Chance ergreifen: Drei auf einen Streich – deutsche Museen rufen zur Blogparade auf

Ein absolutes Novum, kaum zu glauben, aber wahr: Gleich drei deutsche Museen haben die Chance einer Blogparade für die Kulturvermittlung ergriffen – das Historische Museum Frankfurt, die Schirn Kunsthalle Frankfurt und das Residenzmuseum in München. Die Blogparaden überschneiden sich und sorgen im Netz deshalb teils für Verwirrung. Wer macht was? #Blogparade #Privatsphäre, #ABlogparade2012 oder #KBlogparade2013 – ein Hashtagwirrwar, das zwar wunderbar ist, aber doch zu entwirren gilt, damit der positive Effekt dieser Initiativen möglichst groß ausfällt. Noch nie gab es drei zeitgleich laufende Blogparaden von Museen. Können diese voneinander profitieren?

Ja. Denn das Thema „Blogparade“ für den Kultursektor ist so digital allgegenwärtig. Die Aktion erfährt erhöhte Aufmerksamkeit, die Neugier auf die Entwicklung wächst und vielleicht fällt bei dem ein oder anderen die Hemmschwelle mitzumachen. Die Rechnung geht bereits jetzt auf: Die Posts werden zahlreich und das ist prima! Die Initiatoren haben die Chance ergriffen. Wer ergreift sie noch?

Was ist eine Blogparade?

Bevor ich über Chancen weiter sprechen möchte, muss geklärt werden, was eine Blogparade überhaupt ist und wie sie abläuft. Das Blog des Residenzmuseums hilft hier weiter:

„Eine Blog-Parade ist eine Web2.0-Veranstaltung. Hierzu ruft ein Blogbetreiber auf. Er gibt das Thema vor. Andere Blogger verfassen dazu in einer gesetzten Frist einen Artikel auf ihrem Blog. Sie verlinken diesen mit dem Aufruf des Initiators der Blog-Parade. Er sammelt die Beiträge, analysiert sie und zieht schließlich ein Resümee der Blog-Parade.“

So kann eine Blogparade ablaufen. Eine abschließende Zusammenfassung der Beiträge wird nicht grundsätzlich gegeben. Das Residenzblog hat dies bereits bei seiner ersten Blogparade 2012 realisiert. Ungewöhnlich und absolut hervorragend ist der direkte Vergleich der drei aktuellen Blogparaden: Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind nachvollziehbar. Verbindendes Element ist die erkannte Chance, die eine Blogparade für die Kulturvermittlung bietet.

Chance Blogparade – verlinken, liken, retweeten und kommentieren

Über die Blogparade bieten sich neue Möglichkeiten der Mitgestaltung, des Austausches und der Vernetzung. Die Nachhaltigkeit im Web ist gewährt und man darf gespannt sein, welche Resonanz das Novum von drei parallel laufenden Blogparaden findet. Privatpersonen beteiligen sich, aber auch Museen machen bei ihren Kollegen mit – der Vernetzungsgedanke wird gelebt. Der virale Effekt ist enorm, denn sowohl Initiatoren als auch Beteiligte und Leser teilen die Posts. Es wird im Aufrufpost verlinkt, zusätzlich via Facebook und Twitter über den Eingang eines neuen Artikels informiert bzw. geliked oder retweeted. Im Idealfall werden die Beiträge kommentiert. Das kann ein simples Dankeschön oder ein Lob für den Post sein – ein Blogger freut sich darüber, eine Institution erst recht – es kann aber auch eine Diskussion sein. Das bleibt in Erinnerung. Ist das aber Usus? Nein.

