Lustwandeln in und um Nizza – auf den Spuren des Barock

Lustwandeln in und um Nizza fasziniert – sehr treffend zum Tweetwalk in Schleißheim. Von Schloss Schleißheim ist es gar nicht so weit nach Südfrankreich. Mentalitätsmäßig jedenfalls. Denn nicht nur die Bayern haben ihren eigene Lebensart, sondern auch wir hier an der französischen Riviera. Dass wir nicht gerne nach der Pariser Pfeife tanzen, sondern es eher mit den italienischen Nachbarn halten, hat sich ja schon rumgesprochen. Und das gilt schon seit sehr langer Zeit, und für so ziemlich alles. Barock ist da keine Ausnahme. Lustwandeln wir also mal zwischen den Definitionen, Grenzen, Kulturen, Bauwerken…  und auch durch einen ganz besonderen Garten. 

Aufsicht auf den Schlossgarten von Versailles mit Boskettgarten, Fontänen.

Lustwandeln im Schlossgarten von Versailles – das große Vorbild für Barockgärten, auch jenen in Schleißheim. Bildquelle: Commune de Versailles

Barockes Lustwandeln… ein faszinierendes Thema. Sofort ereilen einen Gedanken an reifrock- und perücketragende Schönheiten mit schwindelerregenden Dekolletés. Ein parfümiertes  Spitzentaschentüchlein sinkt diskret zu Boden, und ein galanter Chevalier eilt herbei, um selbiges zu erhaschen. Man fühlt sich epochal in die französischen Lustschlösser zurückversetzt… nach Versailles vielleicht, oder an die Loire, wo die Pariser Nobilität ihre Ferienzweitwohnsitze hatte. Und wenn Sie genau hinhören, erahnen Sie irgendwo in der Ferne eine Bachfuge auf dem Spinett. Diese elegante Variante des Barock, sie existiert und hat ihre Anhänger.

Doch sobald wir uns in den Süden Frankreichs begeben – und dieses Billet kommt ja aus Nizza – wird der Barock ein wenig rustikaler. Oder vielmehr so, wie er einmal gedacht war. Werfen wir einen Blick ins Geschichtsbuch, so erinnern wir uns, dass gerade diese Region lange in italienischer Hand war. Und französischer und italienischer Barock haben recht wenig gemeinsam. Wollen wir einmal zusammen die Hintergründe ausleuchten?

Die obligatorische Geschichtsstunde vor dem Lustwandeln

Schauplatz Trienter Konzil, 1545-1563. Die katholische Kirche, welche ihre Schäfchen großzügig mit Ablässen versorgt, steckt in der Krise. Calvin und Luther treten auf den Plan und treiben die Reformation voran. Das passt den römischen Traditionalisten gar nicht und sie setzen auf eine ideologische Gegenreformation. Jesuiten und Künstler machen sich ans Werk, um eine neue Kunstrichtung zu erschaffen, die man später „Barock“ nennen wird. Im polarisierten 16. Jahrhundert soll damit eine ideale Welt dargestellt werden, die Gegensätze harmonisch miteinander vereinbart.

Schnell breitet sich dieser Stil in den italienischen Kulturhochburgen Rom, Florenz und Venedig aus, von wo aus er den Rest des Stiefels erobert. Aber genauer gesagt, ist Italien im Mittelalter ja kein geografischer Stiefel, sondern reicht weit ins jetzige Frankreich hinein. Und so gehört eben auch die Region zu Füßen der maritimen Alpen zum italienischen Hoheitsgebiet. Diese umfasst auch die Countéa de Nissa und Provinzia, heutzutage besser bekannt als der Kanton Nizza und die Provence.

Sicht hoch in den Himmel Nizzas. Barocke und Mittelalterliche Fassaden. Nizzas Sehenswuerdigkeiten

Mittelalter und Barock treffen sich in Nizza © Riviera Buzz

Italiener und Franzosen – ziemlich beste „Freinde“

Man ist zwar benachbart, aber von den Franzosen haben die Italiener traditionell schon immer recht wenig gehalten. Vom Appenin besehen, sind Asterix’s Nachfahren versnobt, dünkelhaft, feminisiert und höchst unzivilisiert. Um diesem Abhilfe zu schaffen, herrscht eine rege unilaterale Kulturpolitik: diverse A-Listen-Prinzessinnen werden nach Paris verheiratet. Eine davon ist die Tochter des Florentiner Powerplayers Lorenzo il Magnifico. Als Königin Catherine de Médicis macht sie an der Seite von Henri II Karriere. Im eifrigen Bestreben, den Franzosen Stil beizubringen, importiert sie regelmäßig das, was in Italien soeben in voga  ist, an die Seine. Und dazu gehört  auch der Frühbarock, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gerade Fahrt aufnimmt.

