Achterbahn der Gefühle oder letzte Schritte zur Publikation der Doktorarbeit

Achterbahn der Gefühle – das trifft auf meine Doktorarbeit zu. Damit stehe ich vermutlich nicht alleine da. Adrenalinschübe rauf und runter. Hochs und Tiefs. Dann eine unglaubliche Leere mit Abgabe der Arbeit, bevor der Push für die Disputatio wieder einsetzt. Geschafft! Die Freude ist groß. Wiedergewonnene Freiheiten werden genossen. Ein Schatten ist aber noch da. Warum? Ist doch alles fertig … fast. Die Doktorarbeit befindet sich noch immer in Warteposition. Denn eine Kleinigkeit fehlt, aber die hat es in sich: Aus dem Dr. des. muss ein simpler Dr. werden. Und was ist dazu nötig? Die Publikation. Eigentlich ganz einfach, eigentlich …

… wenn ich nicht erst einmal Abstand zur Dissertation benötigt hätte. Wenn nicht eine Forschungsstelle angestanden, wenn sich nicht die persönlichen Lebensumstände noch einmal drastisch verändert und wenn ich nicht eine neue Aufgabe angetreten hätte. Die Publikation ruhte. Erst mussten gewünschte Korrekturen umgesetzt werden. Dann ging die überarbeitete Version noch einmal ins Lektorat. Jetzt liegt sie mir wieder vor.

Ein Ritual – vom Auspacken bis zur Korrektur

Wie gerne schreibe ich jetzt diese Zeilen. Als die lektorierte Endfassung mit der Post kam, war die Freude groß. Das Paket blieb aber zunächst liegen. Verrückt, jetzt, da das Ende greifbar nah ist und ein langwährendes Kapitel endlich zum Abschluss kommt. Was war los? Ganz einfach: Mein Kopf war voll mit anderen Dingen, die ich noch unbedingt zuvor erledigen wollte. Den Kopf wollte ich aber frei haben, frei für den vorletzten Schritt. Ich hatte großen Respekt vor der Doktorarbeit, vor der Zeit, den Erlebnissen und den Gefühlen, die damit verbunden waren. Immer wieder schlich ich an dem Paket vorbei, nahm es dann mit in den Urlaub (schon wieder) und korrigierte die Arbeit letztendlich an einem Nachmittag bis in die Nacht hinein. Wieder setzte ein Ritual ein: Die Familie schickte ich, wie in den Jahren zuvor schon, hinaus zum Spazieren, auf einen Ausflug und später zum Schlafen, nur damit ich finalement alles erledigen konnte. Damit muss und wird jetzt Schluss sein – es reicht, das Maß ist voll! Stattdessen ruhe ich nun am Abend auf dem Sofa und blogge für das Residenzmuseum, für die Kulturkonsorten, für mein Blog – na, super Ersatz, oder? ;-)

Wenn Ihr also in nächster Zeit recht wenig von mir lest, liegt das daran, dass ich Bibliographie und Abbildungskatalog überarbeite sowie Bildrechte für die Publikation einhole. Die korrigierte Version geht erneut zu den Gutachtern, ihre Genehmigung zur Publikation steht noch aus. Für den Laien ist das kaum nachvollziehbar. Die Arbeit ist doch abgegeben und gut bewertet worden. Reicht das nicht? NEIN. Manches Mal wünschte ich mir das französische System herbei: Abgabe der Arbeit, stundenlanges mündliches durch-die-Mangel-drehen – et voilà, der Doktortitel darf sofort geführt werden. Oh, man …

Odyssee der Endphase – die Arbeit muss weg

Die Endphase der Arbeit war in der Tat heftig – eine Odyssee. Klassische technische Probleme traten auf. Nächte wurden durchgearbeitet, gedopt mit Redbull und co. Am Ende hüpften die Buchstaben und die Zeilen verschwammen auf den Bildschirmen. Meine Augen waren rot und eckig. Die Arbeit sollte auf Teufel komm raus vom Tisch, obwohl noch Zeit blieb, wenn nicht just da ein Umzug angestanden hätte. Natürlich wollte ich mein „Dissertationspäckchen“ persönlich nach Frankfurt bringen. Ich vertraute der Post nicht mehr, denn die verschluckte die erste korrigierte Fassung. Also musste alles noch einmal in absolut kürzester Zeit lektoriert werden, deshalb auch zwei Computer, der eine für die Vorlage, auf dem anderen gab ich die Korrekturen ein. Ihr ahnt schon wie intensiv diese Zeit war. Sie hat sich dauerhaft ins Gedächtnis eingebrannt wie so manches „Kunst erleben“ rund um die Recherche zur Doktorarbeit auch.

