Das etwas andere Syrien… seine Gesichter, seine Künstler

Von Syriens Schulen letzte Woche zu Künstlern aus Syrien in dieser… Weil wir gerade bei dem Thema sind, möchte ich Ihnen heute eine ganz andere Seite des Landes zeigen – eine, die in den aktuellen Nachrichten so gar keinen Platz findet. Und das ist sehr schade. Es gibt dort nämlich eine ganze Reihe erstaunlicher Künstler, denen trotz Krieg und aller Unbill die Schaffenslust nicht abhandengekommen ist – ganz im Gegenteil. Und für unseren Ausflug zu den Malern und Bildhauern im Land und in der Diaspora brauchen Sie weder einen Pass noch eine kugelsichere Weste. Denn über 700 von ihnen sind in einer wunderschönen virtuellen Galerie vertreten, in die ich Sie mitnehmen will. Diese hat auch einen Namen – Creative Havens, ein Projekt der Kulturorganisation Syria.Art, die sich um die Förderung syrischer Kunst und Kultur in der Welt kümmert.

Künstler im Atelier, umgeben von Farben und Leinwand. Syrien Künstler.

Syriens und seine Künstler. Im Atelier © Syria.Art

Syrien – 11.000 Jahre Geschichte im Zeitraffer

Aber zuerst eine kleine tour d’horizon durch die 11.000 Jahre alte Geschichte Syriens. Die fortgeschritteneren Semester unter uns erinnern sich wahrscheinlich noch dunkel an die Geschichtsstunde, als von der Levante die Rede war, also den Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeers, wozu eben auch Syrien zählt. Und mal abgesehen von den bedeutenden Hinterlassenschaften prähistorischer Höhlenartisten in Westeuropa, stand die eigentliche Wiege der Zivilisation just hier, in Syrien. Um 9.000 vor Christus – also vor elftausend Jahren – begann die Menschheit just in dieser Ecke, sich vom Jäger zum Bauern zu entwickeln. Bronze- und Kupferwerkzeuge wurden entwickelt, und schnell war es Mode, diese mit individuellem Design zu veredeln. Das erste große Zentrum der neolithischen Kulturen war geboren.

Historische Karte von Syrien

Historische Karte des Mittleren Ostens, Samuel Butler auf Wikicommons.

Von hier ist es nur ein kleiner Schritt zum ersten Alphabet, und diesem folgen weitere Pfeiler der sesshaften Gesellschaft: Religion, Philosophie, Handel, Architektur und Stadtentwicklung. Kurz gesagt, die erste bekannte menschliche Zivilisation nimmt mächtig Anlauf, und die Region wächst, blüht und gedeiht. Selbst der internationale Handel bis nach Anatolien lässt nicht lange auf sich warten.

Insgesamt entsteht hier über die nächsten Jahrtausende ein einmaliges Weltkulturgut, das die Menschheit bis heute beeinflusst. „Jeder zivilisierte Mensch hat zwei Heimatländer – sein eigenes und Syrien“, wie der berühmte Archäologe und Louvre-Kurator André Parrot einmal so trefflich sagte.

Das weckt natürlich Begehrlichkeiten… und die Folge davon ist ein bunter Reigen an Eroberern, die Syrien zum Schauplatz einer bewegten Geschichte macht. Die Einzelheiten überspringen wir jetzt mal großzügig, denn sie sind ja bei Bedarf nachzulesen bei Alexander dem Großen, dem Apostel Paulus, im legendären Klett-Cotta, oder auch auf Wikipedia. Aber kurz gesagt, Syrien ist das Land, das das legendäre Palmyra hervorgebracht hat…. oder auch die Omayyaden-Moschee in Damaskus, deren heutige Architektur aus dem achten Jahrhundert n.Chr. stammt und die als Bauvorlage für manch eine christliche Basilika gedient hat.

Foto von der Fassade der Omayyaden-Moschee in Damaskus bei Sonnenschein.

Omayyaden-Moschee Damaskus, Wikicommons

Syrien heute: Zwischen Krieg und Kreativität

Wir selber katapultieren uns jetzt aber direkt ins 21. Jahrhundert. Nein, über Assad und seine Henker oder die fanatischen Religionsideologen reden wir hier nicht. Und schon gar nicht über Migrationspolitik.