Aber selbst das It-Girl der Pariser Society stößt schnell an die Grenzen dessen, was in Frankreich als akzeptabel gilt. Die Gallier halten nämlich umgekehrt die Italiener für dekadent und primitiv. Es gilt also, den Barock in seine Schranken zu weisen. Ein Bernini beispielsweise, oder ein Guarini? Mais non, quel scandale! Nein, nicht die erotischen figürlichen Darstellungen sind gemeint, damit fände man sich ja noch relativ gerne ab. Aber an diesen Kunstwerken ist doch absolut gar nichts dran, was sich in genormte Formen pressen ließe, wie man das in Frankreich so gerne macht.

 

Berninis Ludovica ausgestreckt auf dem Ruhelager. Nizzas Sehenswürdigkeiten.

Bernini: Die selige Ludovica – Bildquelle: Wiki Commons

Von der Kunst, Barock in Ecken und Kanten zu zwingen

Die ob des italienischen Mangels an geometrischer Disziplin entrüsteten Pariser entwickeln also flugs ihre individuelle Version von Barock, das ist man sich und seiner kartesianischen Sophistikation schließlich schuldig. Unterstützt werden sie dabei von den in Paris angesiedelten Protestanten. Diese positionieren sich ebenfalls als Geschmacksautorität, um die schwellende katholische Exuberanz im Zaum zu halten.

Selbst die Botanik kann dem militärisch präzisen Scheren von Bäumen und Hecken nicht entrinnen. Und so entstehen die berühmten Ornamentalgärten. Hier wagt es kein Hälmchen, sich auch nur einen Millimeter außerhalb der Reih und Glied-Formation erwischen zu lassen. Diese Tradition findet später einen großen Fan, und zwar niemanden geringeren als Napoleon. Dem ist es in der Folge dann auch zu verdanken, dass es bis heute in der Hauptstadt lange Alleen mit quadratisch-praktisch-guten Bäumen gibt.

Blattlose, geometrisch geschnittene Bäume in einer Allee in Paris.

Napoleonische Baumallee in Paris – Bildquelle: Amazon Open Repository.

Team Mediterranée tanzt mal wieder aus der Reihe

Die Mittelmeeranrainer in der Ecke von Genua bis Nizza sind da erheblich entspannter. Von eckigen Bäumen will man hier nichts wissen. Das liegt vielleicht an der Tatsache, dass es viel schwerer ist, Palmen und Zypressen einen Baukastenhaarschnitt zu verpassen, oder aber auch an der geographischen Nähe zu Italien. Aber wesentlich wichtiger: hier, in dieser tiefkatholischen Ecke, interpretiert man Barock noch im programmatischen Sinn der römischen Gegenreformation. Kurven, Überschwang, Lebensfreude, Euphorie, Farben, Gold…. es darf hier ruhig „a bisserl mehr“ sein. Und nicht nur in künstlerischer Hinsicht, sondern in allem. Malerei, Musik, Theater, Architektur, Kleidung – alles wird plötzlich üppiger, als ob es sich gezielt von den disziplinlastigen Lutheranern und Calvinisten abzuheben gälte. Und was kümmert’s einen, was Paris vorschreibt, denn man ist ja schließlich, wie gesagt, noch italienisch hier.

 Einmal Barock nach südfranzösischer Art, bitte!

Italien geht’s ähnlich wie Berlin, bloß umgekehrt: „Sexy, aber arm“. Außerhalb der reichen Städte wie Rom, Florenz, Mailand, Venedig, und Turin behilft man sich eben, so gut man kann. Und so kommt es, dass heutzutage der Barock in dieser mediterranen Ecke, die ja erst seit 1860 zu Frankreich gehört, nicht nur ein höchst unfranzösisches italienisches Flair hat, sondern auch im interessanten Kontrast zu seiner Umgebung steht. Die verwendeten Materialien sind schlichter, die Orte sind eher auf lokale Landwirtschaft als auf royale Residenz gebürstet. Und oftmals war nicht genug Geld in der Gemeindekasse, um ein neues Bauwerk zu schaffen. Dann hat man halt genommen, was schon da war, und dem ganzen einfach einen neuen barocken Anzug geschneidert. Da findet sich schon mal inmitten eines 5.000 Seelen-Bergdörfchens gleich neben der Burg aus dem 11. Jahrhundert eine kleine, ursprünglich romanische Kirche, in der man unvermutet einem Hochaltar gegenübersteht, der Barockliebhaber ehrfurchtsvoll in die Knie sinken lässt. Dieser hier steht beispielsweise in St. Rosalie in Tourrette-Levens, kurz vor den Toren Nizzas.