Weiterentwicklung der Blogparade – Steigerung der Kommentarbereitschaft

Gerade Diskussionen sind sehr wünschenswert, aber für institutionelle Blogs noch nicht gängig. Museumsblogs bilden da keine Ausnahme – im Gegenteil, hier wird erst recht wenig kommentiert, vermutlich ist der Respekt zu groß. Daran gilt es zu arbeiten. Es müssen im nächsten Schritt Mittel und Wege gefunden werden, den direkten Austausch zu fördern, die Kommentarbereitschaft zu wecken. Aktionen wie Blogparaden können dabei helfen, aber nur, wenn der Vernetzungsgedanke tatsächlich ernst gemeint ist. Empfehlenswert ist, dass Institutionen selbst vermehrt kommentieren, zumindest dort, wo es Sinn macht. Es geht dabei nicht um eine gegenseitige Beweihräucherung, sondern um authentische Dialoge, die tatsächlich gewollt sind. Aber auch damit wird Neuland betreten. Trotzdem – was vorgelebt wird, wird irgendwann auch nachgemacht. Dazu bedarf es Zeit und Ausdauer. Grundsätzlich bietet eine Blogparade die Chance, Forum für Diskussionen zu sein, denn der Beitrag an sich ist bereits eine ernst genommene Auseinandersetzung mit dem Museum. Der Denkprozess ist also ausgelöst, Partizipation und Dialog sind angestrebt. Wunderbar!

Drei auf einen Streich – welches Museum macht welche Blogparade

#ABlogparade2012: Historischen Museums Frankfurt – bis 21. Januar 2013

Save the date! Im Dezember gestartet können Beiträge bis zum 21.01.2013 eingereicht werden. Gesucht wird „die spannende Ausstellung 2012“. Jeder kann teilnehmen. Das Stichwort lautet „Ausstellungs-Blog-Parade 2012“ bzw. #ABlogparade2012 als Twitter-Hashtag (@histmus). Sehr schöne Einsichten in vergangene Schauen werden vermittelt.

#PRIVATSPHÄRE: Blogparade der Schirn – bis 23. Januar 2013

Auch hier – save the date! Die Blogparade findet im Rahmen der Ausstellungen „Privat – Fluch oder Segen“ statt. Unter dem Stichwort bzw. Hashtag #PRIVATSPÄRE fragt das Schirn Mag (@schirn) seine Leser „nach den Vor- und Nachteilen des im Wandel begriffenen Privatsphäre-Begriffs unserer Gegenwart.“ Bis zum 23.01.2013 werden Posts angenommen. Jeder kann teilnehmen. Die bisherigen Posts regen stellenweise zum Nachdenken an. Vor allem Privatheit im Kontext der Sozialen Medien ist zu überdenken. Hier könnten die Macher der abgelaufenen Blogparade „Da geht was – die Blogparade der Projektgruppe Kultur, Medien, Öffentlichkeit“ (Bundestag, Enquete-Kommission. Internet und digitale Gesellschaft) noch Anregungen erhalten.

#KBlogparade2013: Residenzmuseums – bis 17. Februar 2013

Die Blogparade des Residenzmuseums thematisiert den „Blick hinter die Kulisse – unser Arbeitsalltag“. Stichwort ist „Kultur-Blogparade 2013“ bzw. #KBlogparade2013. Bis zum 17.02.2013 werden Beiträge angenommen. Die Teilnahme ist auf Kulturinstitutionen (Museen, Theater, Verlage, Kulturprojekte etc.) beschränkt. Der Vernetzungsgedanke der Institutionen untereinander bzw. mit der Leserschaft steht im Vordergrund. Die Aktion findet in Kooperation mit den Kulturkonsorten statt. Über 50 Museumsblogs gibt es aktuell. Wer von ihnen gestaltet alles das Kaleidoskop kultureller Vielfalt? Bald wissen wir mehr.

Das Blogparaden-Knäul ist entwirrt, Gedankenfetzen sind weiterzudenken und die Tastaturen sollten jetzt glühen. Daumen hoch pro Blogparade, pro digitale Kulturvermittlung, pro Dialog!

Nachtrag – Ergebnis der beendeten Blogparaden

#ABlogparade2012, Historisches Museum Frankfurt:
14 Beiträge sind zusammengekommen, dabei erhielten wir Einblicke in 16 Ausstellungen (Jenny Fuchs bot zusätzlich eine Vielzahl an Besprechungen) – tolle Leistung! Das Redaktionsteam verlinkte die Posts mit dem Aufruf-Artikel. Schön ist, das Nina Gorgus vom Historischen Museum sich auf den Blogs der Teilnehmenden bedankte. Ausschließlich via Twitter informierten sie über die Neueingänge #keinFacebookeingesetzt. Heute (31.01.2013) veröffentlichte das Museum nun sein Fazit der #ABlogparade2012. Sie ordneten die Beiträge nach Kategorien, analysierten die zugrundelegenden Struktur – eine prima Herangehensweise. Insgesamt war das eine sehr gelungene Aktion!