Wir reden lieber über die Syrer selber. Ihre Geschichte an der Schnittstelle von Kriegen, Eroberungen, Kreuzzügen und Unterwerfung hat sie zu einem toleranten, gastfreundlichen Volk gemacht. Es waren die Syrer, die seit Jahrtausenden traditionell ihren befehdeten Nachbarn die Türen öffneten und ihnen Schutz vor Verfolgung boten. Es waren die Syrer, die sich an diverse Religionen und Herrscher du jour anpassten, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen. Und es waren wiederum die Syrer, die jahrtausendelang ihre Kultur gepflegt und entwickelt haben, vor allem die Literatur… bis in den letzten Jahrzehnten islamische Fundamentalisten ans Ruder kamen und alles, was auch nur ansatzweise Kunst war, zu zensieren versuchten.

Künstler, die dem Regime nicht genehm sind, werden bedroht, verfolgt, oder sogar eingesperrt. Während viele als demonstratives Zeichen der Opposition bleiben und sich für ihren friedlichen Protest mit Leinwand und Pinsel bewaffnen, beschließen andere, das Land zu verlassen und in der Ferne weiterzuarbeiten. Die blühende syrische Künstlerszene zerstreut sich also in alle Winde. Eine weltweite Diaspora entsteht. Als Flüchtlinge oder Migranten wollen sie sich aber nicht verstanden wissen, denn ihr Ziel ist es nicht, nur einfach wegzugehen und weit weg der Heimat zu Bittstellern zu werden, sondern sie wollen genau das Gegenteil – der Welt etwas schenken… ihr Talent, ihre Kreativität, ihr Können.

Bild einer Meerbucht in Syrien mit Text von Kahled Youssef. Künstler aus Syrien.

Text und Photo: Khaled Youssef.

Aber hier wie dort – man könnte meinen, dass das Malheur, das Leid, und die ständige Gefahren, denen das Volk ausgesetzt ist, sich auf den künstlerischen Ausdruck niederschlägt. Tut es auch – aber nicht so, wie man vermutet: Je schwieriger die Situation wird, umso bunter, üppiger, und dynamischer werden die Arbeiten. Formen, Farben und Stil scheinen nur so zu explodieren, ganz so, als wolle man ein massives Ausrufezeichen gegen Tod und Finsternis setzen. Statt Verzweiflung wird Hoffnung thematisiert, und so manch ein Oeuvre hat einen recht ironischen Subkontext.

Warum das so ist? Nun, es ist eben jene Zensur, die die Kreativen dazu bringt, sich auf andere Weise auszudrücken und so gegen das Regime zu rebellieren. Das Suchen – und Finden – des Schönen im Elend ist fester Bestandteil der DNA dieses geplagten Volkes. Was dabei herauskommt, erregt in der weltweiten Kunstkritikerszene Aufsehen, zählt es doch zum Besten und Originellsten, was die internationale kontemporäre Künstlerlandschaft derzeit zu bieten hat.

Und das wollen wir heute einmal im Detail beleuchten.

Logo von Syria.art

Syria.Art – eine Netzgalerie

Creative Havens und Syria.Art – was steckt dahinter?

In Abwandlung eines Bibelzitats war hier das Bild am Anfang… und das Wort kam später. Schon seit 2012 verschrieb sich eine kleine Gruppe kunstinteressierter Freunde der Aufgabe, diesen talentierten syrischen Künstler zu helfen, allen voran die in Trier lebende französische Digitalkünstlerin Danii Kessjan. Und so wurde aus verschiedenen Vorläufern 2015 dann formell Creative Havens: Syrian Artists And Their Studios gegründet, einer virtuellen Galerie, um deren Arbeiten mit der Welt zu teilen. Ebenfalls mit von der Partie seit 2015, Dr. Khaled Youssef, ein in Nizza beheimateter Arzt, der auch selbst ein hoch talentierter Fotograf und Schriftsteller ist. Von ihm war ja an dieser Stelle schon mehrfach die Rede – Sie wissen schon, der Blasenspezialist….

Weitere Geburtshelfer der virtuellen Galerie sind der angesehene syrische Architekt Humam Alsalim, der nach wie vor in Damaskus lebt, der renommierte DJ und Musiker Helmut Kraft und Schatzmeister Frédéric Castellino, beide in Frankreich zu Hause.