Barocker Hochaltar in Aufsicht, St. Rosalie, Gemeinde Tourrette-Levens, Südfrankreich. lustwandeln

Barocker Hochalter in St. Rosalie, © Gemeinde Tourrette-Levens. #Lustwandeln

Und hier ein Insider-Tip am Rande für diejenigen, die gerne mal abseits der eingetretenen Pfade lustwandeln: irgendein Bestandteil der sakralen Ausstattung von St. Rosalie ist eigentlich immer in der Werkstatt, und die Restauratoren freuen sich darüber, wenn man ihnen bei der Arbeit über die Schulter sieht und dabei jede Menge Fragen stellt.

Jetzt geht’s hoch hinaus

Die Begeisterung für überschwängliches Dekorieren ging hier so weit, dass dadurch sogar ungeplant eine „Nisso-Ligurische Barockstrasse“ entstanden ist. Diese nimmt ihren Anfang jenseits der heutigen Grenze in San Remo, klettert über Breil-sur-Roya, Saorge, und La Brigue steil in die Alpen Richtung Tende, und zieht dann eine Schleife über Fontan, Sospel, L’Escarène und Peillon zurück Richtung Küste, wobei der kleine Umweg über Menton ebenfalls noch lohnt.

Kartenansicht mit Barockroute durch Südfrankreich und Italien. Lustwandeln

La Route du Baroque im italienisch-französischen Grenzgebiet © Departement06

Fast alle dieser kleinen Orte kleben unmittelbar an der Bergwand, gute anderthalb Kilometer über dem zu Füssen liegenden Meeresspiegel. Aber der Umweg und die Höhenangstschweißperlen lohnen sich. Denn was man hier findet – nahezu ausnahmslos natürlich in Form von Sakralbauten – gehören schon zum Feinsten, was regionaler Barock so hervorgebracht hat. Auf dem Rückweg kommt man noch in La Turbie, Èze, Monaco und Villefranche vorbei – wiederum jeder Ort eine Auster, in denen sich wunderschöne barocke Perlen verstecken. Und dann der krönende Höhepunkt: Nizza.

Kann üppiger Barock auch diskret sein? So geht’s!

Auf den ersten Blick mag einem Nizza gar nicht so barock erscheinen. Die mittelalterliche Altstadt und die geschäftige Neustadt stechen davon optisch massiv ab. Sie nehmen gleichzeitig den größten Teil der Aufmerksamkeit in Anspruch. Aber beim genaueren Hinsehen, und vor allem auch beim Hinter-die-Kulissen-gucken wird man doch schnell fündig. Und dann steht man plötzlich vor der Qual der Wahl: Gleich zehn barocke Glanzstücke von international gewürdigter Qualität buhlen um des Besuchers Gunst. Wenn man sich denn unbedingt für was entscheiden muss, dann wäre dies unsere persönliche Hitparade:

Alle Wege führen nach Cimiez

Das wohl edelste Beispiel frühen Barocks in Nizza steht in Cimiez, einem der innerstädtischen Hügel und daher relativ geschützt vor der Invasion der Touristendoppeldeckerbusse. Inmitten eines 2.000 Jahre umspannenden architektonischen Potpourris aus Römerforum und der bourgeoisen Matisse-Villa erhebt sich das wunderschöne Kloster aus dem 16. Jahrhundert. Bier gibt’s hier keines bei den Franziskanern, aber dafür umso mehr Kunst. Die venezianisch angehauchte frühbarocke Fassade der Klosterkirche gibt schon einen Vorgeschmack auf  das reich gestaltete Innere, und das angrenzende Kloster ist ebenfalls sehenswert. Ein integriertes Museum gibt Aufschluss über seine bewegte Geschichte.