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15 Kommentare

  1. Pingback: 10 Tipps für die erfolgreiche Durchführung einer Kultur-Blogparade » KULTUR - MUSEO - TALK

  2. Hallo Tanja!
    Vielen Dank für den schönen Artikel und auch für die Definition von Blogparade. Blogparaden sind ein tolles Mittel, Museen und andere Kultureinrichtungen miteinander in Kontakt zu bringen! Sie müssten viel häufiger genutzt werden!
    Grüße, Marlene

  3. Sebastian V.

    Warum ich häufiger auf FB kommentiere, als direkt im jeweiligen Blog? Es geht meist einfacher und schneller (Keine Captcha, Warten auf Freischaltung).

    Außerdem kann ich meine Kommentare bei FB bearbeiten oder „löschen“.

    • Tanja Praske

      Lieber Sebastian,
      tja, die technischen Probleme meines Blogs stützen deine Haltung, aber das ist schade. Ein Facebookpost bleibt zwar, aber die Sichtbarkeit nimmt mit voranschreitender Zeit ab und ich spreche nicht von Konsequenzen, die vielleicht durch Parameterveränderungen bei FB die Auffindbarkeit tangieren. Ganz anders verhält es sich mit dem Blogkommentar: Er bleibt sichtbar und auffindbar.
      Nachträgliche Veränderungen: Klar, autonom ist man dort nicht, aber immerhin gibt es die Möglichkeit den Blogbetreiber anzusprechen für Änderungswünsche. Löschen, hm, auch das lässt sich ansprechen. Ich war auch manches Mal beim Kommentieren zu fix, Rechtschreibfehler oder grammatikalische Umgereimtheiten, weil ich den Satz umgestellt und um mich herum Trubel hatte und schwupps stand etwas so da, wie ich es nicht vorgesehen hatte. Ist das menschlich? Ja. Kann es geändert werden? Ja. Nur es liegt dann nicht allein in meiner Hand, sondern setzt die Bereitschaft des Blogbetreibers voraus hier mitzuwirken. Ich wirke mit ;-) Denn ich möchte auch weiterhin diskutieren und darüber Ideen gewinnen.
      Was für ein Roman … aber es freut mich außerordentlich, dass Ihr alle hier mitmacht. Ehrlich gesagt beflügelt mich das und ich fliege sehr gerne mit Euch allen ;-).

      Herzliche Grüße nach Berlin…

      • Sebastian V.

        Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, Tanja! Schön, dass es jetzt wieder funktioniert.

        Wünsche Dir noch viele Kommentare. Und möglichst wenig Nacharbeit wegen indivdueller Änderungswünsche. ;)

    • Tanja Praske

      Sorry, QWoo, mein Blog hatte technische Probleme. Ich habe Deinen und Sebastians Kommentar erst gar nicht gesehen. Dank Facebook wurde ich darauf heute aufmerksam gemacht. Ein SOS-Anruf und jetzt funktioniert wieder alles. Ich sollte zukünftig immer wieder mal testen, ob Kommentare auch tatsächlich ankommen. Denn es wäre sehr schade, wenn sie untergehen und die Lust nimmt auf Blogs (respektive hier) zu kommentieren. Denn das Blog betrachte ich als Base für Diskussionen und Inspirationen. Ich bin auch immer sehr gut, vielleicht gar zu gut über Twitter erreichbar @TanjaPraske ;-)
      Vielen Dank, dass du es erneut versucht hast!

      • Prima! Denn die Kommentare in einem Blog sind wie das Currypulver auf die Wurst. (Manchmal auch wie das Chilipulver. ;)

  4. Es ist absolut verständlich, dass die Kommentare eher da entstehen, wo die Menschen sich im Netzt häufig(er) aufhalten. Vielleicht ist es ja eine Lösung, diese „fremden“ Kommentare auch im jeweiligen eigenen Blogpost sichtbar zu machen.

