#webseidank – weil es als Mutter und Kunsthistorikerin weitergeht

#Webseidank, last minute mäßig mache ich bei der Blogparade von unserleben.digital mit. Ich schreibe jetzt frei nach Gusto oder soll ich sagen frei Schnauze? Noch zögere ich im Web Wörter wie diese zu nutzen. Manches Mal möchte ich ein „Scheiße“ rausbrüllen und mache daraus ein „Mist“. Das Web vergisst nicht. Es bleibt alles präsent, was wir da so hinausposaunen. Holla, der erhobene Zeigefinger, Obacht also. Strategie, Strategie, Strategie … gähn! Wo ist das Keyword? Gibt es nicht – wie geht Familie und Beruf? Im Netz fein!

Rosaroter Hauseingang mit Tisch und zwei Stühlen davor. Das Bild steht symbolisch für die Chancen, die das Web bieten und damit für die Blogparade #webseidank von unserleben.digital

#webseidank – das Netz ist nicht rosarot, aber es bietet Chancen. Auf Instagram ist es mein am meisten geliktes Bild, ein verteufelter Mädchentraum? Motivsuche und Ideenjagd begleiten mich, seitdem das Web mich 2011 infizierte.

Fein, fein, fein – Familie und Beruf das muss sein!

Huch, da ist das böse Wort – fein! Unnötige emotionale nichtsagende Attribute haben im Web nichts zu suchen, oder? Vollkommener Schmarrn! Will ich so schreiben, dann tue ich das. Wirst du zukünftig über Scheiße lesen, dann passiert das. Etwa bei mir? Vielleicht. Vielleicht ist ja schon alles Mist. Aber dann bräuchte ich bei der Blogparade erst gar nicht mitzumischen. Dann bräuchte ich hier morgens früh um 6:00 nicht auf dem Sofa sitzen, während das Haus ruhig ist, die Bande schläft und ich Muße für einen Post wie diesen habe. Denn trotz aller Risiken – das Web ist definitiv nicht rosarot -, überwiegen bei mir die positiven Seiten: Es ermöglicht mir, Familie und Beruf zu vereinen und das dann noch als Kunsthistorikerin. Eine Berufswahl, mit der ich eigentlich den schwarzen Peter zog, lebte ich nicht nach der Maxime „wo ein Wille ist, da ist ein Weg“. Keine Bange, wohlfeiende Sprachhülsen werden ich jetzt nicht aneinanderreihen.

Plötzlich will dich keiner – am Arbeitsmarkt vorbei ausgebildet

Weißt du wie „scheiße“ es sich anfühlt, wenn du nach langer Ausbildung und einem Forschungsjob über Emotionsdingensda in der bildenden Kunst auf der Straße stehst, arbeiten willst, dabei schon fast egal ist was, weil du den Männe unterstützen möchtest, ihm Druck wegnehmen möchtest? Und du dann nicht vermittelbar bist als Kunsthistorikerin mit Kindern und Familie (in Teilzeitarbeit und als Mittelalterspezialistin). Ups, ich vergaß das „Promovierte“ hinzuzufügen. Das ist nämlich schon ein definitives knock-out-Kriterium für den „regulären Arbeitsmarkt“. Wer will denn eine mit Titel für einen stinknormalen Bürojob einstellen? Keiner! Ich bin froh darum, dass das so war! Zwangsläufig musste ich mich anders orientieren. Und was passierte am Ende?

Den Kunsthistoriker an den Nagel hängen und dann erst recht

Da war ich bereit nach vielen Jahren, vielen Tränen und unglaublichen Adrenalinschüben sowie einer gehörigen Portion Idealismus, den Beruf der Kunsthistorikerin an den Nagel zu hängen, aufzugeben, um etwas Anderes zu tun. Ich schnitt alte Zöpfe ab, flennte danach den ganzen Tag über die Entscheidung, bis ich irgendwann später merkte – wow, der Ballast ist weg, ich fühle mich frei, ein irres Gefühl.

Was dann passierte war noch irrer. Keine zwei Wochen nachdem ich meinen Prof darüber informierte, keinen Projektantrag bei der DFG einzureichen, weil ich nicht mehr an der UNI arbeiten werde, weil ich nicht mehr als Kunsthistorikerin tätig sein werde, genau da flattert die Einladung zum Vorstellungsgespräch als Wissenschaftliche Volontärin in der Museumsabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung rein und das, obwohl ich in der Bewerbung angab „als Mutter von zwei Kindern möchte ich die Stelle in Teilzeit ausüben“.

Und dann kam das Digitale

Rede ich um den heißen Brei herum. Für mich definitiv nicht. Das Digitale und damit das Web erwischte mich im Volontariat mit voller Wucht. Erste Tätigkeit: Texte für die Ludwig II.-App zu schreiben. Zweite Tätigkeit: sondieren und begründen, welche Social Media Präsenzen für das Residenzmuseum Sinn machen. Die Fortsetzung kennst du, wenn dir mein Blog bekannt ist bzw. lies einfach rein, dann weißt du Bescheid.