Von Sonne erleuchtete Fassade des Klosters von Cimiez bei Nizza

Monastère des Franciscains in Nizza-Cimiez, 16. Jahrhundert. © Mary M. Payne

Aber das ganz besondere Bonbon, und besonders gut zum Lustwandelthema passend: der weitläufige, terrassierte Klostergarten, der zeitgleich mit der Gründung des Monasteriums angelegt wurde. Dies ist die älteste noch aktiv bepflanzte Gartenanlage Frankreichs… über 500 Jahre alt! Und sie ist ein wahres florales Kleinod. Hier finden sich lauschige Lauben und uralte Bäume mit ebenso alten Rosenstöcken. Ihr betörender Duft lädt zum Weilen ein. Oder möchte man doch eher den Kräutergarten mit seinen Aromen erkunden… den Lavendelduft einatmen… am Rosmarin schnuppern… den Schmetterlingen beim Gaukeln oder den Kolibris beim Trinken zusehen… oder den Panoramablick über das Flusstal, die Alpen und das Meer genießen? Neuerdings gibt’s auch eine Bienenkolonie, die sich gerne an den Blüten auf der Wildwiese bedient. Ein Garten konzipiert für alle Sinne – denn selbst anfassen oder auch ein Kräutlein probieren ist hier ausdrücklich erwünscht – aber dennoch bewusst angelegt, so dass die Natur nur minimal gezähmt wird. Barock im italienischen Sinn eben.

Klostergarten Cimiez - Rosenlaubgang in voller Blüte. Lustwandeln

Klostergarten Cimiez © Caroline B

Aber irgendwann im Laufe der Jahrhunderte gab es einen Klosterherrn, der der Versuchung nicht widerstehen konnte, einen Teil der Anlage à la Versailles-Barock umzugestalten. Ein großer Hit ist daraus nie geworden, und so ließ man der Natur bald wieder freien Lauf. Nur ein paar steinerne Ornamente und schnörkelige Beeteinfassungen erinnern noch an diese unglückliche Etüde in domptierter Landschaftsarchitektur.

Blick in den Barockgarten der Klosteranlage von Cimiez mit den Einfassungen. Lustwandeln bei Nizza.

Lustwandeln im Barockgarten von Cimiez.

Ansicht von oben auf den Klostergarten von Cimiez bei Nizza. Barockgarten und Lustwandeln - eine Einheit

Alles in Form gezwungen, der barocke Garten von Cimiez und trotzdem lädt er zum Lustwandeln ein

 Fürstlich wohnen im Palais Lascaris

Von den luftigen Höhen Cimiez‘ geht’s wieder zurück in die Altstadt, und da schauen wir mal beim Palais Lascaris aus dem 17. Jahrhundert vorbei, einem der schönsten Beispiele barocker Profanbauten in der Stadt.

Die Fassade ist so schlicht, dass man sie glatt verpasst, wenn man nicht gezielt auf der Fahndung ist. Aber innen kann das Palais getrost mit bayrischen Prunkschlössern konkurrieren – zwar nicht in Sachen Größe, aber Opulenz. Der ehemalige Wohnsitz einer alteingesessenen Fürstenfamilie, die Handel mit Italien betrieb, bietet heute als Museum einen beeindruckenden Einblick in die Welt des Niçoiser Großbürgertums der Epoche. So ganz nebenbei beherbergt es auch noch eine Sammlung ungewöhnlicher barocker Musikinstrumente. Wenn Sie immer schon mal Sackbut spielen wollten, können Sie hier ein Exemplar finden, das 1581 in Nürnberg angefertigt wurde.

Zimmmeransicht mit barocker Innenausstattung vom Palais Lascaris in Nizza. Lustwandeln im Barock

Palais Lascaris, Schlafzimmer und Vorzimmer – Bildquelle Wikicommons

Und Bronze für Nizzas ungleichstes Paar

Kirchen, so sagt ein hiesiges Sprichwort, gibt es hier mehr als ein Hund Flöhe hat. Das mag wohl wahr sein, besonders in heutigen Zeiten, wo man Fiffis Widersachern ja erfolgreich mit Insektiziden zu Leibe rücken kann. Aber selbst früher muss das der Fall gewesen sein, denn in der Altstadt von Nizza gibt es wirklich ein Gotteshaus an jeder Ecke, manchmal auch zwei. Und die Mehrzahl davon stammt aus der Barockzeit. Ein besonders schönes Exemplar haben wir in der Kathedrale St. Reparate, der lokalen Schutzpatronin gewidmet und in purem Barockstil erbaut. Der Glockenturm daneben, der sich so vertraulich an die Kirche anschmiegt, passt allerdings wie die Faust auf Auge. Er hatte ein gewisses anderweitiges Vorleben. Er wurde etliche Male schwer beschädigt und ab-, um- und wieder aufgebaut, immer mit den gleichen, 2.000 Jahre alten Steinen. Aber selbst wenn die beiden ein ungleiches Paar abgehen – die schöne, voluptuöse Nizzaerin und der lange, dürre ex-Römer – hat die Liebe doch die Jahrhunderte überdauert.

