geschichten erleben Katastrophen und finden ihren Weg aus diesen wieder heraus, hoffentlich. Eine ganz tolle Idee!
–>Tipp: Blogsteckbrief Lenbachhaus

Schöne Schiffe!“ – Schifffahrtsmuseum Unterweser, Brake (16.7.15)

Ausnahmsweise nehme ich einen achten Post in der Lesestoffreihe auf. Schöne Schiffe und schöne Namen verlockten mich. Erschrocken stellte ich dann fest, das Blog des Schifffahrtsmuseum bloggte zuletzt vor fast einem Jahr. Warum nur? Schreiben können sie und Appetit auf kleine Kostbarkeiten im Themensommer machen sie auf sympathische Art und Weise. „Kapitänsbilder“ stehen für eine florierende Region und für Unternehmensstolz. Aus der Perspektive sah ich noch nicht die Porträts der Schiffe. Was gibt es nicht noch alles für wunderbare Geschichten im Museum. Bitte mehr davon, mehr bloggen und mehr Leser gewinnen!

Anders gemacht als ursprünglich gedacht #Genauerhinsehen“ – Joanneum, Graz (15.7.15)

Wusstest du schon, was Pentimenti sind? Reue vor was? Vor dem künstlerischen Erstentwurf. Es gibt Tipps und Tricks, diese Veränderungen zu erkennen. Mal verraten dickere Malschichten einen anderen Entwurf, mal lässt sich dieser nur in der Röntgenaufnahme erkennen. Der künstlerische Schaffensprozess läuft nicht geradlinig, das betrifft „alte“ Meister und jüngere Künstler gleichermaßen. Das Museumsblog stellt in der Serie #Genauerhinsehen einige Beispiele von Pentimenti zusammen, von Guiseppe Passeri, Maria Lassnig zu Egon Schiele – sehr fein!
–>Tipp: Blogsteckbrief Joanneum

Das blaue Brautkleid aus Greifswald“ – DDR-Museum (13.7.15)

Warum nimmt ein Museum ein blaues Brautkleid in den Sammlungsbestand auf? Ganz einfach. Damit dokumentiert das DDR-Museum den Alltag in der ehemaligen DDR und der Sowjetischen Besatzungszone. Die Geschichte hinter dem Brautkleid fasziniert. Die Spenderin kaufte es im einzigen Brautladen der Stadt, den es bis heute gibt. Vermutlich ist er jetzt wohl nicht mehr der einzige, oder? Charmant bittet das DDR-Museum um Objektspenden, die mit Geschichten verknüpft sind – Unterstütze die Aktion, bewahre und gestalte Geschichte für uns alle!

Hightech für die Kunst: Der Schmerzensmann in der Röhre“ – Caritas-Ausstellung, Paderborn (10.7.15)

Fast schon kriminologisch, was mit dem Schmerzensmann aus St. Heribertus in Hallenberg geschah. Die Restauratoren polierten den Schmerzensmann für die Caritas-Ausstellung auf und entdeckten dabei einen seltsamen, eingerollten Zettel in der Seitenwunde Christi. Anlass also, ihn in die Röhre zu schicken und mit modernster Medizintechnologie zu durchleuchten. Sensation: Der Schmerzensmann ist aus einem Holzstamm geschnitzt, was für ein Meisterleistung bei der Größe. Holz arbeitet und reißt, deshalb wird der Holzkern vor dem Schnitzen entfernt. Auskragende Teile, wie die Arme, werden oftmals angestückt, nicht so hier – spannend!
–>Tipp: Am 24.7.-26.15 bin ich auf einer Bloggerreise zur Caritas-Ausstellung – Bericht folgt!

Linotype aus dem FF – tradiertes Wissen aus erster Hand“ – TECHNOSEUM, Mannheim (10.7.15)

Wunderbar – das Wissen von Menschen wird vom TECHNOSEUM aktiv angezapft, ehrenamtliche Mitarbeiter so gewonnen. Herbert Schmitt (85 Jahre) wartet und pflegt die Linotype in der Druck- und Satzabteilung des Museums. Sympathisch porträtiert das TECHNOSEUM den Fachmann, der viele Techniken in seinem Berufsleben hat kommen und gehen sehen. 14-Jährig begann er seine Ausbildung zum Schriftsetzer und später Maschinensetzer. Die Kuratorin erlebte eine Linotype-Vorführung von ihm „Auf dem Mosbacher Buchmachermarkt“. Grund genug, ihn auf Mithilfe anzusprechen – sehr fein!
–>Tipp: Blogsteckbrief TECHNOSEUM

Wie sich Kunstausstellungen gestalten oder was macht eigentlich ein Ausstellungsgestalter“ – Kunstmuseum Bern (10.7.15)

Ich habe auch mal mit Ausstellungsgestaltern zusammengearbeitet und es war sehr bereichernd. Sie sehen Dinge anders als die Museumsfrau/-mann. Klar, wir wissen, was die Kernaussage eines Objektes bzw. einer Ausstellung ist. Der Ausstellungsgestalter hilft uns dabei, diese durch die Art der Präsentation zu emotionalisieren. Sie sollen ein Gefühl vermitteln, uns zum Nachdenken anregen. Wunderbar ist der Spruch des Taxi Drivers: „Everybody go different way to see the same thing“. Wenn Bern nicht so weit entfernt von München wäre, dann sähe ich sehr gerne Gestaltung und Ausstellung „Stein aus Licht. Kristallvisionen in der Kunst“ (bis 6.9.15). Bitte Feedback, wenn jemand von euch dort war!

Ein fantastisches Spektrum aus der Museumswelt, oder? Was sprach dich besonders an? Ich freue mich, wenn du den Lesestoff weiterteilst und verbreitest – danke sehr!


Newsletter KULTUR-MUSEO-TALK

Abonniere meinen monatlichen Newsletter und empfange jeden Blog-Artikel sowie Lesetipps rund um Social Media und Kultur von mir:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.