#webseidank – spannende Menschen und Hilfe

Dann schaue ich, wie das mit Twitter funktioniert, funke jemanden an, der mir damals gänzlich unbekannt war, ob er mir helfen könne, wie ein Tweet abzusetzen ist oder so ähnlich. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo das Problem lag. Aber Christian Gries half mir, abends um 23 Uhr oder so. Dann lernte ich noch Harald Link und Sybille Greisinger kennen. Führte mit ihnen meinen ersten Tweetup in der Grünen Galerie der Residenz München durch. @QWoo zwitscherte damals die heutigen Kulturkonsorten an, ob vom Museum denn jemand auch twittert – nicht vergessen, das war 2011. Und schwupps war ich schon bei der Gang dabei, das Digitale erwischte mich.

Ich spielte Ping Pong mit Websparringpartnern, die ich noch nie traf. Als es dann endlich soweit war, dass ich Anke von Heyl aka @Kulturtussi traf, war ich nur happy – eine Seelenverwandte? Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Fakt ist, dass mir der Austausch mit ihr, den Herbergsmüttern, Anne und Marc von den Kulturfritzen sowie den anderen digitalen Spielern wichtig ist. Sorry, dass ich euch jetzt nicht alle hier aufführe, ihr seid viele, die mir wichtig sind! Ihr alle setzt neue Impulse, Ideen entstehen, Hilfestellung erfolgt: ein Geben und Nehmen. Dafür schätze ich das Web.

Ich liebe aber auch die Überraschungen und genau die hält das Web grundsätzlich für mich bereit. Ich liebe die Ideen, die daraus entstehen. Ich liebe es zu spielen, zu experimentieren. Ich liebe es zum Nachdenken anzuregen (siehe Kultur-Blogparaden, zuletzt #KultTrip). Ich liebe es für Kunst und Kultur zu begeistern.

Chancen als Webworker und Kunsthorikerin

Jep, über das Digitale landete ich mitunter wieder an der Uni. Dieses Mal als Lehrbeauftragte zur digitalen Kulturvermittlung und ich bin gerne dort, möchte gerne die Studenten mit den neuen Möglichkeiten des Webs infizieren (siehe Tweetup #BronzeBreak) – Kunstgeschichte und schwarzer Peter muss nicht sein!

Als Bloggerin tausche ich mich mit Kuratoren aus, löchere sie, zuletzt geschehen anlässlich der Ausstellung „Überleben“ von Wolfgang Brech (läuft nur noch bis zum 4.9.16), führe digital-analoge Vermittlungsformate durch, merke dir schon mal den 8.10.16 vor, Infos bald hier im Blog und es stehen einige spannende digitale Projekte an. Das Ganze dann als Mutter, Kunsthistorikerin sowie digitale Geschichtenerzählerin.

Jetzt sitze ich also auf dem Sofa, schreibe ins Web, bin unabhängig von irgendwelchen Öffnungszeiten und einfach nur happy über die Situation und die Möglichkeiten, die mir das Web bietet, menschlich wie beruflich – #webseidank!

So, done und jetzt fahre ich mit Mini und Freund in den Tierpark Poing – wie war das noch gleich mit Web und Familie! Hollario!

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4 Kommentare

  1. Ich finde es sehr motivierend, dass Du so einen Weg mit Ecken, Biegungen, Einbahnstrassen, Brücken etc. gegangen bist. Und dabei immer bei „Deinem“ Thema geblieben bist.
    Ich glaube die Online-Welt ist wirklich toll für Mütter, auf dass wir noch mehr werden!

    • Tanja Praske

      Ach, liebe Angelika,

      soo schön, dass du dich hier meldest und danke für das Lob!

      Wenn ich andere damit motivieren kann, dann hat der Post das erreicht, was ich mir wünschte. Du bist die erste hier. Die Diskussionen haben sich auf Facebook verlagert. Dort wird in einer Kunstgeschichtsgruppe darüber diskutiert. Bezeichnet dabei, zu 99 % likten es Frauen und viele für die Gruppe. Ich berührte damit einen Nerv.

      Was mir aber viel wichtiger ist: mir meine Gedanken einmal von der Seele geschrieben zu haben. Es war eine harte Zeit, immer war es eine harte Zeit, gerade für „Bekloppte“ wie mich, die unbedingt Kunstgeschichte studieren wollten. Gleichzeitig dachte ich mir, es wird schon, mit rosaroter Brille bin ich auch nichts ans Studium gegangen oder habe das Doktorat gestartet. Es wurde ja immer bei mir. Ich würde fast alles genauso erneut machen. Nun gut, die Doktorarbeit sollte definitiv schneller geschrieben werden, trotz aller Lebensumstände.

      Ja, und jetzt gibt es das Digitale mit vielen Optionen, die frau erkennen und ergreifen muss. Ja: auf das wir mehr Mütter in der Online-Welt werden.

      Freue mich darauf, dich hoffentlich beim nächsten Ironblogger-Stammtisch zu treffen und zu sprechen.

      Herzlich,
      Tanja

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