Kunst erleben – eine neue Kategorie

Unter „Kunst erleben“ werdet Ihr zukünftig Ausstellungsbesprechungen sowie Geschichten rund um Kunst und Kultur lesen. Denn de facto macht das meinen Umgang mit der digitalen Kulturvermittlung aus. Ohne mein Faible für Kunst und Geschichte und ohne meine Ausbildung zur Kunsthistorikerin, hätte ich dieses neue Aufgabengebiet wohl kaum für mich erschlossen. „Kunst erleben“ begleitete mich durchweg, vor allem während der Dissertation. So manche Reise unternahm ich zu winzigsten französischen Dörfern, nur um mir dort eine Skulptur anzuschauen, sie zu fotografieren und zu analysieren. Manchmal irrte ich durch fast geisterhafte Ortschaften, klingelte an irgendeiner Haustür in der Nähe der Kirche, um denjenigen zu finden, der sie mir aufschloss und mich hineinließ. Verrückte und emotionsgeladene Gespräche und Situationen erlebte ich dadurch. Beispielsweise …

… die Tränen von Mainneville

Absolut doppeldeutig. Hier traf ich die Tochter des nur wenige Tage zuvor verstorbenen Pastors. Unter Tränen berichtete sie von der Passion ihres Vaters. Er hütete mit Hingabe die Statue Ludwigs IX., des 1297 vom Papst heilig gesprochenen französischen Königs. Sie ist Schlüsselfigur meiner Dissertation. Hoppla, jetzt kommt die Kunsthistorikerin durch. Sowohl seine Darstellung als auch die hier aufgestellte, vom selben Bildhauer geschaffene Madonna sind herausragende Zeugnisse der Kunstschöpfungen unter Philipp IV. dem Schönen (gest. 1314). Nur wenig hat sich aus dieser Zeit bis heute überliefert. Ganze Skulpturenzyklen und enorm viele Königsfiguren, die dieser illustre Souverän anfertigen ließ, verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Umso trauriger stimmte es mich, die „Tränen“ auf den Statuen zu sehen – Klimatränen, Feuchtigkeitstropfen, die langsam aber sicher die Skulpturen unwiederbringlich zerstören werden. Schon in den 1930er Jahren versuchte der Louvre, die beiden Werke zu vereinnahmen – erfolglos. Jetzt ist es absolut zwingend erforderlich sie zu schützen. Nur leider ist das nicht einfach aufgrund der durch die französische Revolution bedingten Strukturen. Das ist ein anderes Thema. Kunst erlebte ich hier mit und unter Tränen.

Achterbahn der Gefühle trifft voll und ganz auf die Doktorarbeit zu. Jetzt stehen also die letzten Publikationsschritte an. Was wird es denn? Ein Buch, ein e-book oder wird die Dissertation via Bibliotheksserver veröffentlicht? Nun, dazu muss ich mir noch Gedanken machen … Eines ist jedoch sicher – „Kunst erleben“ wird zukünftig mit Leben gefüllt!

Ich wünsche Euch allen eine ruhige Festtagszeit!


Nachtrag – geschafft der Doktortitel ist da!

Meine Dissertation ist mittlerweile als pdf online verfügbar: „Ludwig IX. der Heilige – eine Zäsur für die monumentale französische Königsdarstellung. Bildkonzepte der Zeit Philipps IV.

Weitere Infos zur Disputation: „11 Tipps für die Disputatio: Vortrag und Diskussion

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7 Kommentare

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  6. Liebe Tanja,

    das klingt wirklich nach einer Achterbahn! Ich wünsche Dir für die letzten Schritte alles Gute und viiiiiel Erfolg und das nötige Quäntchen Glück. Es hilft nicht viel, aber anderen geht es genauso bei der Publikation. ;)
    Ich freue mich schon, mehr über „Kunst erleben“ zu lesen.

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Wera

    • Tanja Praske

      Liebe Wera,

      merci für die Glückwünsche! Ja, eine Achterbahn hoch zehn war sie. Jetzt ist der Endspurt eingeläutet und das stimmt mich froh. Ich bin sehr berührt über die positive Resonanz im Netz zur neuen Kategorie „Kultur erleben“ – eine Herzensangelegenheit… und neue Ufer, auf die ich mich freue.

      Dir wünsche ich auch eine feierliche Zeit und einen prima Start ins Jahr 2013!

      Tanja