An die 700 syrische Künstler werden hier mitsamt ihren Arbeiten vorgestellt, zum Teil mit ausführlichen Interviews, Fotostrecken, und Videoportraits. Nach und nach wird jeder sein vollständiges Profil bekommen, so dass diese Plattform letztendlich zum echten „Marktplatz“ wird. Manche dieser Artisten haben bereits einen Stammplatz in führenden modernen Kunstmuseen, wie z.B. der Popart-beeinflusste Khaled Takreti, dessen Arbeiten von Paris bis Hong Kong und überall dazwischen heiß begehrt sind. Aber auch talentierte Amateure und Newcomer dürfen zeigen, was sie draufhaben.

Arbeit von Khaled Takreti. Fünf Büsten in schwarz weiß mit bunt. Künstler aus Syrien.

Khaled Takreti – © Syria.Art

2016 gründen Khaled Youssef, Danii Kessjan und Humam Alsalim dann die gemeinnützige Kulturvereinigung Syria.Art  gegründet, um das Projekt Creative Havens finanziell, logistisch und operationell zu unterstützen. Diese Organisation hat es sich aber vor allem vorgenommen, die Diversität und Dynamik kontemporärer syrischer Artisten außerhalb des Landes und auch der breiten Bevölkerung – nicht nur den Kunstpäpsten – bekannt zu machen. Aber nicht nur um bildende Künstler egal welcher Disziplin geht es hier, sondern auch um Literatur, Musik, und Kultur im Allgemeinen. Was man sich als übergeordnetes Ziel gesteckt hat, ist die Anerkennung einer Neuen Syrischen Schule – einer Kunstrichtung genährt von der Energie und den Emotionen ihrer Künstler. Denn selbst wenn die Kreativen optimistisch zu bleiben verstehen, gehen Krieg oder Exil nicht spurlos an einem vorüber.

Aber – und das zu vermitteln ist der Organisation ein wichtiges Anliegen! – Syria.Art ist streng apolitisch und sekulär, ohne jeden ideologischen Daseinszweck, und ausschliesslich der Kunst und Kultur gewidmet.

Während Creative Havens die Online-Galerie ist, organisiert Syria.Art auch internationale Ausstellungen in real existierenden Mauern. Davon fanden zum Beispiel im letzten Jahr drei auf Einladung einflussreicher Universitäten und Galerien in Kanada und den USA statt, denn das Potential dieser talentierten Kunstschaffenden hat sich sehr schnell herumgesprochen.

Aufnahme in Ausstellung “Behind The Lines” (2016) in Penticton Art Gallery, Penticton, B.C., Kanada © Syria.Art. Künstler aus Syrien

Ausstellung “Behind The Lines” (2016) in Penticton Art Gallery, Penticton, B.C., Kanada © Syria.Art

Syriens Künstler ❤ Almania

Auch in Deutschland haben sich etliche syrische Artisten niedergelassen, und von denen will ich Ihnen hier einige wenige vorstellen. Was besonders dabei auffällt, ist, dass jeder davon seine eigene Handschrift hat, doch dass sich immer und immer wieder die eigenen Erlebnisse reflektieren. Schauen Sie sich unbedingt die Diaporamen auf den jeweiligen Seiten an, denn Sie werden dabei eine ungeahnte kreative Qualität entdecken. Und wenn Sie genau hinlesen, wird Ihnen noch etwas auffallen, woran Sie anfangs kaum denken…

Obaidah Zorik

Hätte Kafka einen geistigen Zwilling in der bildenden Kunst, so wäre es wohl Obaidah Zorik. Nach dem Abschluss seines Kunststudium in Damaskus zog der junge Maler 2015 nach Bremen, um dort weitere Studien in Bildhauerei zu verfolgen. Ein Meister in der Technik, Farben und Volumen zu fusionieren, findet sich in seinem Werk ein nahtloser Übergang von abstrakten, figurativen und expressionistischen Elementen. Surrealismus, Mystizismus und Transparenz vereinen sich hier, um eigene Universen zwischen Sein und Schein zu schaffen. Schon jetzt wird der 27jährige als ein zukünftiger Großer gehandelt.