    Dem Technologie-Magazin t3n gelingt es zum Beispiel vorbildlich, auch FB-Kommentare zu integrieren, wie u. a. in diesem Post schön zu sehen: http://t3n.de/news/design-museum-findet-windows-437479/

    • Tanja Praske

      Liebes QWoo,
      ja, da ist etwas Wahres dran. Kommentare entstehen dort, wo man sich aufhält. Gleichwohl glaube ich aber auch, dass die Hemmschwelle auf Facebook zu kommentieren ungleich niedriger ist, als auf einen Museumsblog. Hm … der Leser ist dort unterwegs, ergo kommentiert er dann auch eher dort.
      @Kulturmanager brachte den Einwand, dass Museumsblogs personalisierter sein sollten. Der Verfasser der jeweiligen Blogartikel sollte erkennbar aus „Fleisch und Blut sein“ – eher meine Interpretation. An dem Punkt ist schon etwas dran.
      Das Residenzmuseum hat jetzt einen Test realisiert. Der Gastbeitrag über das Kruzifix provozierte auf den manuell erstellten Facebookpost Kommentare und Nachfragen. Sie haben diese jetzt als Blogkommentar wiedergegeben, denn nicht alle Leser sind auf Facebook unterwegs http://www.residenz-muenchen-blog.de/?p=2471#more-2471.
      Hier gibt es einiges auch für mich noch zu überdenken und zu testen. Aber ich glaube, dass Aktionen wie Blogparaden Hemmschwellen niederreißen können. Es wird normaler mitzumachen und vielleicht dann auch zu kommentieren. Es sollte vor allem Spaß machen so etwas zu tun und das Museum muss tatsächlich den Dialog auch wollen.
      Vielen Dank!

  5. Tanja Praske

    Liebe @Nina, sehr gerne geschehen. Drei Museumsblogparaden sind einfach nur phänomenal! Ich wünsche Euch für die #ABlogparade2012 noch möglichst viele Beiträge, ein paar Tage sind es ja noch, bevor sie beendet ist. Bereits jetzt erstaunen mich die Posts – weiter so!

    Liebe @Christina, stimmt und wünschenswert ist tatsächlich das der Hunger auf Kultur, ob real oder digital, grenzenlos ist. Ich finde es prima, dass du so tatkräftig mitmachst :-)!

  6. Du sprichst mir aus de Seele, was das Kommentieren angeht. Bei all den wunderbaren Beiträgen, die es zu den Blogparaden gibt (und gab), bleibt das Kommentieren etwas auf der Strecke. Und gerade diese Diskussion wären doch spannend und bringen einen auch persönlich weiter.
    Bedenkt man, dass Blogparaden bis vor einem Jahr in der Museumsszene noch völlig unüblich waren, sind drei parallel laufende ein echter Erfolg.
    Ich würde mir wünschen, dass der Funke auch auf andere Kulturbereiche (Theater, Oper, Orchester) überspringt.

    • Tanja Praske

      Liebe Ulrike,
      Ja, ich bin überwältigt davon – drei Blogparaden von Museen – famos! Noch vor einem Jahr betrat das Residenzmuseum damit Neuland, der Zuspruch gegenüber dieser neuen Form der digitalen Kulturvermittlung war klasse. Klasse war aber auch, was sich dann im Verlaufe des Jahres abspielte, Microblogparaden, Theaterblogparade … Prima, je mehr Aktionen es dieser Art gibt, umso eher wird die Hürde zu kommentieren abgebaut. Wir alle, auch Institutionen, müssen da mit gutem Bespiel vorangehen. Vor allem dürfen wir uns nicht entmutigen lassen, wenn die tatsächliche Interaktion auf den Blogs eher mau ist. Die Diskussion findet oft woanderes statt (FB, Twitter). Die Zugriffszahlen sind aber Indiz, dass diese Form der Kulturvermittlung Zuspruch genießt.
      Der Funke wird irgendwann auch auf die anderen kulturellen Bereiche überspringen … die Aufmerksamkeit ist da. Jetzt muss nur noch gezeigt werden, dass das alles kein Hexenwerk ist. Sicherlich, es beansprucht Zeit. Zeit, die aber m. E. sehr gut angelegt ist.
      Ich freue mich auf die weitere Entwicklung!

      herzlich, Tanja

  7. Sehr inspirierend!. Danke Tanja für die schöne „Entwirrung“.

    Es ist wirklich toll zu erleben, wie dynamisch sich die Blogparaden entwickeln und auch wunderbar ergänzen.
    Die vernetzte web.2.0-Kommunikation im Kulturbereich macht viel Lust auf reale Begegnungen mit Kunst, Künstlern und Kulturschaffenden.