Ansicht von Ste Reparate mit Glockenturm um Platz Rossetti in Nizza im Sommer. Lustwandeln

Ste. Reparate und Glockenturm, Nizza, place Rossetti – Bildquelle Ville de Nice

Platz Drei, ex aequo: Place Garibaldi

Über Barock in Nizza zu schreiben, ohne Place Garibaldi zu erwähnen, wäre ein gewaltiges Sakrileg. Geht nicht. Nur kommt einem die Piazza, wie man sie hier nennt, nicht so schnell in den Sinn, denn sie ist einfach da, und ein solch beeindruckendes Ensemble von italienischem Spätbarock, dass man sie einfach als natürlichen und harmonischen Teil des Stadtbildes hinnimmt, ohne groß drüber nachzudenken. Und dennoch….

Place Garibaldi gilt zwar nicht als der offizielle Mittelpunkt der Stadt – den Job hat Place Masséna für sich gepachtet – aber es gibt kaum einen Ort in der Stadt, der zentraler ist. Hier ist der Übergang zur Neustadt, zur Nordstadt, zum Hafen, und zum Rest der Welt. Und dies schon seit fast 250 Jahren, als seinerzeit Antonio Spinelli das spätbarocke Ensemble von noblen Residenzen rund um einen Stadtplatz konzipierte. Hierbei war er wohl flüchtig von der Pariser place des Vosges inspiriert, aber auch die Mailänder Galerien flossen in seine Architektur hinein. Nizzaer Italo-Identität Eins A.

Und man liebt den „Gari“ hier, der geschaffen ist für Begegnungen. Hier residieren auch heute noch die alteingesessene Niçoiser Bourgeoisie direkt neben einem coolen Webdesign Büro. Hier trifft man sich unter den Arkaden zum Shoppen, auf schattigen Terrassen zum Apéro, zum Festschmaus im Café de Turin, oder um zusammen ins Théâtre National de Nice oder ins Moderne Kunst Museum nebenan zu gehen. Im Mittelpunkt thront ein riesiger Brunnen, dem Lokalhelden und Namensgeber des Platzes gewidmet, Giuseppe Garibaldi. Der hatte sich zeit seines Lebens im frühen 19. Jahrhundert wacker dafür geschlagen, dass Nizza niemals in französische Hände fällt. Auch eine wunderschöne Kirche gibt es hier, St. Sepulcre, die aber so elegant in das Gesamtkunstwerk des Platzes integriert ist, dass man sie eher für ein Theater hält.

Ansicht mit Häusern und Monument vom Platz Garibaldi mit St. Sepulcre in Nizza. Barockes Lustwandeln

Place Garibaldi, St. Sepulcre © Melo on the Cake

Im späten 20. Jahrhundert, angesichts des leeren Stadtsäckels, konnte der Zahn der Zeit kurzfristig an den historischen Fassaden knabbern, aber rührige Bürgermeister haben seither die Restauration zur Chefsache gemacht, mit großem Erfolg. Und genaues Hinsehen lohnt, denn Place Garibaldi hat auch eine kleine Überraschung für Sie in petto: viele der restaurierten Fassaden sind ein sehr gelungenes Trompe l’Oeil. Hier mischen sich Realität und Kunst wie nirgendwo anders in der Stadt.

Nun, haben Sie jetzt Lust bekommen, den (sehr) italienischen Barock meiner (un)französischen Stadt in all seinen reichen Facetten zu entdecken? Flanieren Sie, lustwandeln Sie, und genießen Sie mit uns Einheimischen. Denn Nizza ba-rockt!

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der Autoren und offiziellen Herausgeber

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4 Kommentare

  1. Pingback: Tweetwalk #Lustwandeln in Schleißheim - Gast beim "Blauen Kurfürsten"

  2. Hallo Natalie,
    was für ein schöner Artikel :-) Die Gärten sind wunderschön und die Kirche mit dem Turm ist eine sehr interessante Kombination. Ich konnte gerade viel über Nizza und den Barock lernen können und die Stadt hat es auf meiner Reiseliste geschafft.
    Viele Grüße
    Maria

    • Vielen Dank, Maria! Es würde mich freuen, wenn es Sie bald einmal nach Nizza verschlägt. Es lohnt sich wirklich, und nicht nur des Barocks wegen! Frohes Entdecken, N.I.