Werk von Obaidah Zorik © Syria.Art

Obaidah Zorik © Syria.Art

Omar Shammah

Der 25jährige Damaszener Omar Shammah, der seit 2015 in Bremen lebt, stellt seine künstlerische Begabung am liebsten in den Dienst des graphischen Designs. Er hat 2012 gleich mit seinem Erstlingswerk Furore gemacht: Seine animierte typographische Zeichnung „Alphabet Town“ stellt das tägliche Leben im syrischen Bombenhagel anhand von Wohnblocks dar. Verpassen Sie auf gar keinen Fall das Diaporama in seinem Portrait, es lohnt sich unbedingt. Und auch dieses karikierte Selbstportrait verrät einiges über seinen Stil und sein Talent:

Karikatur eines Mannes in schwarzweiß, Selbstporträt. Künstler aus Syrien. Obaidah Zorik

Omar Shammar © Syria.Art

Fadi Al Hamwi

Der heute in Berlin lebende anerkannte Maler Fadi Al Hamwi hat in den letzten Jahren bereits in Damaskus, Beirut, London, Kanada und den USA ausgestellt. Er schaut gerne hinter die Kulissen des Daseins, und das zeigt sich in seinen Arbeiten, die oftmals die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes mit Röntgenaugen durchleuchten. Bei ihm vermischen sich auch gerne menschliche und tierische Welten, wobei er dem Kopf als Sitz der Ratio eine besondere Rolle zuschreibt.

Buntes Bild, Frau im Hochzeitsgewand mit Tierkopf und Mann auf blauen Grund. Gemälde von Fadi Al Hamwi. Künstler aus Syrien

Fadi Al Hamwi © Syria.Art

Layali Alawad

In Aachen geboren, lebte die syrischstämmige Malerin Layali Alawad lange in Damaskus, bevor sie dem ebenso sinn- wie endlosen Krieg entrann und nach Deutschland zurückkehrte. Das Talent liegt in der Familie, ist doch ihr Vater Ibrahim Al Awad ein Großer seines Faches. Ihre Spezialität sind Gesichter, für sie der Spiegel der Seele, der Gefühle und des Erlebten. Besonders die Gesichter von Frauen haben es ihr angetan, auf denen sich unsagbare Traurigkeit und Verzweiflung widerspiegelt. Ihre Väter, Brüder, Ehemänner oder Söhne sind weg oder tot. Und dennoch kämpfen sie tapfer um jeden Schimmer Hoffnung…

abstrahierter Frauenkopf auf buntem Grund von Layali Alawad. Künstler aus Syrien

Layali Alawad © Syria.Art

Naser Nassan Agha

Aleppo. Wenn man von dort kommt, hat man einiges zu berichten. Naser Nassan Agha tut das durch seine Bilder. Er malte selbst dann noch, als ihm die Bomben um die Ohren pfiffen. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Erst die Explosionen… und dann die beängstigende Kraft des Meeres, wenn man in einer kleiner Nußschale darauf herumtreibt… seine Erlebnisse verarbeitet er in Werken, denen Kenner Musikalität und Poesie zuschreiben. Aber nicht nur Aleppo inspiriert ihn, sondern auch seine Wahlheimat Bremen, in der er seit 2015 lebt, und so kommt es, dass sich hier oft syrische Architektur neben gotischen Dombögen wiederfinden. Auch Frauen und Mutterschaft ein oft wiederkehrendes Motiv in seiner Arbeit, repräsentiert durch die mythische Göttin Ishar.

Naser Nassan Agha © Syria.Art

Gemälde von Naser Nassan Agha. mythische Göttin Ishar. Künstler aus Syrien.

Naser Nassan Agha © Syria.Art

Tammam Azzam

Der ausgebildete Ölmalereispezialist Tammam Azzam hat schon seit Jahren von sich reden gemacht und international ausgestellt. Als ihn der englische Street Artist Banksy entdeckt, beginnt er zu experimentieren, und das digitale Medium gefällt ihm besonders gut. Seine Arbeiten werden zunehmend zu Hybridkunst zwischen Pinsel und Pixel. Und damit schafft er es, dass selbst Zerstörung noch zur Ästhetik wird. Tammam Azzam lebt derzeit in Deutschland in künstlerischer Residenz.

Street Art auf Ruinen in Syrien von Tammam Azzam

Tammam Azzam © Syria.Art

Vom Jasminduft zur Nordseeluft

Ist es Ihnen aufgefallen, dass es etliche Artisten ausgerechnet nach Bremen verschlagen hat? Nun gilt die Weserstadt ja gemeinhin nicht unbedingt als der Nabel der modernen Kunstwelt. Aber es hat sich schnell herumgesprochen, dass sie ihren talentierten Neubürgern gerne entsprechende kreative Möglichkeiten in Form von Arbeitsräumen und Ausstellungsmöglichkeiten schafft. Und diese nehmen sie dankbar an. In Frieden und Sicherheit, blühen sie hier auf. Vor allem haben sie aber das Gefühl, nicht Bittsteller zu sein, sondern einen konkreten kulturellen Beitrag für Deutschland leisten zu können. In Bremen haben mehrere von ihnen ein informelles Kollektiv geschaffen, das es in der Form kein zweites Mal in Deutschland gibt, nicht mal im avantgardistischen Berlin, kreativen Köln, oder kunstbeflissenen München.

Der Bogenschlag zu Nizza

Wenn Sie jetzt noch wissen wollen, ob das irgendwas mit Nizza – worauf ich doch spezialisiert bin – zu tun hat, so lautet die Antwort natürlich Ja! Denn selbst wenn es sich um eine weltumspannende digitale Galerie handelt, hat sie eben hier in der Stadt ihre Wurzeln und Zentrale. Khaled Youssef, einer der Gründer von Creative Havens und Direktor von Syria.Art lebt und arbeitet hier seit 2007, als Chirurg und Künstler.

Bubble von Khaled Youssef. Spiegelt Uferpromenade von Nizza wider. Künstler aus Syrien

Bubble © Khaled Youssef

Aber nicht nur deswegen sei Nizza ein wichtiger Pfeiler in der Architektur, sagt er. Denn die geographische Lage der Stadt im westlichen Mittelmeer und ihre Jahrtausende alte Geschichte im Fadenkreuz zahlreicher Eroberer – habe sie ebenso wie Syrien zu einer Schnittstelle der Kulturen gemacht, und diese immer zu integrieren gewusst. Selbst die Tragik eines grausamen Attentats teile Nizza nun mit Aleppo und Damaskus. Nizza ist daher für die syrische Künstlergemeinschaft zu Hause und in der Diaspora für geteilte und gelebte Menschlichkeit zum Symbol geworden, und die Wurzeln der virtuellen Galerie in dieser Stadt zu haben, ist ein Hoffnungsträger für alle, egal wo.

Der Blick in die Zukunft

Syria.Art ist gerade mal am Anfang seiner Existenz, hat aber gewaltige Ambitionen. Weitere internationale Ausstellungen und Workshops sind geplant. Ein vierteljährliches Online-Magazin „Jasmin“ erzählt Geschichten von Menschen, Künstlern und Wanderern zwischen Kultur und Kulturen. Natürlich will man die Artisten und ihre Arbeit in den Vordergrund stellen, aber auch eine Brücke bauen, die allen zugutekommt. Man möchte dazu beitragen, Syriens ungerechtfertigt schlechtes Image aufzubessern, den Deutschen und allen anderen sagen, dass man etwas bringen und geben kann, und das auch gerne tut, wenn man nur die Gelegenheit dazu hat. Und letztendlich möchte man ein europäisch-syrisches Kulturzentrum aufbauen. Das ist vielleicht derzeit etwas im Reich der Träume, „aber was ist ein Traum, wenn nicht Wirklichkeit, die mit Verspätung ankommt?“, so Khaled Youssef.

Neun Porträts von Künstlern aus Syrien. Gehören zur Syria. Art.

Syrische Künstler © Syria.Art

Wenn Sie möchten, können Sie Khaleds Traum und dieses grandiose philanthropische Projekt auch mit einem kleinen einmaligen oder monatlichen Beitrag Wirklichkeit werden lassen. Wie, das erfahren Sie hier.

Womit aber diese Erzählung würdiger abschließen als mit dem philosophischen Zitat eines der größten syrischen Malers und Philosophen, Fateh Moudaress (1922 – 1977) auf die Frage hin, wer er sei…

Ich bin Kunst,
Ich bin der Sand des Ostens, der Wahnsinn und Weisheit, Blut und Blumen enthält.
Ich bin der Hass auf das tägliche Brot und ich bin das göttliche Bestreben nach Freiheit.
Ungerechtigkeit ist mir verhasst, Mensch zu sein ist die einzig mögliche Identität und Nationalität.
Ich glaube daran, dass Kunst die Menschheit retten kann, um ein besseres Morgen zu schaffen.
Ich bin Morgen.

 
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